der muerzpanther
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SOMMER UND WASSER - HITZE UND BEVORSTEHENDE KNAPPHEIT! ODER? Das   Weltwasservolumen   teilt   sich   zu   96,5%   auf   die   Weltmeere   auf   und   lediglich   3,5%   auf   das Festland.   Davon   entfallt   die   Hälfte   –   also   1,7%   des   Gesamtvolumens   –   auf   Grundwasser. Österreich    ist,    wie    jedes    Kind    bereits    weiß,    ein    sehr    wasserreiches    Land,    dessen Grundwasserkörper    vor    allem    durch    Regenwasser    aufgefüllt    werden.    Vor    allem    in    den Gebirgsregionen   versickert   das   Wasser   durch   den   Untergrund   und   bildet   so   unterirdisch   die Grundwasserseen.    Nimmt    man    alle    oberirdischen    Gewässer    (Bäche,    Flüsse    und    Seen) zusammen,   machen   sie   nur   ungefähr   ein   Hundertstel   der   unterirdischen   Wassermassen   aus. In    Österreich    sind    insgesamt    138    Grundwasserkörper    erfasst.    Diese    teilen    sich    in    63 oberflächennahe   Einzel-   und   66   Gruppengrundwasserkörper.   Die   übrigen   9   befinden   sich bedeutend tiefer und liefern in vielen Fällen Thermalwasser. Wofür   aber   wird   in   Österreich   neben   der   thermischen   Nutzung   das   Wasser   gebraucht?      In Hinblick   auf   die   Flächennutzung   ist   der   bedeutendste   Bereich   die   Landwirtschaft.   16%   der Fläche     werden     in     Österreich     landwirtschaftlich     genutzt,     aber     aufgrund     günstiger klimatischer   und   hydrologischer   Bedingungen   kann   der   Wasserbedarf   der   österreichischen Landwirtschaft   ohne   zusätzliche   Bewässerung   erfolgen.   Lediglich   2,3%   der   genutzten   Fläche muss bewässert werden. Eine     doch     bedeutend     größere     Rolle     in     der     österreichischen     Wirtschaft     und     der Wassernutzung   spielt   insbesondere   der   produzierende   Bereich   der   Industrie.   Dieser   Sektor umfasst    den    Bergbau,    Herstellung    von    Waren,    die    Energieversorgung    genauso    wie    die Wasser- und Abfallentsorgung. Aber   bei   all   den   Zahlen   dürfen   wir   nicht   vergessen,   dass   in      Österreich   auch   das   Trinkwasser dem   Grundwasser   entnommen   wird.   „Die   privaten   Haushalte   beziehen   fast   Hundert   Prozent ihres   Trinkwassers   aus   dem   Untergrund,   auch   bei   der   Industrie   und   der   Landwirtschaft   gibt es   einen   hohen   Anteil   an   Grundwassernutzung."   Meint   der   Studienleiter   der   Uni   Graz,   Dr.     Johannes Haas.
Die    Grundwasserstände    sind    von    1930    bis    1980    zunächst    gefallen, seitdem   steigen   sie   wieder,   berichtet   er.   Und   das   war   der   Ausgangs- punkt   einer   Studie,   um   die   Trends   bei      Grundwassermengen,   dem Niederschlag   und   dem   Verbrauch   zu   untersuchen.   Das   Ergebnis   zeigt eines   sehr   deutlich:   in   ähnlichem   Maße   wie   sich   die   Grundwasser- reservoirs   wieder   füllen,   nimmt   der   private   Wasserverbrauch   ab.   Dafür sind     wohl     verschiedene     technische     und     Verhaltensmaßnahmen verantwortlich,   sagt   der   Forscher   vom   Institut   für   Erdwissenschaften der   Universität   Graz   :   "Seit   Ende   der   1970er   Jahre   lernt   zum   Beispiel jedes   Kind,   dass   man   beim   Zähneputzen   das   Wasser   nicht   laufen   lässt, es    gibt    seit    längerem    Spartaster    an    den    Klospülungen    und    die Waschmaschinen brauchen weniger Wasser." Auch    viele    industrielle    Prozesse    wurden    wassersparender.    In    der Landwirtschaft   gäbe   es   zwar   Anzeichen,   dass   der   Verbrauch   durch zusätzliche   Bewässerung   aktuell   steigt,   doch   dies   sei   ein   sehr   neuer Trend,   der   sich   offensichtlich   noch   nicht   in   den   Grundwasserdaten niederschlägt.    Ob    es    einen    ursächlichen    Zusammenhang    zwischen Wasserverbrauch   und   Grundwasserständen   gibt,   will   er   nun   lokal   in der   Steiermark   anhand   genauerer   Daten   untersuchen.   