der muerzpanther
DIE NÄCHSTE ROTE LISTE WIRD ERSTELLT … Nun, du Hummel, eil dich fein, Hol' das Schiff im Meere ein!, Senke nieder dich aufs Deck, Such ein sicheres Versteck. Lebe wohl, Gwidon, nun eile, Doch nicht allzu lang verweile! (Die Hummel fliegt weg.)  Wer    kennt    sie    denn    etwa    nicht?    Die    wahrscheinlich    berühmteste    Tondichtung    des Komponisten   Nikolai   Rimski-Korsakow:   Der   Hummelflug.   Beachtlicher   als   dieser   kulturelle Ohrenwurm ist nur der Klang des Fluges in der Natur. In echt … Der   Wildbienenrat,   der   vor   rund   einem   Jahr   gegründet   wurde,   hat   sich   zum   Ziel   gesteckt, sich    mit    Taxonomie,    Faunistik,    Ökologie,    Genetik    und    dem    Schutz    von    Wildbienen    zu beschäftigen   und   ihr   Wissen   auch   umweltpädagogisch   zu   vermitteln.   „Zentrales   Anliegen ist,   dass   es   den   rund   700   Wildbienen-Arten   in   Österreichs   Landschaften   gut   geht   und   dass die   Bestäubungsnetzwerke   weiterhin   funktionieren“ ,   so   Hans   Neumayer,   Vorsitzender   des Gremiums.   Dazu   braucht   es   am   dringendsten   eine   Rote   Liste   der   Wildbienen   Österreichs. Ohne   eine   Rote   Liste   für   Österreich   ist   es   schwierig,   zielgerichtete   Schutzprioritäten   und Maßnahmen   für   die   bedrohten   Arten   zu   setzen.   Dabei   spielt   die   Hummel   auch   bei   der Bestäubung   des   steirischen   Ölkürbis   eine   zentrale   Rolle,   die   damit   auch   wirtschaftliche Bedeutung erlangt.  Und   weil   der   MÜRZPANTHER   immer   so   neugierig   und   an   Umweltthemen   interessiert   ist,   hat er um ein Interview mit Kathrin Grobbauer vom Wildbienenrat gebeten.
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ACHTUNG! Dieser Artikel enthält folgende Ausdrücke:
dMP:   Welches   soziale   Gefüge   herrscht   bei   Wildbienen   vor?   Unterscheiden   sich Arten,   die am   Boden   nisten   von   jenen,   die   im   Baum   ihr   Nest   bauen?   Dazu:   Wie   spezialisiert   sind die Wildbienenarten auf Futter/ Blühpflanzen? Kathrin   Grobbauer:   Grundsätzlich   lässt   sich   zum   sozialen   Gefüge   der   Wildbienen   sagen,   dass der   Großteil   unserer   ca.   700   Wildbienenarten   in   Österreich   solitär   leben.   Das   bedeutet   also, dass   ein   Weibchen   schlüpft,   sich   begatten   lässt   und   danach   eine   Wohnröhre   sucht,   Pollen sammelt   und   auf   die   angelegten   Pollenpakete   Eier   legt,   danach   das   Nest   verschließt   und verstirbt.   Im   nächsten   Jahr   schlüpft   dann   der   Nachwuchs   und   der   Kreislauf   beginnt   von vorne. Mutter- und Tochtergeneration treffen sich also nicht. Weiters   gibt   es   Arten,   die   gerne   im   Verband   leben,   aber   sich   denoch   nur   um   den   eigenen Nachwuchs    kümmern.    Hummeln    gehören    zu    den    primitiv    -    eusozialen    Insekten.    Das bedeutet,   dass   es   eine   Königin   gibt,   welche   die   Eier   legt   und   Arbeiterinnen   kümmern   sich um   die   Sammelflüge   und   die   Versorgung   des   Nachwuchses.   Allerdings   sind   sie   nicht   so   hoch entwickelt,   wie   die   hoch   -   eusozialen   Honigbienen.   Dies   ist   allerdings   eine   grobe   Beschrei- bung   der   Lebensweise   unserer   Wildbienen   -      jede Art   hat   dann   noch   ihr   Eigenheiten.   Manche Arten   bevorzugen   für   die   Eiablage   selbst   gegrabene   Röhren   in   sandigem   Boden,   andere nehmen nur Totholz an, wieder andere nisten in markigen Stängeln... Ein   Beispiel   für   eine   extreme   Spezialisierung   bei   den   Hummeln   wären   die   Eisenhuthummeln- Bombus   gestaeckeri    -   welche   ausschließlich   bei   Eisenhut   sammeln.   Sie   benötigen   einen ausreichenden    Bestand    an    Eisenhut,    denn    von    der    Nestgründung    im    Frühjahr    bis    zum Erscheinen   der   Jungköniginnen   und   Drohnen   einige   Wochen   später,   müssen   ausreichend Futterpflanzen vorhanden sein, dass sich das Volk entwickeln kann.
