der muerzpanther

andererseits + außerdem.

Einerseits  

-  

ist  

dieser  

Begriff  

nicht  

im  

Ausstellungstitel  

enthalten.  

Ob  

das  

jedoch  

immer  

so

war?  

Andererseits  

kann  

man  

die  

Ausstellung  

noch  

bis  

12.  

Mai  

2019  

besuchen.  

Und  

außerdem

erfährt man durch ein Interview viele interessante Details.

Herta  

und  

Ernst-Wolfgang  

Weihs  

stellen  

im  

Kulturzentrum  

Kapfenberg  

Gemeinschaftsarbeiten

aber  

auch  

eigenständige  

Werke  

aus  

Raku  

Keramik  

aus.  

Die  

sehenswerte  

Ausstellung  

führt  

 

den  

gewünschten,  

weil  

kreativen  

Dialog  

in  

eine  

weit  

zurückliegende  

Kulturtechnik,  

die  

durch

Fantasie  

und  

Experimente  

ihren  

zeitgenössischen  

Ausdruck  

findet.  

Es  

erschließt  

sich  

eine

Welt  

aus  

Stelen,  

Akten  

und  

Gesichtern,  

die  

einen  

tiefen  

Eindruck  

hinterlässt.  

Ein  

Ausflug  

zu

Filou, Mona, Naja und Malu - so ein paar Titel der Keramiken.