Einen   Einfluss des   Klimawandels   auf   die   Grundwassermengen   könne   man   hingegen noch   nicht   definitiv   beobachten.   Generell   wird   aber   mittelfristig   –   laut der    Studie    –    keine    signifikante    Reduzierung    aufgrund    technischer Neuerungen   erwartet,   eher   das   Gegenteil:   bereits   jetzt   zeigt   sich   ein Anstieg    der    Wassermengen    aufgrund    der    steigenden    Verbreitung privater Schwimmbäder. Der   Sommer   hat   wiederholt   in   den   letzten   Jahren   auch   durch   das Bewässerungsverhalten   der   privaten   Haushalte   zu   lokalen   Engpässen geführt,   weshalb   sich   der   MÜRZPANTHER   dieses   so   wichtigen   Themas annimmt   und   hat   ein   höchst   interessantes   Gespräch   mit   DI   Johannes Haas,   Leiter   des   Studiums   Nachhaltiges   Lebensmittelmanagement   an der FH Joanneum, geführt. Johannes   Haas:   Die   Studie   hat   gezeigt,   was   in   vielen   Ländern   zutrifft, dass   die   Menge   des   Wassers   in   Grundwasserreservoirs   nicht   gefährdet ist. Aber   nur   weil   es   nicht   zu   wenig   gibt,   heißt   das   nicht,   dass   es   nicht zu möglichen Problemen kommen kann.
dMP:   Was   versteht   man   genau   unter   einem   Grundwasserkörper   und wo liegen diese? Johannes   Haas:   Grundwasser   hängt   von   den   Wasser   undurchlässigen Schichten   ab.   Es   regnet,   das   Wasser   bewegt   sich   mit   der   Schwerkraft hinunter,     die     Pflanzen     versuchen     dann     möglichst     viel     davon aufzunehmen   und   der   Rest   sickert   bis   zu   einer   undurchlässigen   Schicht oder   Gestein   durch.   Je   nachdem,   ob   es   auf   ein   Gefälle   trifft,   rutscht es   in   Richtung   Meeresspiegel   oder   einfach   tiefer   und   zwar   so   lange, bis   es   einen   See   bilden   kann.   Durch   die   Summe   all   dieser   Becken,   die sich   unterirdisch   befinden,   bildet   sich   der   Grundwasserspiegel.   Dieser kann     mehrere     tausend     Meter     tief     liegen,     aber     auch     sehr oberflächennah;   bis   hin   zu   einer   Sumpfbildung. Auch   ein   See   kann   aus Grundwasser   gespeist   sein.   Wenn   es   ganz   tief   liegt,   kommen   unter Umständen    auch    sehr    heiße    Thermalbecken    vor,    die    erschlossen werden können. Damit befassen sich auch die Geologen. Zum    Thema    erneuerbarer    Energie    war    für    uns    die    Nutzung    von Grundwasser    von    Interesse.    Wasser    ist    ein    hervorragender    Wärme- überträger   –   überall   wo   Wasser   vorkommt,   kann   man   die   Temperatur als    Wärmequelle    nutzen:    über    Wärmepumpen    oder    direkt    für    ein Gewächs   oder   Glashaus   –   so   wie   in   Blumau   –   für   Heiz-   oder   Kühl- zwecke.   Daneben   nutzen   wir   es   in   der   Landwirtschaft,   wobei   wichtig ist,   dass   die   Pflanzen   über   die   Wurzeln   Zugriff   haben-   dadurch   kann man    sich    das    Beregnen    sparen.    Und    hier    stellt    sich    die    Heraus- forderung:   Wie   weit   muss   die   Pflanzenwurzel   in   den   Boden   wachsen, damit   sie   Wasser   bekommt?   Je   höher   dabei   der   Grund-wasserspiegel ist,   desto   weniger   müssen   Felder   bewässert   werden.   Je   mehr   aber   die Bauern   für   die   Entwässerung   entnehmen   müssen   –   und   das   ist   ein spannendes   Thema   für   die   Zukunft   –   rücken   die   Speichermöglichkeiten und die Verfügbarkeit in den thematischen Mittelpunkt. Das   sagt   die   erschienene   Studie   von   Herrn   Haas:   die   Speicher   haben sich   in   den   letzten   Jahrzehnten   wieder   aufgefüllt.   Wir   haben   also   kein Mengenproblem.   Eher   ein   Problem   der   Versorgungsinfrastruktur,   über die   Wasserwerke,   die   Pumpen   oder   die   Zwischenspeicher.   Die   könnten bei einem großen Wasserbedarf überlastet werden.