Sie     gehört     zu     den     häufigeren     Arten     der Wildbienen:   Die   Frühlings-Pelzbiene   Anthophora plumipes,     ein     Männchen.     Ihre     Pollen-     und Futterquellen   reichen   von   der   hohen   Schlüssel- blume   über   die   Schwertlilie   und   die   Tulpe   bis   hin zu den Rosaceae: Apfel und Birne. Foto: Dr. Neumayer
dMP:   Wie   wichtig   sind   die   Höhenstufen   und   damit   vorkommende   Pflanzenarten   für gewisse Wildbienenarten? Kathrin   Grobbauer:   Bezüglich   der   Höhenlagen   lässt   sich   sagen,   dass   Hummeln   die   letzten langrüsseligen Arten   in   höreren   Lagen   sind.   Sie   kommen   auch   dort   noch   vor,   wo   Honigbienen nicht   mehr   eingesetzt   werden.   Aufgrund   ihrer   guten   Thermoregulation,   der   Fähigkeit   ihren Thorax   durch   auskuppeln   der   Flügel   aktiv   aufzuheizen   und   der   dichten   Behaarung   können sie   auch   in   kälteren   Regionen   gut   zurecht   kommen.   Pflanzen   die   in   noch   höheren   Regionen vorkommen, sind sehr wahrscheinlich auf Fliegenbestäubung spezialisiert. dMP:   Gerade   haben   wir   einen   anhaltenden   „Warmwettereinbruch“   im   Februar   erlebt und   ich   habe   bereits   die   ersten   Insekten/   Bienen   in   Kapfenberg   geortet.   Wirkt   sich   so eine   zwei   wöchige   Warmphase   auch   bereits   auf   die   Wildbienen   aus   und   kann   ihnen   das schaden? Kathrin   Grobbauer:   Wenn   im   zeitigen   Frühjahr   eine   längere   warme   Phase   eintritt,   dann kann   das   insofern   zum   Problem   für   Wildbienen   werden,   da   sie   durch   den   Wärmereiz   von ihrer   Winterstarre   erwachen   und   beginnen   wollen   ein   Nest   zu   gründen.   Sind   auch   noch   keine Frühlingsblüher   vorhanden   und   kommt   es   danach   wieder   zu   einem   Kälteeinbruch,   so   sind die    Insekten    meist    nicht    in    der    Lage    wieder    in    eine    Winterstarre    zu    verfallen    und verhungern schlussendlich.   dMP:   Gibt   es   eine   natürliche   Abfolge   der   Flugzeit   der   Arten   im   Jahreskreis?   Angelehnt an   die   Blühzeit   spezieller   Pflanzen?   Kann   diese   zeitlich   verschoben   werden   und   wie schnell können sich Hummeln darazuf einstellen? Kathrin    Grobbauer:    Die    Flugzeiten    der    verschiedenen    Hummelarten    unterscheiden    sich grundsätzlich   schon   voneinander.   Es   gibt   Arten   welche   schon   zeitig   im   Frühjahr   fliegen   und dementsprechend   in   der   Sommermitte   schon   wieder   langsam   verschwienden.   Die   Garten- hummeln-   Bombus   hortorum-    starten   auch   relativ   früh   im   Jahr   und   können   manchmal allerings   auch   noch   im   gleichen   Jahr   eine   zweite   Generation   hervorbringen.   