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WER HAT ANGST VOR NEUWAHLEN? FAST ALLE! Der   Gründer   des   Market   Institutes,   Professor   Werner   Beutelmeyer   ist   sehr   vielen   Menschen   aus   der   „Sonntags- frage“   auf   dem   Fernsehsender   oe24   bekannt.   Fachkundig   analysiert   und   interpretiert   er   die   Umfragewerte   der Woche,   wobei   er   dafür   jeweils   2000   Befragungen   durchführt.   Zur   Zeit   ist   gerade   Sommerpause,   doch   schon bald   werden   die   nächsten   Umfragewerte   veröffentlicht.   Das   ist   gerade   in   Vorwahlzeiten   immer   von   großem Interesse,   das   ist   gerade   für   eine   Regierung   von   Interesse,   die   in   dieser   Parteienzusammenstellung   momentan keine   Mehrheit   besitzt   …   Und   auch   deswegen   hat   der   MÜRZPANTHER   die   Frage   nach   der   Frage   gestellt:   „Sind Sie für eine Neuwahl?“ In   der   Marktforschung   gibt   es   viele   Bereiche:   Wirtschaft,   Gesellschaft   und   Politik.   Die   bekannteste   aller   Fragen für   die Analyse   ist   die   Sonntagsfrage:   Welche   Partei   würden   Sie   wählen,   wenn   am   nächsten   Sonntag   National- ratswahl   wäre? “   Dabei   ist   neben   dem   momentanen   Umfragewert   vor   allem   die   Entwicklung   über   einen   Zeit- raum   hindurch   von   Interesse   -   gerade   für   die   Regierungsparteien,   die   durch   drohende   Stimmverluste   bei   den kommenden   Landtagswahlen   in   den   Ländern Tirol,   OÖ   und   NÖ   keine   guten   Prognosen   haben.   Deswegen   werden viele   in   den   nächsten   Monaten   gebannt   auf   die   Umfragen   schauen,   auch   auf   jene   von   Prof.   Beutelmeyer   auf oe24.   Dabei   muss   man   sich   nicht   auf   Formulierungen   des   Herrn   Fellner   wie   Es   ist   ein   rotes   Desaster“,   „Geht's noch   schlimmer?“,   „ÖVP   geht   es   ebenfalls   schlecht“,   „SPÖ   stürzt   völlig   ab! “   fokussieren,   sondern   kann   den fachlichen Analysen   des   Hr.   Prof.   Beutelmeyer   folgen.   Für   die   Hintergründe   dieser   Umfragen   haben   wir   um   ein Interview   gebeten.   Gleichzeitig   kam   meine   Fragebeantwortung   durch   Thomas   Pargfrieder   aus   dem   Team Lazarsfeld zurück, die ich natürlich ergänzend anführen möchte…
dMP:   In   den   Richtlinien   des   VdMI   (Verband   der   Markt-   und   Meinungsforschungsinstitute   Österreichs)   kann man   gleich   unter   Ad1   lesen:   Kein   anderer   Bereich   der   Markt-   und   Meinungsforschung   ist   so   stark   medial exponiert,     schwer     kontrollierbaren     Einflüssen     unterworfen     und     verursacht     eine     ähnlich     große Verunsicherung in der Interpretation und Darstellung der Ergebnisse. Welche Einflüsse sind das?   Professor   Beutelmeyer:      Grundsätzlich   bin   ich   kein   Freund   der   Überregulierung.   Prof   Bachmayer   hat   vor   kurz- em   seine   Umfragen   zur   Gänze   auf   online   umgestellt   und   keinen   Methodenmix   mehr   durchgeführt.   Die   VdmI   hat ihn   dafür   an   den   Pranger   gestellt,   dabei   hat   er   immer   sehr   profunde   Arbeit   vor   allem   auf   dem   Sektor   des politischen   Forschungsbereiches   geleistet.   Die   VMÖ   (Anm.:   Verband   der   Marktforschung   Österreich)   ist   die Dachorganisation,   bei   der   wir   auch   Mitglied   sind.   Die   Methodik,   Umfragen   nur   online   durchzuführen   ist   mittler- weile   anerkannt.   Natürlich   gibt   es   die   Regeln   des   VMÖ   –   vor   allem   bei   kritischen   Umfragen.   Als   ich   begonnen habe,   war   das   Um   und   Auf   das   face   to   face    Interview,   dann   kamen   die   Telefoninterviews   und   in   der   heutigen Zeit    sind    das    eben    die    online    Befragungen.    Ich    glaube,    dass    die    Meinungsforschung    extrem    methoden- konservativ   ist,   mit   der   Einstellung:   Wenn   etwas   Neues   kommt,   kann   es   nicht   gut   sein!   