dMP:   Kann   die   Entnahme   des   Wassers   und   damit   der   Temperatur nicht nachteilig für das Gefüge der Umgebung sein? Johannes   Haas:   Wenn   man   Wasser   zu   Wärmezwecken   nutzt,   führt   man es   auch   meistens   wieder   zurück.   Es   ist   dann   aufgewärmt.   In   einem begrenzten    Gebiet    kann    das    auch    das    ökologische    Gleichgewicht durcheinander   bringen.   Deswegen   limitiert   man   in   dicht   verbauten Gebieten   die   Nutzung   von   Grundwasser   für   Wärmepumpen   -   auch   für die    Industrie.    Veränderungen    bewirken    dann    immer    auch    eine Veränderung   der   Biologie   oder   der   Physik   des   Umfelds,   was   man   aber grundsätzlich   zu   vermeiden   versucht.   Mir   ist   nicht   bekannt,   dass   das ein großes Problem wäre. dMP: Wir reden über eine Temperatur von 8°C. Johannes   Haas:   Genau.   Je   weiter   man   hinuntergeht,   desto   wärmer wird   das   Wasser   über   den   Temperaturgradienten   und   desto   aufwen- diger   wird   es   auch   zu   fördern.   Das   sind   wirtschaftliche   Abwägungen. Die   wichtigste   Eigenschaft   von   Wasser   ist,   dass   es   in   diesem   Ausmaß verfügbar    ist,    so    viel    Wärme    speichern    kann    und    es    auch    schnell abgeben kann. Das ist ideal als Nutzung von Wärmequellen. dMP:   Grundwasserspiegel   hängen   mit   den   Bach-   und   Flusssystemen eng   zusammen.   Gab   es   durch   die   Regulierungen   in   den   letzten Jahrzehnten Verschiebungen auch in der Grundwasserversorgung? Johannes   Haas:   Betrachten   wir   einen   Fluss,   der   im   Tal   fließt:   Wasser nimmt   in   kommunizierenden   Gefäßen   immer   die   gleiche   Höhe   ein. Dann   kann   man   davon   ausgehen,   dass   auf   diesem   Flussniveau   auch   der Grundwasserspiegel    links    und    rechts    des    Flusses    im    Boden    steht. Allerdings   ist   der   Wasserspiegel   im   Erdreich   etwas   tiefer   und   diese Differenz müssen die Pflanzen über die Wurzeln überwinden. Je   größer   die   Differenz   ist,   desto   schwerer   kommen   sie   an   das   Wasser. Durch    das    Begradigen    sinken    normalerweise    die    Flüsse    durch    die stärkere   Mitnahme   von   Geschiebe   ein.   Es   verlandet   viel   weniger   und dadurch   fließt   natürlich   auch   von   den   umgebenden   Erdschichten   das Wasser   in   den   Fluss   ab,   bis   das   Gleichgewicht   wieder   hergestellt   ist. Das    macht    einen    großen    Unterschied    für    die    Pflanzen    –    kein
Mengenproblem   aber   ein   Verfügbarkeitsproblem.   Sie   müssen   viel   mehr Energie   in   das   Wachstum   von   Wurzeln   stecken   und   das   verringert   unter Umständen   die   Wachstumsperiode,   sodass   manche   Pflanzen   das   dann auch   nicht   bewältigen.   Sie   kommen   zwar   einen   Meter   hinunter,   aber nicht  eineinhalb Meter! Wenn    weniger    Wasser    verfügbar    ist    und    die    Bauern    auch    noch zusätzlich   bewässern,   dann   verstärkt   das   diesen   Effekt!   Das   kann   lokal zum   Austrocknen   der   Böden   führen!   Es   geht   eben   nicht   nur   um   die Wasserverfügbarkeit,     sondern     auch     um     die     Verfügbarkeit     eines funktionierenden     Ökosystems!     Alle     Bakterien,     Pilze     oder     Käfer brauchen   auch   Wasser.   Ein   schädigender   Einfluss   kann   dazu   führen, dass   in   einer   bestimmten   Tiefe   der   ganze   Boden   in   seiner   Ökologie geschädigt ist. dMP:   Findet   das   bereits   statt?   Ich   denke   dabei   an   die   Obstkulturen der Süd- und Südost Steiermark! Welche Lösungen gibt es dafür? Johannes   Haas:   Die   Obstkulturen   befinden   sich   in   den   meisten   Fälle auf    Hängen!    Da    hat    die    Flussregulierung    weniger    Einfluss,    in    den intensiv    genutzten    Flusslagen    und    Feldern    ist    der    Effekt    aber beobachtbar.   