dMP: Könnten Sie kurz erklären, was das Besondere an Raku ist? Ernst-Wolfgang   Weihs:   Es   ist   eine   relativ   junge   Keramik   und   in   Japan   für   die Teezeremonie erfunden   worden.   Ein   koreanischer   Dachziegelerzeuger   war   mit   einem   Mönch   der   obersten Teezeremonie   befreundet,   der   gemeint   hat   Tassen   herzustellen   zu   wollen,   worauf   der Koreaner   die   Raku   Technik   erfunden   hat.   Das   ist   poröser   Ton,   dadurch   bleibt   der   Tee   lange warm und dichtet ab. Aber es ist auch ein erblicher Titel, heute lebt der 16. Raku. Der   Engländer   Bernard   Leach   (1887   -   1979,   Verfasser   von   Büchern   zur   Töpferei)   hat   in Asien   Keramik   studiert   und   dadurch   um   1900   Raku   in   Japan   kennen   gelernt   und   hat   auch bei   dem   damaligen   Raku   gelernt.   Er   war   sehr   anerkannt   als   Beirat   zur   Keramikherstellung. Bernard   Leach   ist   dann   nach   Europa   zurückgekehrt   und   hat   diese   Keramiken   auch   in England hergestellt, aber es war damit kein Geld zu verdienen. Er   hat   das   große   Töpferbuch   (original:   a   potter`s   book)   geschrieben   -   die   Bibel   für Keramiker   -   das   hat   ein   amerikanischer   Professor   im   Jahre   1959   mit   Studenten   aus   dem Stehgreif   nachvollzogen.   So   kam   Raku   dann   1964   wieder   nach   Europa,   weswegen   die Japaner   unsere   Art   auch   "american   raku"   nennen.   Der   Unterschied   zur   normalen   Keramik ist   der   weiß   brennende   Ton,   der   nicht   dicht   gebrannt   wird,   dann   mit   einer   eigenen   Glasur eingestrichen   und   in   den   heißen   Ofen   bei   400   -   500°C   gestellt   wird.   Der   Ton   ist   stark schamottiert   und   wird   einmal   roh   gebrannt.   Die   Glasuren   entwickele   und   mische   ich teilweise     selber,     mit     denen     die     Objekte     überzogen     werden     und     nach     einer
Brenntemperaturerhöhung   auf   970°C   nach   einer   halben   Stunde   mit   der   Zange   glühend herausgenommen   und   in   Stroh   oder   Sägespäne   -   jedenfalls   etwas   Brennbares   -   hineingelegt werden,   wodurch   es   aufflammt.   Das   wird   dann   zugedeckt,   es   wird   reduziert   und   beim Herausnehmen   zerreißt   die   Glasur   und   der   Kohlenstoff   zieht   sich   in   die   Oberfläche   hinein. Alles   was   schwarz   ist,   ist   also   keine   Glasur,   sondern   der   Kohlenstoff,   der   sich   in   die   Sprünge hineinzieht. dMP: Was bewirken die erwähnten Oxyde? Ernst-Wolfgang   Weihs:   Die   Oxyde   sind   die   Farben,   Kobaltoxyd   ist   blau,   Kupferoxyd   geht   von türkis   über   grün   bis   zu   kupfer,   weiters   verwenden   wir   Silbernitrat,   das   schimmert   gold.   Rot ist    vorgefertigt,    ist    also    ein    Farbkörper    (sie    werden    zum    Einfärben    von    Glasuren genommen),   weil   rot   sehr   schwer   in   der   Keramik   zu   bekommen   ist.   Es   gibt   kupferrot,   aber man bekommt es wie gesagt sehr schwer. Herta   Weihs:   Wir   wollen   die   Farbe   rot   auch   als   Kontrast.   Normal   vermeiden   wir   aber Farbkörper, wobei das schwierig ist, weil viele Farben auch giftig sind. Ernst-Wolfgang   Weihs:   Wir   müssen   uns   nämlich   über   die   Tonne   mit   den   Sägespänen   beugen und atmen die entstehenden Dämpfe ein. Herta   Weihs:   Zum   Schamotte:   Schamottierter   Ton   ist   auch   gebrannter   Ton,   der   zerrieben wird und in die Tonmasse wieder eingebracht wird.
Ernst-Wolfgang   Weihs:   Wir   verwenden   verschiedenen   Ton,   die   kleinen   Figuren   sind   normaler Raku   Ton,   wie   auch   die   Gesichter.   Der   in   den   frischen   Ton   eingearbeitete   und   zerriebene   Ton erhöht   die   Elastizität   bei   der   Sturzkühlung,   hält   die   Hitze   besser   aus   und   er   "steht"   auch besser,    das    heißt    er    sinkt    beim    Formen    nicht    stark    zusammen.    Er    besteht    aus    50% Schamotteanteil   und   einer   Körnung   von   bis   zu   1,5   mm   Durchmesser,   der   grobe   Ton,   den   wir auch   verwenden,   ist   60%   Schamotte   und   die   Körnung   bis   zu   5mm.   Wenn   man   bei   einem schamottierten   Ton   drüberstreift,   drückt   man   die   Körner   in   die   Masse   hinein   und   man   kann sie   auch   in   lederhartem   Zustand   (Anm.:   nicht   trockener)   richtig   polieren,   sodass   sie   richtig glatt   wird.   Bei   den   Figuren   -   wir   schauen   hin    -   mache   ich   genau   das   Gegenteil,   ich   ziehe   mit einer   Klinge   oder   Spachtel   drüber,   wodurch   die   Struktur   besonders   hervorgehoben   wird.   Sie wird rauh und die Körnung tritt särker hervor. dMP:   Das   ist   das   selbe   Schamottematerial,   das   man   auch   zum   Setzen   von   Kachelöfen verwendet? Ernst-Wolfgang   Weihs:   Genau.   Teilweise   werden      auch   verschiedene   Sande   wie   Quarzsand verwendet,   die   hitzeresistent   sind.   Für   Öfen   verwendet   man   auch   teilweise   keramische Matten,   die   bis   zu   1380°C   aushalten.   Diese   verwende   ich   auch   für   unseren   Raku   Ofen.   Roh brennen   wir   im   normalen   Elektroofen   auf   1050°C   und   im   Rakuofen   brennen   wir   bei   ungefähr 970°C.
