der muerzpanther
AUSGESTOPFT WIRD SCHON LANGE NICHT MEHR! Früher   hat   man   Tiere   ausgestopft,   im   wahrsten   Sinne   des   Wortes   mit   Heu.   Heute   kommen PU-Schaum   und   Gewindestangen   zum   Einsatz,   aber   ein   guter   Präparator   braucht   vor   allem Respekt   vor   der   Natur   und   ihren   Geschöpfen.   Der   MÜRZPANTHER   hat   Präparator-Meister Franz   Forcher   in   Großfeistritz   in   der   Gemeinde   Weißkirchen   besucht   und   erlebte   auch   ... eine kleine Sensation. Denn    es    ist    wirklich    eine    kleine    Sensation,    als    Meister    Forcher    in    den    Verkaufsraum zurückkommt   und   ein   bräunlich-gesprenkeltes   Ei      von   ca.   4   cm   Länge   mitbringt.   Ein   Wander- falken-Ei,   die   Schale   ist   bereits   angesprungen,   und   du   hältst   dein   Ohr   hin:   Aus   dem   Inneren tönt   ein   zartes,   aber   doch   bestimmtes   Fiepsen.   Am   nächsten   Tag   wird   das   Wanderfalken- Küken   schlüpfen.   Von   Jugend   an   ist   Franz   Forcher   auch   Falkner,   hat   20   Jahre   lang   die   Beiz mit   Sperbern   ausgeübt.   Die   Küken,   schildert   er,   schlüpfen   nach   etwa   34   Tagen   bei   37,4°   Ei- Oberkanten-Temperatur im Brutapparat. So ein Fiepsen vergisst man nie.
ACHTUNG! Dieser Artikel enthält folgende Ausdrücke:
Dabei    waren    es    zwei    Steinböcke    aus    dem    Hochschwab-Gebiet    gewesen,    die    uns    mit Tierpräparator   Forcher   und   Jäger   Bernhard   Schatz   in   Forchers   Werkstatt   zusammengebracht haben.   Im   August   2020   hatte   ein   Jagdgast   mit   Schatz   das   Steinwild   erlegt,   tags   darauf "wurden    die    Decken    und    das    Gehörn    nach    der    Verwertung    des    Wildprets    zum    Meister Forcher   gebracht,   so   dass   man   die   Steinböcke   als   Vollpräparat   naturgetreu   aufstellen   kann und damit immer wieder eine Erinnerung an dieses Erlebnis hat", erzählt Schatz.
Die   Liebe   zur   Natur   und   Respekt   vor   den   Lebewesen kommen   in   guten   Präparaten   perfekt   umgesetzt   zum Ausdruck. Foto: Peter Bernthaler
Forcher   ist   noch   einer   jener   Präparatoren,   die   sämtliche Arbeitsschritte   am   Präparat   selbst machen:   Von   der   Säuberung   der   Decke,   über   das   Gerben   bis   hin   zum   Trocknen:   "Wenn   das Fell    fertig    gegerbt    ist,    wird    es    ausgeschleudert    und    kommt    in    die    Läutertrommel.    In Buchensägemehl    wird    das    Fell    getrocknet    und    schließlich    mit    Luftdruck    ganz    sauber ausgeblasen.   Wenn   das   Fell   dann   passt,   kommt   auf   die   Form   ein   Hautkleber,   und   ich   ziehe die   Decke   drüber.   Die   Glasaugen,   die   Lichter,   werden   schon   vorher   in   die   Form   eingesetzt. Beim    Haupt    kommt    überall    eine    dünne    Tonauflage    darüber,    damit    die    Haare    besser anliegen.   Bei   den   Lauschern   kommt   auch   ein   Material   rein,   damit   die   Form   stabil   ist.   Und dann wird alles vernäht." schildert Forcher die Vorgänge. Die   zwei   Steinböcke   wurden   in   aufsteigend-kämpferischer   Haltung   auf   den   Hinterläufen stehend   wiedergegeben,   als   würden   sie   im   nächsten   Moment   mit   den   Sicheln   aufeinander krachen.   Die   Tiere   derartig   zu   präparieren,   war   auch   für   den   seit   1984   in   Großfeistritz selbständigen    Präparatormeister    eine    Neuigkeit.    Rund    65    Arbeitsstunden    waren    es    in Summe,    die    es    bis    zu    den    fertigen    Präparaten    brauchte.    "Früher    hat    man    gesagt 'ausstopfen',   jetzt   präpariert   man   ...   und   stopft   schon   lange   nicht   mehr   aus",   wie   Franz Forcher    anmerkt    und    hinzufügt,    dass    seinem    Wissen    nach    seit    rund    70    Jahren    das Ausstopfen durch die aktuelle Technik abgelöst wurde. Präparieren    bedeutet    für    Forcher:    "Wenn    ich    das    Tier    bekomme,    ist    die    Seele    schon irgendwo   anders.   Jedes   Tier   ist   ein   einzigartiges   Lebewesen.   Es   ist   mit   der   Arbeit   so,   als würde   man   ein   kleines   Leben   einhauchen. Aber   das   geht   eh   nicht,   weil   die   Natur   kann   man nicht   kopieren. Also   schaue   ich,   dass   man   so   nah   als   möglich   herankommt.   Und   das   geht   nur mit   Beobachten   und   Einfühlungsvermögen   und   ein   bissl   Glück",   formuliert   Franz   Forcher seine Berufsethik.