Dabei   geht   es   um   die Qualität   der   Zusammensetzung,   also   um   die   Repräsentanz   und   um   die   Fragemodelle!   Nicht   entscheidend   ist, ob   das   Politinterview   telefonisch   oder   online   durchgeführt   wurde.   Daneben   ist   es   auch   eine   Kostenfrage, Telefoninterviews sind kaum mehr bezahlbar, weswegen man ausweicht ... dMP:   Werden   die   Fragen   oder   Fragestellungen   auch   an   die   Tagespolitik   angepasst?   Wie   viel   “Aktualität” verträgt eine Umfrage? Prof.   Beutelmeyer:   Eine   Umfrage   sollte   zunächst   Messpunkte   haben,   die   ident   sind.   Wenn   die   Stichprobe   und die   Fragestellung      gleich   sind,   zeigt   sich   in   den   Unterschieden   der Antworten   die   Trendveränderung.   Die   Mess- modelle   für   die   Sonntagsfrage   sind   sehr   stabil,   weil   die   Veränderungsrate   in   den   Antworten   das   Interessante ist,   aber   nichts   desto   trotz   wird   die   aktuelle   politische   Lage   und   die   Stimmungslage   durch   zeitaktuelles Geschehen   aufgezeigt.   Wir   machen   auch   wochenaktuelle Abfragen,   beispielsweise,   wenn   der   Spritpreis   steigt   - dann fließen diese Themen auch in die Umfragen ein.  dMP: Das heißt, sie fragen auch viele Wirtschaftsthemen nach? Prof.   Beutelmeyer :   Der   Schwerpunkt   unserer   Gesellschaft   liegt   auf   Wirtschaft   und   Gesellschaft,   mit   angeschlos- sener politischer Forschung.  dMP:   Sehen   Sie   die   Österreicher   noch   immer   als   “parteitreu”   oder   hat   bzw.   wann   hat   der   Wandel   zu wechselndem Wahlverhalten begonnen? Ist das eine Generationenfrage? Prof.   Beutelmeyer:   Das   ist   einfach   zu   beantworten:   ja!   1981   haben   noch   75%   der   Österreicher   gesagt,   immer die   gleiche   Partei   zu   wählen,   jetzt   sind   es   nur   mehr   25%.   Jeder   zweite   Österreicher   ist   also   in   das   Lager   der Wechselwähler gewandert, es gibt die Nichtwähler und nur mehr eine Minderheit von Stammwählern. Thomas   Pargfrieder:   Der   Wandel   verstärkte   sich   seit   den   1980er-/1990er-Jahren.   Jüngere   wählen   häufiger situativ, doch auch Milieu, Bildung und Themenlage zählen. dMP: Gibt es dabei auch große regionale Unterschiede?   Prof.   Beutelmeyer: Am   Land   gibt   es   einen   noch   höheren Anteil   an   treuen   Wählern,   in   großen   Städten,   in   Wien und im Großraum Wien besteht eine größere Dynamik. 
dMP:    Wie    hoch    ist    der    Aufwand    Ihrer    Umfragen?    Wie    viele    Wahlberechtigte    müssen    Sie    für    die Sonntagsumfrage    per    mail    erreichen,    um    2000    brauchbare    Antworten    zurück    zu    bekommen?    Wie unterscheiden sich die Ergebnisse durch die  Größe des Samples bei n=1000 von n=2000? Thomas Pargfrieder: Für 2.000 Interviews braucht es je nach Rücklauf etwa 8.000–20.000 Einladungen. Prof.   Beutelmeyer:   Wir   haben   ein   Grundsample   von   fast   80   000   Österreichern,   die   wir   zur   Zeit   der   Telefon- umfragen   rekrutiert   haben,   und   online   befragen   können.   Da   kommt   dann   jeder   einmal   im   Jahr   zur   Umfrage. Wenn   man   100   Befragungen   macht,   ist   die   Schwankungsbreite   +-10%,   um   die   Schwankungsbreite   zu   halbieren, muss    man    die    Anzahl    an    Befragungen    vervierfachen,    nochmals    vervierfachen    auf    1600,    um    auf    eine Schwankungsbreite   von   2,5%   zu   kommen.   Natürlich   werden   die   Ergebnisse   immer   genauer,   aber   auch   die Kosten steigen in dem selben Maße an. Deswegen ist ein Sample von 1000 so etwas wie die "Grundwährung".  dMP:   Wer   formuliert   die   Fragen   und   wer   ist   bis   zur   Veröffentlichung   daran   beteiligt?   Wie   genau   muss   man darauf achten, dass sie nicht suggestiv werden? Prof.   Beutelmeyer;   Es   gibt   die   standardisierten   Fragen.   Wenn   Sie   am   nächsten   Sonntag   zur   Wahl   gehen würden,   und   Sie   werden   gefragt,   welche   Partei   sie   wählen,   braucht   man   nichts   zu   erfinden   -   die   sind definiert!   