der muerzpanther
NACH OBEN NACH OBEN
VON HELLROSA BIS SMARAGDGRÜN Den   Blick   in   der   Natur   auch   manchmal   auf   den   Boden   zu   richten,   kann   sehr   erfüllend   sein!   Haben   Sie   schon einmal   einen   Regenwurm   näher   betrachtet?   Oder   sich   gar   Gedanken   gemacht,   was   dieses   kleine   Lebewesen   an Funktionen   hat   und   erfüllt?   Nennen   Sie   mir   drei   Schmetterlingsarten!   Kein   Problem!   Nennen   Sie   mir   drei   Regen- wurmarten!   Es   gibt   unterschiedliche   Arten?   -   werden   Ihre   Gedanken   sein!   Ja,   die   gibt   es   und   sie   unterscheiden sich   genau   so   wie   alle   anderen   im   Tierreich   auch!   Noch   dazu   haben   Regenwürmer   den   Ruf,   unglaublich   nützlich zu   sein   …   In   diesem   Interview   mit   Carolina Trcka-Rojas   vom   Naturschutzbund   Österreich   können   Sie   diese   fantas- tischen Bodenbewohner näher kennen lernen, die sich ab und zu auch an der Oberfläche zeigen. dMP: Welche Regenwurmarten gibt es überhaupt? Carolina   Trcka-Rojas:   Es   gibt   in   Österreich   ziemlich   viele   Arten,   zwischen   60   und   65!   Allerdings   sind   diese   sehr schwer   zu   unterscheiden.   Es   gibt   die   morphologischen   Unterschiede,   die      allerdings   nur   unter   dem   Mikroskop   zu sehen   und   nur   von   Experten   zu   erkennen   sind. Aber   man   kann   drei Arten   gut   vorstellen.   Eine   der   häufigsten   und bekanntesten   ist   der   Tauwurm,   der   auch   ziemlich   groß   wird.   Dann   gibt   es   den   Kompostwurm,   der   sehr   häufig eben   in   Komposthaufen   und   sehr   nährstoffreichen   Bereichen   vorkommt   und   etwas   kleiner   als   der   Tauwurm   ist. Wenn   man   also   einen   sehr   langen   und   schön   gestreckten   Regenwurm   sieht,   ist   es   meistens   der   Tauwurm.   Der dritte,    der    besonders    spannend    zu    erwähnen    ist,    ist    der    Smaragdregenwurm.    Dieser    wird    auch    gerne    als Regenbogenregenwurm   bezeichnet,   weil   er   in   seinem   Leben   die   Farbe   ändert.   Wenn   er   zwei   Jahre   alt   wird,   wird er wunderschön smaragdgrün. Er ist recht selten und kommt in feuchten Wäldern in Höhenlagen vor. dMP: In welchen Höhenlagen? Carolina   Trcka-Rojas:   Ab   ca.   600   Metern   aufwärts   –   in   mittlerer   Höhe,   er   kann   aber   auch   in   den   feuchten Wäldern etwas tiefer vorkommen. dMP:   Wir   sind   hier   in   Neuberg   an   der   Mürz   in      750   MüA,   das   heißt,   die   Chance   besteht,   dass   wir   ihn   hier sehen könnten? Carolina   Trcka-Rojas:   Ganz   genau   –   vor   allem   in   feuchten   Laubwäldern.   Smaragdregenwürmer   sind   allerdings sehr schwierig zu sehen. Sie sind nicht extrem selten, aber selten genug, um ein absoluter Hingucker zu sein!
