der muerzpanther
LEUCHT WELT! Das Thema   hat   natürlich   einen   ernsten   Hintergrund:   Lichtverschmutzung   durch   Großstädte,   aber   auch   in   unseren Gärten.   Der   Kunstanstifter   Verlag,   der   für   Qualität   bürgt,   hat   mit   dem   Titel   LEUCHTWELT   (für   weiterführende Infos:   HIER )   von   Katja   Gerischer   wieder   ein   wunderbares   Buch   verlegt.   Im   Mittelpunkt   der   grafischen   Erzählung steht ein Zugvogel, der durch einen Sturm von seinem Schwarm getrennt wird. Recherchiert   man   im   Internet   zu   dieser   Problematik,   erfährt   man,   dass   nachtaktive   Zugvögel   den   Sternenhimmel zur   Orientierung   nutzen.   Sie   sind   in   der   Lage,   die   Konstellationen   der   Sterne   zu   lesen   und   verwenden   den Polarstern   als   festen   Orientierungspunkt,   der   nach   Norden   weist.   Außerdem   besitzen   Vögel   spezielle   licht- empfindliche   Moleküle   in   ihren Augen,   mit   denen   sie   das   Magnetfeld   der   Erde   wahrnehmen   können.   Dadurch   sind sie in der Lage, Himmelsrichtungen zu bestimmen.
NACH OBEN NACH OBEN
“Manchmal   muss   es   dunkel   sein,   damit   wir   bestimmte   Lichter   sehen   können“   meint   die   Illustratorin   in   einem Video   und   spricht   damit   wahrscheinlich   nicht   nur   Hell/   Dunkel   oder   Farbsehen   an,   sondern   auch   die   Problematik dahinter.   In   diesem   Fall   die   Schwierigkeiten   von   Wildtieren   sich   in   einer   Umwelt   zurechtzufinden,   die   menschen- beeinflusst   ist   -   durch   nächtliche   Lichtverschmutzung.   Diese   fängt   in   unseren   Gärten   durch   Beleuchtung   an   und hört   bei   Millionenstädten   auf,   die   eine   Lichtkuppel   nächtens   durch   Straßenbeleuchtung   über   sich   errichten. Skyglow   wird   das   im   Fachterminus   genannt   und   beschreibt   eben   die   sichtbare   Himmelsaufhellung,   die   durch Streuung von künstlichem Licht in der Atmosphäre verursacht wird. Katja   Gerischer   gelingt   es   durch   eine   fast   monochrome   Darstellung   den   Effekt   hervorragend   herauszuarbeiten. Die   Illustrationen   sind   als   analoge   Graustufezeichnungen   mit   Bleistift   und   Kohle   entstanden,   digital   koloriert.   Sie führen   mit   einem   tollen   Gefühl   für   Bildgestaltung,   Bildproportionen   und   der   Komposition   durch   die   Lichter   der Stadt   mit   einem   Vogel   als   „einsamer   Held“!   Dass   dieser   letztlich   wieder   als   Passagier   eines   Frachtschiffes   zu seinem   Schwarm   zurück   in   die   nächtliche   Dunkelheit   findet,   erzeugt   beim   Betrachter   nicht   unbedingt   das   Gefühl von   Erleichterung   -   man   nimmt   es   eher   zur   Kenntnis.   Damit   verschwindet   aber   auch   der   mahnende   Finger,   weil die   Geschichte   ausdrückt,   dass   die   Lichtverschmutzung   zwar   gegeben   ist,   die   Natur   aber   in   keine   Schieflage bringt.   Der   Vogel   findet   auch   durch   die   Widrigkeiten   der   Stadt   wieder   zu   seinem   Schwarm   -   dadurch   fragt   man sich,   ob   Kinder   die   Problemstellung   richtig   einordnen   können,   oder   ob   es   eventuell   erklärender   Worte   von Erwachsenen bedarf um die Thematik in`s rechte Licht zu rücken? Es wäre einen Versuch wert! Auffallend    ist    das    Fehlen    von    Text,    tut    aber    dem    Buch    in    seiner    Eindringlichkeit    keinen    Abbruch.    Die Konzentration   liegt   damit   ganz   auf   dem   Blatt,   dem   Detail:   das   Grelle,   das   Unheilvolle,   das   Bedrohliche   und   das Erlösende.   Schön   wäre   er   aber   doch   gewesen,   der   Text.   Und   damit   Sie   sich   eine   Vorstellung   machen   können,   wie stimmig   der   Text   in   Bild   verwandelt   wurde,   möchte   ich   hier   das   Gedicht   „Schwüle“   von   1882   von   Conrad Ferdinand   Meyer   anführen   -   falls   Sie   sich   entschließen,   sich   diesen   wunderschönen   Band   zuzulegen,   was   ich wärmstens empfehlen kann:  Schwüle Trüb verglomm der schwüle Sommertag Dumpf und traurig tönt mein Ruderschlag - Sterne, Sterne - Abend ist es ja - Sterne, warum seid ihr noch nicht da? Bleich das Leben! Bleich der Felsenhang! Schilf, was flüsterst du so frech und bang? Fern der Himmel und die Tiefe nah - Sterne, warum seid ihr noch nicht da? Eine liebe, liebe Stimme ruft Mich beständig aus der Wassergruft - Weg, Gespenst, das oft ich winken sah! Sterne, Sterne, seid ihr nicht mehr da? Endlich, endlich durch das Dunkel bricht - Es war Zeit! - ein schwaches Flimmerlicht - Denn ich wusste nicht, wie mir geschah. Sterne, Sterne, bleibt mir immer nah!
Die Erzählung war in der Urfassung mit Text versehen, basierend auf einem Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer. Die Entscheidung diesen wegzulassen, tut dem Buch keinen Abbruch! der MÜRZPANTHER