der muerzpanther
DIE UNÜBERLEGTHEIT UND DEREN KONSEQUENZEN Urlaubssouvenirs   können   verschiedene   Qualitäten   haben:   muschelförmig,   sandig,   salzig,   süß, oder   auch   als   „Ableger“   zur   Bereicherung   der   eigenen   Pflanzenwelt   dienen.   Dass   daraus   ein Alptraum   werden   kann   -   und   zwar   nicht   nur   für   die   Privatperson   -   kalkulieren   die   wenigsten mit ein. Selbst   die   Nachktschnecke,   um   ein   anschauliches   Beispiel   zu   bringen,   ist   bei   uns   erst   seit kurzem    verbreitet.    Die    schnelle    Ausbreitung    seit    den    fünfziger    Jahren    des    vorigen Jahrhunderts   ist   nur   über   Verschleppung   mittels   menschlicher Transporte   erklärbar.   Meistens nimmt man auch nicht die erwachsenen Tiere mit, sondern die im Boden befindlichen Eier. Exotische   Pflanzen   wie   Orchideen   oder   besonderes   Obst   und   Gemüse,   wie   z.B.   Mangos   aus Ägypten   oder   frische   Weinblätter   aus   der   Türkei,   werden   oft   als   Souvenirs   für   Familie   oder Freundeskreis   aus   dem   Urlaub   mit   nach   Hause   genommen.   Pflanzen,   Saatgut   sowie   frisches Obst    und    Gemüse    aus    Nicht-EU-Ländern    (ausgenommen    Schweiz    und    Liechtenstein) unterliegen    jedoch    strengen    Einfuhrvorschriften    bzw.    sogar    Einfuhrverboten.    Damit    soll verhindert   werden,   dass   gefährliche   Schädlinge   eingeschleppt   werden.   Eine   Ausbreitung dieser   Schädlinge   kann   schwerwiegende   Folgen   für   Land-   und   Forstwirtschaft   sowie   die Umwelt   haben.   Der   MÜRZPANTHER   hat   über   dieses   interessante   Thema   das   Bundesamt   für Ernährungssicherheit befragt und wissenswerte Antworten der Experten erhalten. 
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ACHTUNG! Dieser Artikel enthält folgende Ausdrücke:
dMP:   Um   welche   Schädlinge   handelt   es   sich   (beispielsweise   bei   Weinblättern   aus   der Türkei)? Und was bewirken sie für die österreichische Umwelt? BAES:   Viele   der   in   der   EU   gelisteten   bedeutende   Schädlinge,   sogenannte   Unionsquarantäne- schädlinge   sind   sehr   polyphag,   d.h.   sie   können   viele   verschiedene   Pflanzen   und   pflanzliche Produkte   befallen   und   schädigen.   Im   Falle   einer   Einschleppung   und   möglichen   Ausbreitung dieser   Schädlinge   ist   mit   massiven   Schäden   und   Ernteverluste   für   die   heimische   Land-   und Forstwirtschaft zu rechnen. Bei   frischen   Weinblättern   können   verschiedene   Schädlinge   auftreten,   wie   z.B.   Zikaden,   die Überträger   von   Viren   oder   Phytoplasmenkrankheiten   sein   können.   Das   Risiko,   dass   sich   diese Schädlinge   von   frischen   Weinblättern   direkt   in   eine   Weinbauregion   in   Österreich   ausbreiten könnten,   ist   zwar   gering,   dennoch   unterliegen   frische   Weinblätter,   wie   auch   Edelreiser   von Wein,   einem   generellen   Einfuhrverbot   in   die   EU,   um   den   Weinbau   in   den   Mitgliedsländern   zu schützen. Auf    Früchten    können    sich    z.B.    Maden    von    Fruchtfliegen    (wie    z.B.    Bactrocera    dorsalis) befinden.   Die   Eier   von   Fruchtfliegen   werden   unter   die   Haut   von   reifenden   Früchten   gelegt. Die   Larven   schlüpfen   und   ernähren   sich   vom   Fruchtfleisch,   wodurch   die   Früchte   ungenießbar werden   und   dadurch   nicht   mehr   vermarktungsfähig   sind.   Ein   Beispiel   für   eine   eingeschleppte Art   ist   die   Walnussfruchtfliege   (Rhagoletis   completa).   Diese   stammt   aus   Nordamerika,   hat sich   innerhalb   weniger   Jahre   in   ganz   Europa   ausgebreitet   und   ist   ein   sehr   unangenehmer Schädling der die Fruchthülle der Nüsse vor der Reife zerstört.