dMP: Ist die Brenntemperatur von den verwendeten Farben abhängig? Herta Weihs: Die Glasur muss beim Brennvorgang flüssig sein. Ernst-Wolfgang   Weihs:   Das   ist   aber   nicht   farbabhängig.   Meine   Glasuren   habe   ich   auf   970° eingestellt     damit     ich     alle     gleich     ausschmelzen     kann.     Bei     Porzellan     hat     man unterschiedliche    Brenntemperaturen,    die    Farbe    rot    braucht    750°,    gold    350°C.    Dabei      ändert   sich   die   „hochbrennende“   Glasur   auch   nicht   mehr.   Je   öfter   die   Keramik   natürlich durch    verschiedene    Farbbrenntemperaturen    der    Hitze    ausgesetzt    ist,    desto    leichter brechen   sie   auch.   Die   Japaner   sehen   das   teilweise   aber   auch   ästhetisch,   der   Sprung   einer Keramik    hat    Schönheit,    der    wird    dann    mit    Schellack    ausgefüllt    und    zum    Teil    auch vergoldet, weil der Sprung für sie dazugehört. Der Mitteleuropäer sieht das noch nicht so. dMP: Woher kommt der Ton, den sie verwenden? Ernst-Wolfgang   Weihs:   Der   Stober   Ton   aus   Österreich   ist   für   uns   zu   weich,   weil   er   bereits bei    800°C    dicht    wird.    Die    meisten    Tone    kommen    aus    dem    Westerwald.    Das    ist    das bekannteste   Vorkommen   neben   England   natürlich.   Wir   werden   aber   auch   in   der   Zukunft mit Tonen aus der Gegend etwas experimentieren. Herta Weihs: Bei St. Marein gibt es ganz in der Nähe ein Vorkommen.
Der Zugang auch zu Akten ist zwischen Herta und Ernst-Wolfgang Weihs sehr unterschiedlich. Links ein Werk von Ernst-Wolfgang Weihs und rechts von Herta Weihs
dMP:    Haben    die    Materialeigenschaften    von    diesem    Ton    auch    Einfluss    auf    die künstlerische Ausrichtung? Ernst-Wolfgang   Weihs:   Ja.   Der   jetzige   Raku   in   Japan   macht   im   Jahr   zwischen   acht   und zwölf   Teeschalen.   Er   brennt   sie,   ruiniert   alle   bis   auf   zwei   und   verkauft   diese.   Davon   kann er sehr gut leben. dMP: Ist der Ausstellungstitel andererseits + außerdem ein abstrakter Titel? Ernst-Wolfgang    Weihs:    Für    uns    sind    im    Moment    die    Gesichter    und    Menschen    die interessantesten   Themen.   Der   Titel   ist:   Einerseits,   andererseits   +   außerdem,   wir   haben aber   das   einerseits   weggelassen.   Wenn   wir   Menschen   sehen,   schauen   wir   als   erstes   auf   das Gesicht.   Das   ist   auch   das   wichtigste,   das   ist   die   eine   Seite,   die   wir   weggelassen   haben.   Wir zeigen   die   andere   Seite,   den   vielleicht   zweiten   Eindruck   eines   Menschen.   Auch   soll   der Betrachter etwas dazugeben, indem er ausserdem  sagt. Herta   Weihs:   Bei   Raku   kann   man   auch   nie   sagen,   wie   es   wird.   Raku   heißt   auch   "Freude   an der   Muse"   und   wenn   wir   Raku   brennen,   müssen   wir   das   annehmen,   was   entsteht.   Vor dreißig   Jahren   waren   wir   teilweise   mit   den   Ergebnissen   unzufrieden,   wir   haben   es   uns anders   vorgestellt   und   haben   es   dann   noch   einmal   gemacht.   Es   ist   allerdings   nicht   schöner geworden.   Man   muss   das   Ergebnis   annehmen   können   und   so   ist   es   auch   mit   Menschen.   Oder mit   Kunstwerken.   Das   Annehmen   ist   für   mich   die   Kunst.   Menschen   lernt   man   auch   erst wirklich kennen, wenn man sie so annehmen kann, wie sie sind.
Erst   dann   kommt   die   Persönlichkeit   heraus.   Kaum   Jemand   sagt:   Ich   finde   dich   schön,   wie du   bist.   Auch   bei   Raku   muss   man   es   nehmen,   wie   es   kommt.   Und   dann   ist   es   auch   am schönsten. dMP: Man muss dann in einen Dialog treten, beim Betrachten der Gesichter ...   Ernst-Wolfgang    Weihs:    Bei    den    Gesichtern    haben    wir    auch    für    den    Adventmarkt    am Karlsplatz   in   Wien,   aber   auch   für   das   Joanneum   in   Graz   begonnen   zusammenzuarbeiten.   Es sind   viele   Gemeinschaftskrippen   entstanden.   Wir   haben   einen   unterschiedlichen   Stil,   meine Frau   arbeitet   lange   nach,   geht   auch   unglaublich   ins   Detail,   ich   bin   sehr   reduziert,   und   die gemeinsame   Arbeit   wird   dadurch   auch   interessant.   Es   fließt   ineinander   über,   wodurch   wir uns auch gegenseitig inspirieren. Herta    Weihs:    Bei    der   Ausstellung    „Angesicht    zu   Angesicht“    haben    wir    das    erste    Mal gemeinsame   Arbeiten   gezeigt,   wobei   man   Kunst   immer   unter   dem   Aspekt   betrachtet:   Das gefällt mir - das gefällt mir nicht. Ernst-Wolfgang   Weihs:   Mich   stört,   dass   sich   das   niemand   für   sich   selbst   entscheiden   kann. Bei   einem   großen   Namen   sagen   alle   toll!   Das   ist   wie   beim   Wein,   wenn   man   sich   nicht   sagen traut, dass er nicht schmeckt. Herta   Weihs:   Es   macht   zur   Zeit   auch   den   Eindruck,   dass   je   weniger   man   die   Kunst   versteht, desto mehr wird sie in die Höhe gehoben.
NACH OBEN NACH OBEN