Dort   sind   auch   die   Niederschlagsmengen   im   Jahresmittel nicht   unbedingt   weniger,   aber   wenn   sich   diese      -   wie   man   es   erwartet –   zeitlich   verschieben   und   wenn   dann   auch   noch   große   Regenmengen fallen,   dann   ist   das   Management   für   die   Pflanzen,   die   eher   Konstanz benötigen,   schwieriger.   Bei   Obstkulturen   auf   Hangflächen   ist   die   Was- serverfügbarkeit   deutlich   reduziert,   was   dazu   führt,   dass   Wasser   durch das   Boden-   Ökosystem   in   der   Kombination   mit   Lebewesen,   Humus, etc. schneller durchsickert oder oberflächlich abrinnt. In   den   Hang-   und   Tallagen   wirkt   sich   aber   auch   das   Mikroklima   stark aus!   Wenn   bei   einer   guten   Pflanzendecke   hohe   Verdunstungsmengen hängen   bleiben   -   was   bei   Maisfeldern, Abholzung   oder   Bodenversiegel- ungen   oder   großen   Gebäudeflächen,   die   auch   die Temperatur   steigern, reduziert   wird,   wird   es   mikroklimatisch   problematischer,   die   Wasser- kreisläufe   in   kleinem   Rahmen   zu   halten.   Das   trifft   dann   sicher   auch den   Obstbau-   speziell   dort,   wo   Pflanzen   angebaut   werden,   die   bei   uns gerade noch gute Wachstumsbedingungen vorfinden.
dMP:    Kann    neben    dem    natürlichen    Niederschlag    auch    technisch Einfluss auf das Grundwasser genommen werden? Johannes    Haas:    Auf    die    Menge    eher    nicht!    Mir    ist    auch    kein Industriebetrieb   bekannt,   wo   so   etwas   vorkommt.   Das   trifft   eher   den Bergbau    ganz    stark.    Dort    muss    sogar    das    Grundwasser    entfernt werden!    Sonst    kann    man    in    dreitausend    Meter    Tiefe    nicht    Gold fördern.   Wir   haben   in   Österreich   auch   keine   Atomkraftwerke   und   nur ganz   wenige   Kohlekraftwerke,   die   sehr   wasserintensiv   sind!   Ich   sehe das    große    Problem    im    mikroklimatischen    Bereich    und    auch    in    der Verschmutzung   und   der   Belastung   des   Grundwassers.   Das   kann   sogar so   weit   führen,   dass   es   keine   Trinkwasserqualität   mehr   hat   oder   für die Bewässerung geeignet ist! dMP:   Ist   die   Verschmutzung   bereits   ein   Problem,   bzw.   wurde   die Entnahme auch schon gesperrt? Johannes   Haas:   Das   weiß   ich   nicht   genau,   aber   die   Stickstoffdüngung in     den     intensiven     Gemüse-     und     Getreidekulturen     und     in     der Viehwirtschaft    ist    sicher    nicht    zuträglich.    In    den    Bereichen    der direkten   Giftbelastung   der   Industriestandorte   und   Mülldeponien   ist   in der Steiermark viel gemacht worden. Durch Absperrung und Sanierung. dMP:   Nimmt   der   Klimawandel   –   die   Erhöhung   der   Temperaturen   Einfluss auf den Wasserspiegel?   Johannes   Haas:   Die   Menge   wird   nicht   beeinflusst,   weil   wir   in   Summe auch   ausreichende   Niederschlagsmengen   haben.   Die   Verdunstung   wird auf     jeden     Fall     beeinflusst,     ist     aber     kleinräumig     und     sehr unterschiedlich.   Wenn   Böden   austrocknen   und   es   regnet   dann   viel, können   sie   den   Niederschlag   nicht   halten.   Die   ausgleichende   Puffer- wirkung     sinkt.     Wenn     die     Bodendeckung     durch     ökologisch     gut funktionierende   Pflanzenarten   durch      Siedlungsbau   verdrängt   wird, kann es in Zukunft sicher zu Problemen kommen. Dass    heißt,    dass    Bauern    in    der    SO    Steiermark    bewässern    werden müssen.   Beispielsweise   durch   den   Einbau   von   Wasserspeichern,   um Starkregenereignisse   nutzen   zu   können.   Das   Management   des   Wassers durch    Speicherung    und    gezielte    Verteilung    durch    Wassersparen, zuleiten   aus   anderen   Gebieten   wird   wirtschaftlich   sicher   bedeutsamer werden.