dMP:   Eine   der   beliebtesten   Pflanzen   aus   dem   Süden   ist   der   Oleander!   Gibt   es   dazu etwas zu sagen – oder ist die Einfuhr kein Problem? BAES:   Die   Einfuhr   von   Oleander   aus   Drittstaaten   ist   aufgrund   der   EU-Listung   als   Hoch- risikopflanze   verboten,   da   Oleander   eine   der   vielen   Wirtspflanzen   der   Bakterienkrankheit Xylella    fastidiosa    ist.    Dieses    Bakterium    wurde    erstmals    an    Olivenbäumen    in    Italien nachgewiesen.   Die   in   Apulien   auftretende   Unterart   des   Bakteriums   führte   zum   Absterben tausender   Hektar   Oliven   und   stellt   eine   ernste   Gefahr   für   den   Olivenanbau   im   gesamten Mittelmeerraum   dar.   Für   die   in   der   EU   auftretenden   Unterarten   dieser   Bakterien   wurden etwa   50   Wirtspflanzen   bestätigt.   Viele   davon   mediterrane   Gehölze,   die   zum   Teil   auch   im Zierpflanzenhandel    nach    Österreich    gelangen    können    (Lavendel,    Rosmarin,    Italienische Strohblume   und   auch   Oleander).   Diesbezüglich   gelten   für   viele   Wirtspflanzen   Einfuhrver- bote oder ganz spezifische Einfuhrvorschriften. dMP: Welche Pflanzen/ welches Obst unterliegt einem generellen Einfuhrverbot? BAES:   Ein   Beispiel   sind   Zitruspflanzen. Aufgrund   der   großen Anbauflächen   von   Zitruspflanzen innerhalb   der   EU   (z.B.   in   Spanien)   und   der   potenziellen   wirtschaftlichen   Schäden   für   diese Zitruskulturen   ist   die   Einfuhr   verboten.   Ebenso   unterliegen   verschiedene   Pflanzen   zum   An- pflanzen   von   Nadel-,   Laub-   und   Obstgehölzen,   bestimmte   Gräser   und   Nachtschattenge- wächse sowie Weinreben, Pflanzkartoffeln, und Erde einem Einfuhrverbot in die EU. dMP:   Welche   sind   beispielsweise   bei   Orchideen   die   pflanzengesundheitlichen   Einfuhr- bedingungen   der   EU?   Unterscheiden   sie   sich   bei   unterschiedlichen   Pflanzenarten?   Oder aus verschiedenen Regionen? BAES:   Je   nach   Region   und   Pflanzenart   kommen   verschiedene   Unionsquarantäneschädlinge   in Frage,   auf   welche   im   Zuge   der   phytosanitären   Importkontrolle   geachtet   werden   muss. Generell sind aber alle Pflanzen aus nicht EU-Ländern pflanzengesundheitlich relevant. Bei    Orchideenpflanzen    und    auch    Orchideenschnittblumen    ist    das    Risiko    hoch,    dass    ein tierischer    Schädling    eingeschleppt    wird,    der    in    der    EU    als    Unionsquarantäneschädling gelistet   ist:   Etwa Thrips   palmi   (Melonenthrips),   eine   Fransenflügler-Art,   die   ursprünglich   aus Südasien   kommt   und   sich   mittlerweile   in   vielen   tropischen   Ländern   ausbreiten   konnte.   Der Melonenthrips    verfügt    über    ein    sehr    großes    Nahrungsspektrum    und    kann    daher    neben Orchideen   viele   verschiedene   Pflanzen,   z.B.   Kürbisgewächse,   Nachtschattengewächse   und Schmetterlingsblütler,   befallen.   Thripse   verursachen   eine   direkte   Saugschädigung   und   sind Überträger   verschiedener   gefährlicher   Pflanzenviren.   Ein   Massenbefall   kann   einen   Ausfall von   bis   zu   90   Prozent   bei   Gemüsekulturen   bedeuten.   Auch   wenn   diese   Art   in   Österreich aufgrund   der   kalten Temperaturen   den   Winter   nicht   überleben   würde,   besteht   vor   allem   bei der   Einfuhr   von   Pflanzen   ein   Risiko,   wenn   diese   in   Glashäuser   gelangen.   In   diesem   Fall könnte   sich   Thrips   palmi   und   von   ihm   übertragene   Viren   unkontrolliert   in   Gewächshäusern in   der   EU   ausbreiten   und   dadurch   eine   ernste   Gefahr   für   Gemüse-   und   Zierpflanzenkulturen darstellen.
