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WER KENNT IHN NICHT? DEN CASTOR FIBER! Das   zur   Zeit   derart   als   Kuscheltier   und   Schultaschenverzierung   beliebte   Capybara   ist   das   größte   Nagetier   der Welt.   Gleich   dahinter   aber   kommt   bereits   mit   einer   Körperlänge   von   bis   zu   1,30   m   (davon   beträgt   die   Schwanz- länge   etwa   0,35   m)   und   30   kg   Körpergewicht   der   einheimische   Biber. Aber   nicht   nur   aufgrund   seiner   Größe   ist   er unverwechselbar,   auch   gewisse   Körpermerkmale   sind   einzigartig:   Der   Schwanz   ist   kellenförmig   und   beschuppt, er   unterstützt   das   Tier   beim   Schwimmen   und   Sitzen.   Die   Hinter-   und   Vorderpfoten   sind   mit   starken   Krallen ausgestattet,   welche   an   die   Grabtätigkeit   angepasst   sind.   Das   Biberfell   ist   sehr   dicht   und   wird   vom   Tier   regel- mäßig   mit   einem   Sekret   aus   den   Öldrüsen   eingefettet.   Der   Biber   hat   einen   sehr   gut   ausgebildeten   Hör-   und Geruchssinn,   dagegen   ist   das   Sehvermögen   eher   schwach.   Die   Zähne   sind   wurzellos   und   wachsen   ständig   nach. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv. Das   sind   nüchtern-fachliche   Betrachtungen   aus   der   Diplomarbeit   von   Maik   Schütz   aus   dem   Jahre   2016   vom Institut    für    Wasserbau    und   Technische    Hydromechanik    in    Dresden.    Darin    enthalten    ist    natürlich    nicht    die Faszination,   so   ein   Tier   in   freier   Wildbahn   zu   beobachten.   Aber   dieser   Umstand   ergibt   sich   hoffentlich   zu- nehmend   öfter   und   birgt   für   ein   natürliches   und   naturnahes   Umfeld   viele   Vorteile,   die   gleichzeitig   mit   einem „Umbau“ in der Natur Hand in Hand gehen. Das   leitet   dazu   über,   dass   die   Besiedelung   mancher   Gewässer   von   Bibern   nicht   nur   auf   Befürworter   stößt.   Für Schutzmaßnahmen   der   Bundesländer   und   deren   Umsetzung   erstellt   der   WWF   regelmäßig   ein   "WWF-Bundesländer Barometer",   der   über   den   Biber   Bestand   in   der   Steiermark   folgendes   berichtet:   „Beim   Biber   gibt   es   zwar   Landes- vertragsnaturschutz,    Förderungen    für    Biberhabitate,    finanzielle    Unterstützung    für    Präventionsmaßnahmen sowie   Beratung   durch   die   Berg-   und   Naturwacht.   Zugleich   fehlen   Kompensationsmaßnahmen,   und   eine   neue Verordnung soll künftig die Tötung von bis zu 84 Bibern ermöglichen.“ Nachdem   der   MÜRZPANTHER   für   Informationen   immer   an   die   Quellen   geht,   haben   wir   um   ein   Interview   bei   Mag. Peter Mehlmauer von der Steiermärkische Berg- und Naturwacht angefragt.
Foto Mitte oben: Helmut Niederwieser, alle anderen: © siehe Videos! Biberspuren.       Zu   den   Bildern   noch   ein   paar   Fakten:   Der   Bi- ber   ist   ein   reiner   Pflanzenfresser   und   benötigt 1,5   kg   Nahrung   am   Tag.   Im   Winter   wird   fast ausschließlich    Rinde    von    gefällten    Bäumen gefressen.   Es   werden   Weichhölzer   bevorzugt. Ein   Baum   mit   einem   Stammdurchmesser   von 10 cm wird innerhalb von einer Nacht gefällt.       Biber   leben   in   Familien   zusammen,   dabei besteht    eine    Familie    aus    den    Elterntieren, den   diesjährig   und   den   vorjährig   geborenen Jun-gen.   Diese   verlassen   kurz   vor   Ende   des zweiten   Lebensjahres   die   Eltern   und   begeben sich   auf   Wanderschaft.   Die   Reviergröße   einer Biberfamilie kann sehr unterschiedlich sein.
dMP:   Breiten   sich   Biber   immer   entlang   von   Fließgewässern   aus?   D.h.   kann   man   abschätzen   wie   und   wohin sich die Biber in Zukunft weiter ausbreiten werden? Peter   Mehlmauer:   Biber   breiten   sich   generell   entlang   von   Gewässern   aus.   Sie   nutzen   diese   als   Wanderrouten. Biber    besiedeln    allerdings    nur    Gewässerabschnitte,    die    für    sie    geeignete    Eigenschaften    aufweisen.    Sie bevorzugen   eher   langsam   fließende   Gewässer,   und   der   Uferbewuchs   muss   geeignete   Pflanzen   aufweisen,   die dem   Biber   als   Nahrung   dienen.   Zusätzlich   werden   immer   wieder   Teiche   besiedelt.   Eine   Vorhersage,   wo   sich Biber ansiedeln werden, ist daher bis zu einem bestimmten Grad möglich. dMP:   Bis   in   welche   Höhenlagen   kommen   Biber   vor   und   ändert   sich   gerade   durch   die   Temperaturver- schiebung etwas daran? Peter    Mehlmauer:    Biber    kommen    am    häufigsten    in    Höhenlagen    zwischen    600–800    Höhenmetern    vor.    Das höchstgelegene   Biberrevier   liegt   in   der   Schweiz   auf   1700   Metern.   Die   Ausbreitung   des   Bibers   hängt   nicht   direkt mit    dem    Klima    zusammen.    Vielmehr    ist    sie    von    der    Verfügbarkeit    geeigneter    Gewässer    und    dem Nahrungsangebot   abhängig.   Ein   Einfluss   des   sich   verändernden   Klimas   auf   die   Verbreitung   des   Bibers   ist   daher nicht abzuschätzen. dMP:   Wie   empfindlich   sind   Biber   bezüglich   der   Wasserqualität? Auf   vielen   Fotos   sieht   man   die   Biber   in   sehr flachen   Gegenden   mit   viel   Landwirtschaft.   Dort   wird   gedüngt.   Schadet   das   dem   Biber   oder   meidet   er   solche Gewässer? Peter   Mehlmauer:   Der   Biber   stellt   keine   besonderen   Ansprüche   an   die   Wasserqualität,   wie   die   chemische Zusammensetzung    oder    bestimmte    Werte.    Umgekehrt    allerdings    kann    die    Anwesenheit    des    Bibers    die Wasserqualität   verbessern.   Die   von   ihm   errichteten   Dämme   können   beispielsweise   Schwebstoffe   aus   dem   Wasser filtern, und im Staubereich können sich Mikroorganismen, die den Nährstoffabbau erhöhen, leichter ansiedeln.