Oder   beispielsweise:   Welche   Tageszeitungen   haben   Sie   in   den   letzten   7   Tagen   in   der   Hand   gehabt, gelesen   oder   durchgeblättert   -   das   sind   definierte   Standards!   Es   reicht   dabei,   sie   in   der   Hand   gehabt   zu   haben, durchgeblättert   oder   gelesen.   Für   die   Umfrage   der   Leserschaftsforschung   muss   man   sie   nicht   gelesen   haben, um   Leser   zu   sein!   Dass   Fragen   nicht   suggestiv   sind,   dafür   gibt   es   breite   methodische Abhandlungen   –   allerdings spielt    der   Aufbau    von    Fragebögen    eine    große    Rolle.    Wir    sind    eine    Gesellschaft,    die    methodisch    immer schlampiger   wird,   weil   die   Instrumente   so   einfach   zu   bespielen   sind.   Das   heißt   man   kann   im   Internet   sehr schnell   einen   Fragebogen   basteln,   ihn   online   ausschicken   und   es   kommt   irgendetwas   heraus.   Genau   damit   gibt es   große   Probleme,   da   Ergebnisse   stark   verzerrt   werden,   weil   die   „Dramaturgie“   des   Fragebogens   nicht gegeben ist.  Thomas     Pargfrieder:     Institut     und     Auftraggeber     entwickeln     die     Fragen     gemeinsam;     Projektleitung, Programmierung, Feldarbeit, Analyse und Redaktion prüfen deren Neutralität. dMP: Gibt es für Sie so etwas wie “unsachliche Fragestellung”?   Thomas   Pargfrieder:   Ja:   emotionalisierende,   unterstellende,   mehrdeutige   oder   einseitig   formulierte   Fragen. Sie erzeugen Verzerrungen und sind methodisch zu vermeiden. DMP: Wer standardisiert die Abläufe, die Fragen?  Prof.   Beutelmeyer:   Die   Branche.   Bei   der   Sonntagsfrage   sind   wir   uns   alle   einig!   Das   sind   relativ   verständliche, nachvollziehbare, klare und einfache Fragen.  dMP:   Eine   der   brennendsten   Fragen   fehlt   Vielen   in   der/den   Umfrage/n:   Sind   Sie   für   Neuwahlen?    Warum wird diese nicht gestellt? Prof.   Beutelmeyer:   Das   ist   eine   Frage   -   wie   die   Direktwahlfrage   nach   dem   Kanzler   -   die   sehr   theoretisch   ist. Eine   Neuwahl-frage   stellt   sich   ja   nur   dann,   wenn   die   gewählten   Parteien   sagen,   dass   sie   bereit   wären   in   das unsichere   Rennen   der   Neuwahl   zu   gehen.   Es   wird   wahrscheinlich   zu   der   Frage   eine   ganz   hohe   Zustimmung geben.   Sie   haben   mich   jetzt   darauf   gebracht,   die   Neuwahlfrage   wieder   einmal   zu   stellen.   Die   Umfragen,   die wir   veröffentlichen   sind   ja   kein   Wunschkonzert,   welche   Fragen   gestellt   werden,   welche   nicht   gestellt   werden. Der zentrale inhaltliche Faktor ist das Interesse des Auftraggebers.  dMP: Wie schätzen Sie den Einfluss der Umfragen auf die Wahlergebnisse ein?  Prof.   Beutelmeyer:   Ob   man   über   die   Veröffentlichung   von   Umfragen   die   Ergebnisse   einer   Wahl   beeinflussen kann,   ist   mir   nicht   bekannt.   Eine   Forschungsgruppe   in   Deutschland,   die   sich   dem   Thema   gewidmet   hat,   hat keinen   direkten   Nachweis   dafür   gefunden. Auch   deswegen,   weil   es   ja   nicht   nur   eine   öffentlich   Umfrage,   oder auch nur ein Ergebnis gibt und auch in der Interpretation streut!  dMP: Haben Auftraggeber einer Umfrage Einfluss auf die Fragen/ Fragestellungen? Prof.    Beutelmeyer:    Die    Ebene    der    Formulierung    hat    sehr    viel    mit    Erhebungsmethodik    zu    tun    und    ist Hoheitsgebiet des Institutes, die Ebene der Inhalte das Hoheitsgebiet des Auftraggebers. dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Parlamentsdirektion/Patrick Krammer Aufnahmedatum: 10.07.2026 93.    Sitzung    des    Nationalrats    -    wie    lange noch mit dieser Mandatsverteilung?
APA/Institute Stand 16. August 2026
Die Kurven drücken bereits sehr viel aus. Wahrscheinlich sind mindestens 60 -70% der Österreicher für Neuwahlen! Ein Wunsch - oder doch bald Realität?