Dieses Werk trägt - wie andere auch - den Titel

Bild.

Das Künstlerehepaar Weihs zwischen ihren Stelen.
Ein   zentrales   Thema   im   Schaffen   von   Herta   und   Ernst-Wolfgang   Weihs   sind   Menschen und Gesichter.
dMP:   Aber   wenn   man   Kunst   grundsätzlich   nicht   mehr   verstehen   kann,   ist   es   auch   gar nicht mehr möglich etwas dagegen zu sagen... Ernst-Wolfgang   Weihs:   Es   muss   auch   nicht   jedes   Essen   schmecken,   aber   die   Leute   trauen sich nicht. Ich halte Kritik aus, außer es betrifft das Handwerkliche. dMP: Sie sind beide schon sehr lange im Kunstgeschehen aktiv. Herta   Weihs:   Wir   machen   auch   schon   lange Aktmodellierkurse,   und   Selbststudien   mit Akten. Wir verarbeiten den Ton, indem wir bildhauerisch wegnehmen. Ernst-Wolfgang   Weihs:   Also   nicht   wie   der   Keramiker,   der   mit   Würsteltechnik   aufbaut,   wir nehmen   den   Tonpatzen   im   Ganzen   und   bearbeiten   ihn   wie   ein   Steinmetz.   Dadurch   ist   man auch   ein   bisschen   schneller   und   die   Kursteilnehmer   haben   dadurch,   dass   durch   diese Technik nicht    allzuviel    passieren    kann    auch    schneller    den    Erfolg.    Es    ist    ja    auch    eine    legitime bildhauerische   Technik.   Ich   muss   es   dann   nach   zwei   Tagen   Trocknung   von   hinten   oder   unten aushöhlen, um es brennen zu können. Herta   Weihs:   Gerade   bei   den Akten   arbeiten   wir   beide   total   konträr.   Ich   führe   es   genau   aus und ... Ernst-Wolfgang Weihs: ... und ich eher nicht.   dMP: Ist Mensch, Gesichter, Akt das große Thema? Ernst-Wolfgang Weihs: Ja, aber es kommen andere Themen auch. Tiere zum Beispiel. Herta   Weihs.   Das   war   eigentlich   immer   mein   Thema,   ich   habe   mit   Tieren   begonnen.   Ich habe viele Katzen gemacht. Das kommt vielleicht wieder. dMP:  Sie sagen von sich selber eine sehr unkonventionellen Zugang zu Ton zu haben. Herta   Weihs:      Ja.   Wir   haben   Keramik   nicht   gelernt,   wir   drehen   auch   nicht,   es   ist   aber   nicht wichtig für mich. Manches ist von Bedeutung, wenn man verkaufen möchte.
Ernst-Wolfgang   Weihs:   Wir   stellen   Objekte   her.   Meine   Frau   macht   Vasen,   die   man   als Objekt aufstellen kann. Man kann sie aber auch ganz normal verwenden. Herta   Weihs:   In   einigen   haben   wir   auch   Glasphiolen   für   die   Blumen.   Solche   Sachen   müssen wir dann auch machen. Ernst-Wolfgang   Weihs:   Der   Karlsplatz   ist   ein   guter   Markt,   da   kommen   Leute   hin,   die   auch extreme Sachen verstehen. dMP: Extreme Sachen, sind die hier zu sehen? Ernst-Wolfgang   Weihs:   Ich   meine   jetzt   vom Töpferischen   her.   Wir   sind   eigentlich   durch   eine Ausstellung    von    Eli    Grasmuck,    einer    Austrokanadierin    aus    Frohnleiten    zur    Keramik gekommen,   weil   uns   die   Sprache   so   zugesagt   hat.   Weil   es   so   erdig   ist,   so   direkt.   Sie   hat einen Workshop angeboten, wodurch wir angefangen haben. Herta   Weihs:   Wir   haben   dann   auch   eine   kleine   Gruppe   gebildet,   ein   Aktmodell   genommen und   haben   bald   andere   zu   den   Kursen   eingeladen.   So   hat   das   seinen   Weg   genommen.   Seit gut zwanzig Jahren. Wir lassen bei unseren Kursen jedem seine Handschrift. Ernst-Wolfgang   Weihs:   Genau.   Wir   greifen   nicht   hinein!   Ich   zeige   an   einem   Ton,   wie   man beginnt,   wie   man   arbeitet,   wie   man   wegnimmt   und   was   man   machen   kann.   Wenn   jemand zu uns kommt und etwas lernen will, ist es wichtig, dass derjenige "seine" Sachen macht. Herta   Weihs:   Wir   machen   auch   Skulpturenkurse   am   Wifi   und   ich   finde   es   wichtig,   dass   man reagieren   kann.   Auf   die   Ideen   und   es   stellt   sich   heraus,   dass   dann   wirklich   tolle   Sachen entstehen. Ernst-Wolfgang   Weihs:   Viele   trauen   sich   auch   nicht   zu,   es   zu   können.   Aber   Kreativität   hat jeder! dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!