dMP: Was zählt zu den pflanzlichen Produkten - auch Lebensmittel? BAES:   Zu   den   pflanzlichen   Produkten   zählen   unter   anderem   Pflanzenteile   und   Schnittblumen sowie   Lebensmittel   wie   frisches   Obst   und   Gemüse   (auch   Blatt-,   Wurzel-   und   Knollengemüse) sowie Nüsse in der grünen Schale. Bezüglich   Regelungen   von   forstlichen   Waren   und   Verpackungsholz   ist   das   Bundesamt   für Wald zuständig. dMP: Warum brauchen einige Früchte kein Zeugnis? BAES:   Für   die   fünf   Fruchtarten   Ananas,   Bananen,   Durian,   Datteln   und   Kokosnüsse   wurde anhand   von   Risikobewertungen   festgestellt,   dass   von   diesen   Fruchtarten   ein   geringes   Risiko einer    Einschleppung    von    Schädlingen    ausgeht    und,    dass    aufgrund    der    nicht    oder    kaum vorhandenen   Anbaufläche    in    Europa    mit    keinem    schweren    wirtschaftlichen    Schaden    zu rechnen ist. dMP:   Wenn   Pilze,   Viren   oder   Bakterien   eingeschleppt   werden   können,   gibt   es   hier   auch dementsprechende Kontrollen? Sichtkontrolle wird hier wahrscheinlich nicht genügen! BAES:   Wenn   bei   einer   Kontrolle   ein   Verdacht   vorliegt,   dass   es   sich   um   einen   phytopatho- genen   Unionsquarantäneschädling   (Pilz,   Virus,   Bakterium   oder   Phytoplasma)   handelt,   dann werden   Proben   gezogen   und   im   Nationalen   Referenzlabor   der AGES   getestet.   In   den   meisten Fällen    sind    dies    morphologische    Untersuchungen    kombiniert    mit    molekularbiologischen Untersuchungen   (PCR   inkl.   Sequenzierungen),   um   genau   die   Schädlingsart   bestimmen   zu können.   Bei   Importen   von   bestimmtem   Saatgut   (z.B.   Tomatensaatgut)   und   Pflanzmaterial werden   in   jedem   Fall   von   jeder   importierten   Partie   (Saat-   bzw.   Pflanzgut   einer   bestimmten Sorte und Herkunft) Proben genommen und Untersuchungen im Labor durchgeführt. dMP:   Wer   verursacht   generell   das   Einschleppen   von   Schädlingen:   Privatpersonen   aus dem    Urlaub    oder    die    Importwirtschaft,    die    ja    unverhältnismäßig    größere    Mengen importiert? BAES:   Eine   Einschleppung   von   Schädlingen   ist   sowohl   durch   Privatpersonen   im   Reiseverkehr, als    auch    durch    Unternehmen    im    Zuge    der    Einfuhr    von    Pflanzen    zum    Anpflanzen    und pflanzlichen   Produkten   aus   nicht   EU-Ländern   gegeben.   Durch   die   festgesetzten   Regelungen und   Einfuhrvorschriften   soll   das   Einschleppungsrisiko   von   gefährlichen   Schädlingen   an   allen EU-Eintrittsstellen minimiert bzw. verhindert werden. dMP:    Gibt    es    auch    Strafen    bei    wiederholtem    Versuch    die    Einfuhrvorschriften    zu umgehen? BAES:   Wenn   beim   Reiseverkehr   Pflanzen   und   pflanzliche   Produkte   abgenommen   werden,   da die   Einfuhrvorschriften   nicht   erfüllt   sind,   wird   ein   Pauschalbetrag,   berechnet   nach   Gewicht der   Ware,   für   die   Vernichtung   vorgeschrieben.   Insbesondere   beim   gezielten   Schmuggel   von seltenen   und   geschützten   Pflanzenarten   können   Anzeigen   durch   die   zuständigen   Bezirksver- waltungsbehörden und hohe Strafen drohen.
Dieses   Weinblatt   hat   die   Pockenmilbe.      Solange nur    schwacher    Befall    auftritt,    sind    Pocken- milben   nicht   von   wirtschaftlicher   Bedeutung. Problematischer    wird    massiver    Befall,    wenn sich     die     jungen     Blättchen     nicht     richtig entfalten    oder    sogar    Gescheine    (Anm.:    der Blütenstand von Reben) befallen werden.
Diese    Fliege    hat    es    auf    diese    Frucht    abgesehen:    Die    Walnussfruchtfliege    ist    ein    aus    Nordamerika stammender   Schädling   an   Walnussgewächsen.   Die   Fliege   breitet   sich   gegenwärtig   als   Neozoon   in   Europa aus. Foto links: entomart.
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