dMP: Wechseln sie über ihre Lebensspanne öfter die Farbe, oder beginnt und endet das irgendwann? Carolina Trcka-Rojas: Eine genaue Angabe darüber kann man nicht machen, weil das mit ihren Stoffwechsel-prozessen und der hormonellen Situation zusammenhängt. Wenn sie geboren werden, sind sie hellrosa, manch-mal gehen sie verlaufend in`s Lila hinein, manche werden eher gelblich, andere eben smaragdgrün – diese Farbe bekommen sie frühestens allerdings erst nach zwei Jahren.   dMP: Das ist wirklich erstaunlich! Ich interessiere mich sehr für die Natur, aber über die Regenwürmer habe ich bis dato fast nichts erfahren und noch viel weniger gewusst! Schon gar nicht über den Smaragdregen-wurm!  Carolina Trcka-Rojas: Ja, auch ich habe die längste Zeit nicht gewusst, dass es ihn gibt und das ist wirklich schade!   dMP: Dann muss ich im Artikel die Leute darauf aufmerksam machen, etwas mehr auf den Boden zu achten, nicht nur immer nach Vögeln und Schmetterlingen Ausschau zu halten.  Carolina Trcka-Rojas: Absolut!  dMP: Unterscheiden sich die Arten auch in der Nahrungsaufnahme, im Lebensstil, wenn sie doch in verschiedenen Bodenformen vorkommen? Carolina Trcka-Rojas: Der große Unterschied bei den Arten ist, dass sie auf die verschiedenen Bodentypen spezialisiert sind, unterschiedliches Futter mögen, der Smaragdregenwurm bevorzugt beispielsweise die Wald-böden. Der Kompostregenwurm nährstoffreiche und saure Böden. Der Tauwurm mag abgestorbenes Pflanzen-material und hält sich gerne im Wurzelbereich, er geht bis zu drei Meter in die Tiefe, der Pflanzen auf und bevorzugt einen etwas basischen Boden - damit sind die Arten recht spezialisiert!   dMP: Daher könnte man sagen, dass die verschiedenen Arten so etwas wie „Bodenzeigerarten“ sind? Carolina Trcka-Rojas: Das kann man aber nicht nur anhand der Regenwürmer, sondern an vielen Kleinstlebe-wesen und auch an den Pflanzen. Die Boku macht meines Wissens nach gerade viele Versuche mit Regenwürmern als Bodenzeiger, weil sie auch leicht zu halten sind!   dMP: Die Regenwürmer genießen den Ruf nützlich zu sein, bezieht sich das auf alle Arten bei uns?  Carolina Trcka-Rojas: Grundsätzlich sind alle Regenwurmarten in ihrem jeweiligen Lebensbereich von großem Nutzen – auf verschiedene Art und Weise. Bei der Durchlüftung des Bodens gibt es bei den Arten durchaus Unterschiede! Manche düngen den Boden auch mehr, als andere, da sie abgestorbene Pflanzenteile und auch Parasiten fressen! Leider gibt es aber auch in Österreich invasive Arten, wie den Schwarzkopfregenwurm. Er kommt in Bereichen vor, die ohnedies bereits gut durchlüftet sind und seine Kothäufchen zu Problemen führen.
dMP: Worher kommt der Schwarzkopfregenwurm – von einem anderen Kontinent, wie viele Neozoen? Carolina   Trcka-Rojas:   Er   kommt   aus   Europa,   aus   dem   Mittelmeerraum,   durch   den   Pflanzenhandel.   Er   breitet   sich durch   den   klimatischen   Wandel   viel   mehr   aus   und   kommt   dann   bei   uns   „explosionsartig“   vor.   Da   kann   es   sein, dass hunderte Regenwürmer gleichzeitig aus dem Boden kommen. dMP: Wenn so viele herauskommen, freuen sich dann nicht die Vögel …? Carolina   Trcka-Rojas:   Sie   kommen   ja   nur   heraus,   wenn   der   Boden   mit   Wasser   gesättigt   wird   und   sie   ertrinken würden!   Da   gibt   es   dann   auch   nicht   genug   Vögel,   um   sie   wegzufressen.   Eher   helfen   Maulwürfe,   Wühlmäuse   und andere Bodenbewohner! dMP: Wie viele kommen normalerweise im Boden vor? Carolina    Trcka-Rojas:    Grundsätzlich    können    schon    locker    auch    über    200    Regenwürmer    in    einem    kleinen Gartenbe-reich   vorkommen,   aber   sie   gehören   dann   nicht   zur   gleichen   Art   und   vor   allem   kommen   sie   nicht   alle gleichzeitig an die Oberfläche! dMP: Was stört Regenwürmer außer dem Eintrag von Düngemitteln besonders?   