Die    fertigen    Präparate    in    der    Kulisse ihres      natürlichen      Lebensraumes      mit Jäger und Heger Bernhard Schatz. Foto: B. Schatz
Der   Körper   wird   über   ein   Formbrett   in   Achse   der   Wirbelsäule   definiert   und   mit   PU-Schaum modelliert.   Vorteil:   Es   lässt   sich   immer   leicht   etwas   dazu   modellieren   oder   wegnehmen,   bis die   perfekte   anatomische   Form   des   Tieres   erreicht   ist.   Auch   hier   wird   jeder   Schritt   von Forcher   getätigt,   was   nicht   mehr   selbstverständlich   ist:   "Heute   ist   es   anders,   heute   arbeiten die   meisten   Präparatoren   mit   Fertigformen.   Diese   werden   von   Firmen   in   Deutschland   und Belgien      produziert,   wo   Künstler   immer   neue   Sachen   modellieren,   ob   das   Vögelkörper   sind oder   anderes.   Die   sind   anatomisch   perfekt,   aber   du   als   Präparator   musst   eigentlich   nichts mehr   können.   Es   gibt      Präparatoren,   die   nehmen   die   Tiere   an,   geben   das   Fell   dem   Gerber, kaufen   inzwischen   die   Form,   kriegen   das   fixfertig   gegerbte   Fell   zurück   und   ziehen   es   über die   Form   drüber   –   fertig!   Aber   so   bist   du   halt   viel   schneller",   meint   Forcher   zu   anderen Arbeitsweisen. Hat   halt   alles   seinen   Preis   –   damit   zurück   zu   den   Steinböcken:   Die   wurden,   so   Bernhard Schatz,   im   Jagdmuseum   des   ungarischen   Jagdgastes   in   dessen   Schloss   klimakonstant   und   vor Sonnenlicht   geschützt   aufgestellt,   als   "eine   Lehrschau   für   Jäger   und   Nichtjäger",   so   Schatz. Rund   6000   €   standen   dafür   zu   Buche   –   eine   Automechanikerstunde   kostet   im   Vergleich wesentlich mehr. Forcher   ist   seit   fast   40   Jahren   selbständig,   eine   Weitergabe   seines   Betriebes   steht   nicht wirklich   in   Aussicht.   Zwar   hat   sein   Sohn   das   Präparator-Handwerk   gelernt,   aber   zwischen- durch   in   der   Gärtnerei   berufliche   Erfüllung   gefunden.   Forcher   drängt   auch   nicht,   und   es klingt    Dankbarkeit    für    die    Mutter    durch,    die    mitgeholfen    hat,    dass    Franz    Forcher Tierpräparator   werden   konnte.   Und   nicht   LKW-Fahrer   nach   des   Vaters   Wunsch,   in   dessen Betrieb.   "Wenn   ich   gesund   bin,   möchte   ich   weiter   dahin   arbeiten,   irgendwann   einmal   ein bissl   weniger   machen   und   es   auslaufen   lassen.   Mein   Beruf   ist   nicht   so   wie   jeder   andere,   da ist   man   wirklich   mit   Schweiß   und   Blut   dabei,   und   da   kommt   man   auch   nicht   so   leicht   weg", resümiert Forcher.
Franz   Forcher   mit   dem   Wanderfalken   Ei   in   Händen.   Das   Küken   ist natürlich   bereits   geschlüpft.   Bis   es   nach   drei   Wochen   das   Gefieder ändern wird, nimmt es täglich rasant an Gewicht zu. Foto: Peter Bernthaler
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