dMP:   Ist   es   für   Sie   vorstellbar   aufgrund   dieser   Situation   Nutz-   von Trinkwasser zu trennen? Johannes    Haas:    Betrachten    wir    das    Gesamte,    dürfen    wir    auf    das Abwasser   nicht   vergessen!   Dort   gibt   es   auch   Nährstoffe,   die   wir   gerne nutzen     würden.     Die     Erschließung     von     kleinräumigen     Nährstoff- kreisläufen   könnte   für   Düngungszwecke   genutzt   werden.   Die   Trennung macht    auch    Sinn,    um    einen    der    wertvollsten    Nährstoffe,    nämlich Stickstoff   im   Kreislauf   zu   halten.   Man   holt   aber   auch   bereits   Schwer- und   Edelmetalle   aus   dem   Wasser   wieder   heraus.   Insofern   ist   das   ein Zusatzargument    für    die   Trennung,    nicht    nur    der    bekannte   Aspekt, nicht   überall   Trinkwasserqualität   wie   in   der   Klospülung   zu   benötigen. In   den   nächsten   Jahrzehnten   wird   es   aber   zu   dieser   Trennung   durch das   reiche   Wasserangebot   in   Österreich   aus   wirtschaftlichen   Gründen kaum    kommen.    Dazu    kommt    das    sensible    Thema,    Wasser    zu    ver- kaufen, wenn es international einen bedeutend höheren Preis erzielt. dMP:   Gibt   es   zur   Gewinnung   von   Stickstoff   bereits   Studien,   die   eine Wirtschaftlichkeit untermauern? Johannes   Haas:   Es   gibt   natürlich   jede   Menge   Studien,   allerdings   ganz wenig   funktionierende   Projekte.   Vor   dreißig   Jahren   gab   es   intensive Versuche,   zumindest   die   Abwärme   in   Dusch-,   Badeabwasser   sowie   von Waschmaschinen   und   Geschirrspülern   zu   nutzen   und   wenigstens   dort, wo   es   zu   bestimmten   Zeiten   in   großer   Menge   angefallen   ist   -   zum Beispiel     in     Hotels     in     Skigebieten     oder     in     Krankenhäusern     ist technologisch   aber   alles   im   Sand   verlaufen   -   weil   der   Aufwand   mit hygienischen   Problemen,   zusätzliche   Umrüstungen   und   Installationen unterschätzt   und   der   tatsächlichen   Wärmegewinn   überschätzt   wurde. Grundsätzlich   sind   gute   Ideen   da,   sie   lassen   sich   aber   unter   normalen wirtschaftlichen   Bedingungen   nicht   verwirklichen,      weil   man   oft   erst im   Betrieb   draufkommt,   dass   so   ein   simples   Thema   wie   die   Reinigung der      Leitungen   sich   nicht   einfach   lösen   lässt   und   kein   Gewinn   daraus erzielt werden kann.
