der muerzpanther
ÜBER DEN HELDENPLATZ DIREKT IN DIE SÜDSTEIERMARK Wenn   man   sich   für   Prüfungen   in   der   Gastronomie   vorbereitet,   kann   man   viel   lernen.   Beispielsweise,   wie   man eine   Weinkarte   gestaltet:   Von   weiß   nach   rot,   von   jung   nach   alt,   von   leicht   nach   schwer,   von   der   Region   hinaus   in die   Welt.   Und   genau   das   haben   wir   heute   auch   vor:   weiß,   jung   und   regional.   Sucht   man   solche   Weine,   begegnet man   in   der   Steiermark   immer   wieder   einem   Namen:   Polz   -   ein   alteingesessener   Weinbaubetrieb   über   4   Genera- tionen   mit   über   hundert   Jahren   Tradition   und   Erfahrung   -   für   beste   Qualität.   Auch   bei   der   alljährlich   im   Mai stattfindenden   VieVinum,   dem   internationalen   Weinfestival   in   Wien,   fand   man   Erich   Polz   im   Zeremoniensaal   der Wiener   Hofburg   am   Stand   441.   Mit   unserem   Leihglas   haben   wir   natürlich   dort   auch   probiert   …   und   aus   diesem Anlass um ein Interview gebeten.
Der Rahmen ist einfach wunderschön, ob für Bälle, internationale Kongresse oder die alljährlich in der Hofburg stattfindenden VieVinum. Fotocredit: der MÜRZPANTHER
dMP:   Sie   haben   an   der   Präsentation   österreichischer/   steirischer   Weine   in   der   Hofburg   bei   der   VieVinum teilgenommen. Welchen Stellenwert haben solche Veranstaltungen?  Erich   Polz:   Die   VieVinum   stellt   mit   Abstand   die   wichtigste   Weinmesse   in   unserem   Land   dar.   Deswegen   ist   es   für uns als Weingut absolut klar, dass wir regelmäßig teilnehmen. …   oder   sehen   Sie   das   nach   dem   Motto:   Vorteile   bringt   die   Teilnahme   nicht,   aber   nicht   dabei   zu   sein,   bringt Nachteile ... ? Erich   Polz:   Diese   Sichtweise   kommt   mir   etwas   verkürzt   vor.   Ich   denke,   dass   man   in   unserem   Wirkungsbereich nicht   immer   klar   feststellen   kann,   was   einen   unmittelbaren   Erfolg   verspricht   und   was   nicht.   Wein   ist   ein persönlich   stark   geprägtes   Feld   und   einen   regelmäßigen   direkten   Kontakt   mit   unseren   Kunden   erachte   ich   als notwendig. dMP:   Sie   rangieren   auch   bei   der   “Presse”   Weinverkostung   unter   den   besten   Sauvignon   blancs.   Dabei   fällt der   doch   im   Vergleich   mit   anderen   Betrieben   etwas   höhere   Preis   auf.   Wie   setzt   sich   dieser   zusammen (Preisgestaltung) und wie wichtig ist das Preis/Segment für den Verkauf Ihrer Produkte?   Erich   Polz:   Es   handelt   sich   hierbei   um   einen   Ortswein,   der   aufgrund   seines   Ausbaus   und   des   niedrigeren   Ertrags im   Weingarten   etwas   höher   rangiert   als   die   Gebietsweine,   aber   im   Vergleich   zu   Riedenweinen   und   besonders   im internationalen   Kontext   in   vergleichbaren   Kategorien   ein   gutes   Preis-Leistungsverhältnis   aufweist.   Das   Segment der   Gebietsweine   ist   das   Fundament   unseres   Verkaufs   -   aufgrund   der   Preisstruktur   kommt   es   vorrangig   im   glas- weisen Bereich in der Gastronomie zum Einsatz. dMP:   Sehen   Sie   –   am   Beispiel   Sauvignon   blanc   –   eine   Entwicklung   im   Geschmack   des   Weines?   Unabhängig von zeitgeistigen Tendenzen, hin zu leichteren Weinen? Erich   Polz:   Ich   denke,   dass   nach   unterschiedlichen   Phasen   mittlerweile   eine   gute   Balance   gefunden   wurde   und um   das   Gleichgewicht   zwischen   Säure   und   Reife   gut   zu   treffen,   die   Erntezeitpunkte   etwas   nach   vor   gerückt   sind. Daraus   resultiert   automatisch   ein   reduzierter   Alkoholgehalt.   Am   Ende   des   Tages   ist   es   aber   immer   prioritär,   der Traube   die   Möglichkeit   zur   physiologischen   Reife   zu   geben.   Nur   früh   zu   ernten   um   niedrige   Alkoholwerte   zu bekommen, ist keine Lösung und tut dem Wein nicht gut. dMP:   Wie   reagieren   Sie   als   Winzer   auf   modische   Strömungen?   Muss   man   dabei   sein,   sollte   man   sich heraushalten, weil der Name darunter "leiden" könnte?  Erich   Polz:   Als   Traditionsbetrieb   sehe   ich   unsere   Aufgabe   in   der   Verlässlichkeit   gegenüber   unseren   langjährigen Kunden.   Kontinuität   sollte   unser   Handeln   prägen.   Wir   beobachten   aber   auch   mit   Interesse,   was   sich   am   Wein- markt   so   tut   und   weil   wir   als   Menschen   nicht   abgeschlossen   von   unserem   Umfeld   agieren,   werden   wir   und   unsere Arbeit immer von Entwicklungen jeglicher Art beeinflusst sein.