Carolina   Trcka-Rojas:   Landwirtschaftliche   Mittel,   alles   was   den   Boden   säuert   oder   zu   sehr   basisch   macht   und   in den   letzten   Studien   wurde   aufgezeigt,   dass   auch   Mikroplastik   in   der   Erde   ganz   schlecht   ist.   Sie   fressen   die winzigen   Plastikpartikel,   die   dann   den   Verdauungstrakt   furchtbar   reizen   können.   Das   kann   sogar   zu   einem Massensterben führen … dMP: Wie kann man als Privater in seinem Garten für Regenwürmer etwas tun? Carolina   Trcka-Rojas:   Grundsätzlich   hilft   es,   das   Mähgut   liegen   zu   lassen.   Nicht   nur   den   Regenwürmern,   sondern auch   den   Glühwürmchen,   die   liegengelassenes   Laub   oder   Mähgut   über   den   Winter   für   die   Fortpflanzung   im nächsten   Jahr   dringend   brauchen.   Man   muss   aber   nicht,   wenn   man   einmal   mäht   alles   wochenlang   liegen   lassen, es   reicht   durchaus   es   in   Bereichen   liegen   zu   lassen.   Dann   können   Tiere   langsam   dorthin   abwandern.   Das   Motto ist:   Faul   sein   hilft   da   sehr,   sowohl   im   Garten   als   auch   in   der   Landwirtschaft!   Im   Garten   sollte   man   auch   nicht allzuviel umgraben, wenn dann immer nur kleine Bereiche! dMP: Das habe ich mir schon lange zu Herzen genommen, im Faulsein bin ich wahrer Weltmeister! Carolina   Trcka-Rojas:   Hervorragend!   Vor   allem   denken   die   Leute,   wenn   sie   Laub   zusammenrechen,   dass   das   gut für   den   Garten   ist! Aber   für   die   Natur   gibt   es   nichts   besseres,   als   es   einfach   liegen   zu   lassen   und   nur   die   Wege, die man auch wirklich benutzt, etwas zu rechen. Je fauler man ist, desto besser ist man als Gärtner! dMP:   Bei   den   Blättern   wird   es   für   die   Regenwürmer   wahrscheinlich   auch   Unterschiede   geben.   Eine   Kirsche ist ja keine Magnolie! Carolina   Trcka-Rojas:   Das   stimmt.   Heimische   Pflanzen   sind   sehr,   sehr   wichtig.   Es   gibt   schöne   Zierpflanzen,   die auch   giftige   Blätter   haben,   worüber   sich   die   Regenwürmer   sicher   nicht   freuen.   Auch   die   Walnuss   ist   bei   den Würmern   nicht   beliebt,   allerdings   ist   sie   bereits   lange   bei   uns   heimisch,   wodurch   sich   der   Boden   anpassen konnte.   Das   führt   dazu,   dass   auch   andere Arten   von   Regenwürmern   unter   diesen   Bäumen   zu   finden   sind   und   mit den Stoffen der Blätter zurecht kommen. Abschließend   kann   ich   empfehlen   mehr   auf   den   Boden   zu   schauen   und   bemerken,   dass   Regenwürmer   auch   in ihrem Verhalten weitaus interessanter sind, als man eigentlich denkt.
Faszinierende Lebewesen mit unglaublichen Fähigkeiten: Regenwürmer werden zwei Jahre alt, oder auch bedeutend älter. Sie Regenwürmer haben keine Augen, nehmen ihre Umwelt jedoch über Lichtreize, Erschütterungen und chemische Signale im Boden wahr. Sie verbessern die Bodenstruktur, steigern die Fruchtbarkeit von Beeten und sorgen dafür, dass Pflanzen gesünder wachsen. Fotocredit: pixabay
Nach dem Austausch der Samenzellen bildet der Regenwurm eine Art Kokon aus Schleim, die über den Körper wandert, sich verschließt und sich in die sogenannte Eikapsel verwandelt. Daraus schlüpft in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen nach etwa 90 bis 135 Tagen ein einzelner nahezu vollständig entwickelter Tauwurm. Erpaart sich in der Regel nur ein mal pro Jahr, produziert dabei 5 bis 10 Kokons mit jeweils einem Ei. Fotocredit: wikipedia