Hummelarten die   in   höheren   Lagen   vorkommen,   benötigen   von   der   Nestgründung   bis   zur   Entwicklung   von Jungköniginnen   und   Drohnen   einen   kürzeren   Zeitraum,   da   sie   natürlich   auch   auf   das   Blüten- angebot angewiesen sind. dMP:   Zum   Kürbis:   Welche   Wildbienenarten   brauchen   den   Kürbis   und   welche   der   Kürbis? Gibt es für diese Hummeln auch Sekundärpflanzen, die zur Not auch ausreichen? Kathrin   Grobbauer:      Der   steirische   Ölkürbis   wird   bei   uns   vor   allem   durch   die   Honigbiene   und durch   Hummeln   bestäubt.   Wobei   man   sagen   muss,   dass   Hummeln   hier   weitaus   effizientere Bestäuber   darstellen,   da   sie   viel   mehr   Pollen   transportieren   können   als   Honigbienen   und auch   bei   schlechten   Wetterverhältnissen   und   schon   sehr   zeitig   am   Morgen,   wenn   die   Kürbis- blüten   öffnen,   aktiv   sind.   In Amerika,   dem   Ursprung   des   Kürbis   wird   dieser   von   Kürbisbienen bestäubt,    welche    unseren    heimischen    Hummeln    sehr    ähnlich    sind.    Kleine    Wildbienen, Schmetterlinge,   Käfer   oder   Schwebfliegen   spielen   bei   der   Bestäubung   des   Kürbis   eigentich keine Rolle.
Eine   Zeit   lang   wird   es   wohl   noch   dauern,   bis   den   Wildbienen ein   reiches   Futter-   und   Pollenangebot   zur   Verfügung   steht. Damit   das   auch   einen   Großteil   des   Jahres   so   bleibt,   läßt   der MÜRZPANTHER   für   die   Hummeln   einen   großen   Teil   der   Wiese stehen,   um   die   natürlichen   Blühpflanzen   anbieten   zu   können. Die Hummeln und Käfer lohnen es! Foto: der MÜRZPANTHER
dMP:   Kommen   die   Arten   immer   in   der   Nähe   der   Pflanzen   vor,   auf   die   sie   spezialisiert sind und wie weit sind die Anflugwege? Kathrin   Grobbauer:   Die   Anflugwege   der   einzelnen   Wildbienenarten   unterscheiden   sich   zum Teil   deutlich   vonreinander.   Grundsätzlich   kann   man   sagen   -   je   kleiner   die   Wildbiene   ist, desto    kürzer    ist    der    Weg,    den    sie    zurücklegen    kann.    Große   Arten,    wie    beispielsweise Hummeln   können   bis   zu   2   km   von   ihrem   Nest   entfernt   sammeln,   andere   kleinere   Arten fliegen maximal 150 - 200m.   dMP:   Sie   bieten   auch   Hummelbestimmungskurse   an   -   wie   lange   braucht   man   um   die „gängigsten“ Hummelarten unterscheiden zu können? Kathrin   Grobbauer:   Bei   unseren   Hummelbestimmungskursen   bekommt   man   zuerst   eine   theo- retische   Einführung   in   das   Thema,   danach   lernt   man   anhand   von   aufgenadelten   Hummeln mit    Hilfe    von    Binokularen,    das    Bestimmen    der    Tiere    und    ihre    relevaten    Merkamle    zu unterscheiden.    Nachmittags    werden    dann    Exkursionen    unternommen    und    mit    Hilfe    der Kursleiter   lernt   man   das   Bestimmen   der   gefundenen   Hummelarten   im   Freiland.   Nach   dem Kurs   ist   man   soweit   vorbereitet,   dass   man   selbständig   unter   Verwendung   vom   Hummel- bestimmungsschlüssel die Hummeln im eigenen Garten unterscheiden können sollte.   dMP:   Was   kann   der   private   Garten   für   Wildbienen   tun?   