dMP:    Das    Thema    Wasser    wird    uns    die    nächsten    Jahrzehnte beschäftigen, weil Wasser immer wertvoller wird! Johannes   Haas:   Eine   Rolle,   die   Österreich   weltweit   inne   hat,   ist   es,   als Forschungslabor    Strategien    zu    entwickeln,    die    in    anderen    Ländern umgesetzt   werden   können.   Zum   Beispiel   die   Solaranlage   in   der   Gösser Brauerei.    Sie    ist    für    den    Standort    nicht    wirtschaftlich,    aber    für Heinecken,   weil   sie   Brauereien   auch   in   Ländern   mit   deutlich   mehr Solarenergie      baut.   Dieses   System   kann   auf   die   Wassertechnologien umgelegt   werden.   Es   macht   Sinn,   in   Österreich   etwas   auszuprobieren, auch   wenn   der   Anwendungsfall   in   Afrika   oder   Bangladesch   liegt.   Die österreichische      Ingenieursleistung      ist      weltweit      anerkannt.      Es empfiehlt   sich   deshalb,   bei   uns   Wasser   zu   sparen   und   Kreisläufe   zu schließen,   weil   es   auch   zu   einem   Beitrag   zu   einer   weltweit   nach- haltigen Entwicklung führt. dMP:   Gibt   es   etwas,   das   man   einem   privaten   Haushalt   mitgeben kann, um einen Beitrag zum Wassersparen leisten zu können? Johannes   Haas:   Ich   kann   einem   privaten   Haushalt   raten,   sich   zu   dem Thema      mit   dem   regionalen   Wasserversorger   abzusprechen,   weil   man Wasser    immer    systemisch    sehen    muss.    Es    könnte    sein,    dass    der Wasserversorger   damit   ein   Problem   hat,   wenn   ich   privat   Wasser   spare,
weil    er    bestimmte    Wassermengen    benötigt,    um    die    Leitungen    zu spülen:   zu   wenig   Wasser   kann   auch   zu   einer   Verstopfung   der   Leitungen führen.     Umgekehrt     ist     es     möglich,     dass     Regionalversorger     ein Speicherkapazitätsproblem   haben   und   es   helfen   würde,   das   Regen- wasser   zu   speichern   und   im   Garten   zu   nutzen.   Umgekehrt   verwenden die   Haushalte   immer   das   gesammelte   Wasser   wenn   es   geregnet   hat und    die    Speicher    ohnedies    auch    voll    sind.    In   Absprache    mit    dem Versorger findet man heraus, welche Strategie die wirkungsvollste ist. Daneben   möchte   ich   bemerken,   dass   wir   in   Wasser   sehr   viel   mehr Energie    hineinstecken,    als    man    glauben    möchte.    Vorrangig    beim Aufheizen   von   Wasser.   Hier   verwenden   wir   um   einiges   zu   viel   von     teurem    Strom,    den    wir    zum    Betrieb    von    Elektroautos    in    Zukunft verwenden   könnten.   Es   gilt   herauszufinden,   wo   man   zu   viel   Wasser   mit Strom   aufheizt.   Hier   geht   Energie   -   mit   Wassersparen   Hand   in   Hand. Sonst   gibt   es   viele   Möglichkeiten   Kreisläufe   zu   schließen,   mit   dem Erdäpfelwasser   die   Blumen   zu   gießen   beispielsweise!   Die   Überlegung dahingehend, hilft ein Bewusstsein zu diesem Thema zu bilden.  dMP: Erachten sie den Wasserpreis für gerechtfertigt? Johannes Haas: Das kann ich nicht sagen. dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Grundsätzlich   steigt   Wasser   nach   dem   Prinzip von    kommunizierenden    Gefäßen    maximal    auf die    Höhe    der    freien    Wasseroberfläche,    wo- durch    Druckunterschiede    ausgegelichen    wer- den. Das    macht    auch    das    Grundwasser    mit    einem Bach-     oder     Flusslauf,     sodass     davon     aus- zugehen   ist,   dass   sich   das   Grundwasserniveau auf der Höhe des Baches befindet.
Die   Landwirtschaft   braucht   gar   nicht   so viel   Wasser,   bedenkt   man,   dass   lediglich 2,3%    der    gesamten    Nutzfläche    ständig beregnet werden muss.
Sie    brauchen    Wasser    konstant    und    dringend    zum Gedeihen:   die   Pflanzen.   Ob   sie   aber   auch   in   Zukunft mit     den     Wurzeln     weit     genug     in     das     Erdreich dringen,    wird    vor    allem    durch    unser    Verbrauchs- verhalten abhängen.
Auch     das     gehört     zur     Wasser- qualität:        Das    Rauschen    eines Baches! Dazu   Sonne   und   lustige   Leut:   Die Steiermark in Sommerlaune!