dMP:   Sind   Mittel   wie   Elektrozäune   in   der   Natur   wirklich   eine   Lösung,   um   Wildtiere   von   Wasserkulturen abzuhalten – ich selbst habe verendete Kröten darin gesehen! Peter   Mehlmauer:   Die   von   der   Biberberatung   angebotenen   Maßnahmen   zur   Prävention   von   Schäden   durch   den Biber   sind   erprobt   und   für   den   jeweiligen   Zweck   wirkungsvoll.   Wichtig   ist   es,   diese   Maßnahmen   richtig   um- zusetzen   und   regelmäßig   zu   warten.   So   wird   zum   Beispiel   bei   Elektrozäunen   von   der   Biberberatung   immer   gefor- dert,   die   unterste   Litze   des   Zaunes   zur   Laichzeit   der   Amphibien   stromlos   zu   machen,   um   eine   ungehinderte Amphibienwanderung zu ermöglichen. dMP:   Halten   Sie   von   der   Berg-   und   Naturwacht   den   Zugang   zu   Wildtieren   in   Ö   in   dieser   Form   für   sinnvoll? Kaum   erscheint   irgendwo   ein   Wildtier   (Wölfe,   Kormorane,   Biber,   Luchse   ...)   beginnen   sofort   amtliche Stellen   in   Österreich   Konzepte   zum   “Zusammenleben”   zu   erstellen.   Zeugt   das   nicht   von   einem   unfassbaren Unverständnis für Tiere und Natur im Allgemeinen? Peter   Mehlmauer:   Die   Aufgabe   der   Steiermärkischen   Berg-   und   Naturwacht   besteht   nicht   nur   darin,   auf   gesetz- liche   Bestimmungen   hinzuweisen,   sondern   auch   Verständnis   für   die   Natur   und   ihre   Zusammenhänge   zu   schaffen. Wenn   Menschen   verstehen,   warum   ein Tier   bestimmte   Lebensräume   nutzt   und   welche   Funktion   es   im   Ökosystem erfüllt, steigt auch die Bereitschaft, seinen Schutz zu akzeptieren. Der   Begriff   „Zusammenleben“   darf   dabei   aber   keineswegs   bedeuten,   dass   der   Mensch   Wildtiere   kontrolliert   oder ihre   natürliche   Lebensweise   bestimmt.   Vielmehr   geht   es   darum,   Wildtieren   den   notwendigen   Raum   zu   geben, ihre   Lebensweise   zu   respektieren   und   dort,   wo   menschliche   Interessen   berührt   werden,   Konflikte   möglichst   zu vermeiden. Konzepte   des   Miteinanders   können   dazu   beitragen,   Bewusstsein   und   Verständnis   zu   schaffen   und   damit   auch   die Bereitschaft zu stärken, die gesetzlichen Schutzbestimmungen einzuhalten. der MÜRZPANTHER: Herzlichen Dank für das Interview!
     Auf   diese Aufnahmen   ist   der   MÜRZPANTHER   besonders   stolz.   Sie   wurden   der   Redaktion   von   einem   Naturliebhaber   und   genauen   Beobachter   zu   Verfügung gestellt. DANKE!       Der   Biber   siedelt   sich   immer   an   Gewässern   an.   Dieses   darf   im   Sommer   nicht   trocken   fallen   und   im   Winter   nicht   bis   zum   Grund   durchfrieren.   Er   benötigt einen   Wasserstand   von   50   bis   80   cm,   damit   der   Eingang   seiner   Burg      unter   Wasser   verbleibt.   Biber   bevorzugen   Flüsse   in   Wäldern   oder   mit   zumindest einem hohen Vorhandensein von Ufergehölzen.       Biberbaue   werden   an   steilen   und   sandigen   Ufern   hinein   gegraben.   Wo   dies   nicht   möglich   ist,   werden   Burgen   aus   vorgefundenen   Material   (Zweigen, Ästen,   Steinen,   Schlamm)   gebaut.   Die   Baue   werden   ständig   in   Stand   gehalten.   Des   Weiteren   braucht   der   Biber,   wie   bereits   erwähnt,   einen   Wasserstand von   50   bis   80   cm,   damit   die   Eingänge   zu   den   Burgen   unter   Wasser   liegen.   Um   diesen   bei   schwankendem   Wasserspiegel   zu   gewährleisten,   baut   er   Dämme, welche ebenfalls aus Zweigen, Ästen, Steinen und Schlamm bestehen.