1912 legte Johann Polz am Krassnitzberg den Grundstein für das Weingut. Erich Polz jun. führt seit 2020 den Betrieb und ist zusammen mit seinem Bruder Christoph für Keller und Vinifikation verantwortlich. Mehr erfahren Sie auf: Weingut Polz in Grassnitzberg Fotocredit: Weingut Polz
dMP:   Wo   können   Sie   in   die   Geschmacksgestaltung   eingreifen?   –   Klima,   Böden   und   Trauben   sind   ja   meist nicht die Variablen! Erich   Polz:   Weinbau   besteht   aus   unzähligen   Handgriffen. Allein   der   Zeitpunkt   jedes   einzelnen Arbeitsschritts   hat Auswirkungen.   Ich   spreche   hier   von   Aromahefen,   Temperatursteuerung   in   der   Gärung   etc.   -   da   lassen   wir   die Charakteristika   der   unterschiedlichen   Herkünfte   sprechen. Ansonsten   versuchen   wir   eher   den   umgekehrten   Weg - nämlich uns nicht zu sehr einzumischen. dMP: À propos: Wie entwickeln sich die Trauben in diesem Jahr? Erich   Polz:   Frost   war   minimal,   Regen   noch   rechtzeitig,   jetzt   hoffen   wir   auf   eine   stabile   Phase   während   der Blüte. Danach gibt es noch zu viele Variablen. Bis jetzt sind wir aber sehr zufrieden. dMP:   Wir   waren   am   17.   Mai   nach   der   VieVinum   noch   im   Konzerthaus   –   die   Überraschung   war   natürlich   groß, als   Ihr   Name   gefallen   ist,   als   ehemaliges   Mitglied   der   Wiener   Konzertvereinigung.   Sind   Sie   der   Musik verbunden geblieben – auch aktiv? Erich   Polz:   Dieses   Orchester   habe   ich   3   Jahre   lang   als   Chefdirigent   geleitet.   Diesen   Beruf   habe   ich   auch   danach jahrelang   professionell   ausgeübt.   Mit   dem   Einsteigen   ins   Weingut   2020   habe   ich   dieses   Kapitel   aber   geschlossen. Nun dirigiere ich nur noch selten - zumindest aber regelmäßig bei den Spielfelder Kulturtagen Ende August. dMP:   Wenn   Interpretation   oder   das   Herausarbeiten   von   Nuancen   eines   Musikstückes   Kunst   ist,   das   auch   ein Alleinstellungsmerkmal des Interpreten ist, sehen Sie die Vinifizierung auch als Kunst?  Erich   Polz:   Ich   vermeide   dieses   Wort.   Wie   in   der   Musik   gibt   es   industrielle   Produktion   und   Handwerk   mit   einer individuellen   Handschrift.   Ähnlich   verhält   es   sich   bei   Wein.   Wann   etwas   zur   Kunst   wird,   ist   die   Frage.   Eine Interpretation kann aber einen höheren oder niedrigeren Wert an künstlerischer Qualität darstellen. dMP:   Was   sind   die Alleinstellungsmerkmale   Ihrer   Weine? Als   Dirigent   hat   man   eine   Vorstellung,   wie   man   ein Musikstück   anlegt   –   mit   einem   Ziel!   Welches   ist   Ihr   Ziel   im   Weinbau,   bzw.   was   ist   Ihr Anliegen   und   wohin   soll der Weg führen?  Erich   Polz:   Mein   Ziel   sind   balancierte,   ruhige   aber   feingliedrig-lebendige   Weine,   die   genügend   Zeit   im   Ausbau bekommen haben. Laute Weine gibt es zur Genüge. Oft zieht es mich aber zu den entspannteren Exemplaren. dMP: Herzlichen Dank für das Interview!  
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