Es   gibt   ja   in   der   Gestaltung   auch sehr   viele   nicht   heimische   Blüpflanzen   -   wie   auch   wilde   Neophyten   -   kann   das   für   den Bestand der Hummeln in den Gärten schwierig werden? Kathrin   Grobbauer:   Was   jeder   zu   Unterstützung   von   Wildbienen   bei   sich   im   Garten   beitragen kann,   kann   man   sehr   gut   auf   der   Seite   vom   Naturschutzbund    nachlesen.   Generell   ist   es wichtig,   Futterpflanzen   anzubieten   und   Nistplätze   zu   erhalten   oder   anzulegen.   Nisthilfen (Insektenhotels)   stellen   eine   gute   Möglichkeit   dar,   die   Wildbienen   zu   beobachten   und   sind pädagogisch   sicherlich   wertvoll. Allerdings   muss   man   sich   im   klaren   sein,   dass   man   mit   dem Aufstellen   einer   Nisthilfe   keine   wirklich   bedrohten Arten   schützt   und   da   diese   Nisthilfen   nur von   sehr   wenigen   Arten   angenommen   werden,   unterstützt   man   auch   nicht   wirklich   die Diversität. Etwa   70   Prozent   unserer   heimischen   Wildbienen   nisten   im   Boden   und   benötigen   offene Bodenstellen.   Deshalb   ist   es   sinnvoller   im   eigenen   Garten   Stellen,   wo   der   Rasen   nicht optimal   wächst   einfach   den   Wildbienen   zu   überlassen,   als   mit   Gewalt   solche   Stelle   zu bepflanzen.   Zu   diesem   Thema   lässt   sich   wirklich   noch   sehr   viel   sagen,   vor   allem   wenn   es auch noch um die Futterpfanzen geht. dMP: Welche sind die natürlichen Feinde (in der Natur und im Garten von Wildbienen?) Kathrin   Grobbauer:   Natürliche   Feinde,   wie   beispielsweise   die   Kuckuckshummeln,   welche ihre   Wirtshummeln   versklaven   und   ihren   Nachwuchs   vom   Wirtsvolk   versorgen   lassen,   sind zwar   für   die   Wirtsarten   zum   Teil   schon   ein   Probelm,   allerdings   fördern   diese Arten   auch   die Diversität   und   haben   eine   Berechtigung   zu   existieren.   Um   nochmals   auch   auf   die   Nisthilfen zu   kommen   -   in   der   Natur   kommen   im   Regelfall   nicht   so   viele   geeignete   Nistplätze   für solitäre   Arten   auf   einem   Standort   vor   -   das   bedeutet,   dass   es   natürlich   auch   für   die   Feinde der dort nistenden Arten eine Förderung darstellt. Viel    größere    Probleme    macht    den    Wildbienen    aber    die    Zerstörrung    der    geeigneten Nistplätze,   die   Versiegelung   der   Landschaft   und   damit   einhergehend   die   Vernichtung   von Futterpflanzen.   Der   Einsatz   von   Pestiziden   in   der   Landwirtschaft   und   auch   in   privaten Gärten   und   generell   unsere   menschliches   Bestreben,   dass   eine   Wiese   immer   schön   kurz   zu sein   hat   und   im   Garten   ja   keine   Unordnung   herrschen   darf.   Wenn   wir   an   diesen   Dingen arbeiten würden, dann würde es unseren Wildbienen auch wieder besser gehen. dMP: Herzlichen Dank für das Interview!
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