der muerzpanther
FRÖHLICH WEGGEWORFEN UND FRISCH GEKAUFT! Nicht   nur   die   Schätzungen,   sondern   auch   Untersuchungen   zeigen,   das   jährlich   in Österreich   1   Million   Tonnen   LMA   entstehen.   Das   ist   nicht   gut.   LMA   sind   Lebensmit- telabfälle, die bei der Produktion bis zur Verarbeitung im Haushalt anfallen.  Bis   zu   133   Kilogramm   an   genussfähigen   Lebensmitteln   und   damit   zwischen   250   und 800   Euro   landen   jährlich   pro   Haushalt   im   Müll.   Dabei   werden   erstmals   neben   dem Restmüll   auch   Schätzungen   anderer   Entsorgungswege,   wie   Biomüll,   Kompost,   Kanal und    Verfütterung    an    Tiere    mit    einbezogen  ",    bestätigt    Gudrun    Obersteiner    vom Institut für Abfallwirtschaft an der BOKU. Die    Hitliste    an    weggeworfenen    Produkten    wird    von    Brot    und    Gebäck    angeführt, gleich   dahinter   gesellt   sich   Obst   und   Gemüse   dazu   und   auf   Rang   drei   finden   sich bereits   Milchprodukte   und   Eier.   Aber   mit   11%   werden   auch   die   in   der   Produktion aufwendigen Fleisch- und Fischprodukte verschwendet. Warum   Menschen   Lebensmittel   wegwerfen   und   was   die   größten   Hinderungsgründe sind,   Lebensmittel   rechtzeitig   zu   essen   oder   zu   verwerten,   versucht   die   Boku   bereits seit   Jahren   herauszufinden   und   hat   die   Verschwendung   in   einer   Studie   zusammen mit   der   Umweltschutzorganisation   WWF   Österreich   aufgezeigt.   Der   Mürzpanther   hat mit   Olivia   Herzog   ein   weiterführendes   Interview   zu   diesem   äußerst   wichtigen   Thema geführt.
Mit   der   Forderung   nach   einem   Umdenken   und   einem   Aktionsplan seitens    der    Bundesregierung    möchte    der    WWF    die    Menschen nicht      lediglich      auf      diese      verschwenderischen      Umstände aufmerksam   machen,   sondern   für   dieses   Thema   sensibilisieren, um     nicht     nur     die     Ausgaben     für     den     einzelnen     Haushalt herabzusetzen,       sondern       vor       allem       um       klimarelevante Zusammenhänge    darzustellen.    Die    aktuelle    Studie    führt    dabei nicht    nur    die    reinen    Zahlen    vor    Augen,    sondern    auch    die Hintergründe.   Zu   diesen   hat   der   Mürzpanther   Olivia   Herzog   um ein Interview gebeten. dMP:      Gibt      es      bei      dem      Umgang      mit      genussfähigen Lebensmitteln   ein   Gefälle   zwischen   dem   städtischen   Bereich und dem Land? Olivia   Herzog:   Dazu   sind   uns   keine   aussagekräftigen   Analysen bekannt.   Im   Restmüll   lassen   sich   im   städtischen   Bereich   -   v.a. Wien   -   vermutlich   mehr   Lebensmittelabfälle   (LMA)   finden   als   in ländlichen   Regionen.   Das   liegt   dann   aber   beispielsweise   an   der höheren    Eigenkompostierung    aufgrund    der    Verfügbarkeit    von Gärten am Land. dMP:   Viele   füttern   mit   „Resten“   am   Land   ihre   Hendln.   Wäre es nicht an der Zeit wieder den „Sautrank“ zu ermöglichen? Hierzu   gibt   es   eine   EU-Richtlinie,   die   das   verbietet.   Wichtig   ist aus   unserer   Sicht   die   Abfallpyramide.   Also   zuerst   vermeiden, dann    an    soziale    Einrichtungen    weitergeben,    danach    erst    der thermischen    Energiegewinnung    zuführen    und    erst    als    letzte Möglichkeit Abfall. dMP:   Die   Zahl   der   gehaltenen   Nutz/Tiere   am   Land   ist   sichtbar gesunken.   Wäre   eine   Förderung   zu   Haltung   eine   Möglichkeit
die     „Produktion“     und     den     Gebrauch     von     Lebensmitteln wieder wertschätzender zu machen? Aus   unserer   Sicht   ist   das   nur   ein   kleiner   Punkt   in   dem   ganzen Problem.   Gerade   tierische   Produkte   sind   für   Klima   und   Umwelt ja     besonders     belastend.     Das     muss     man     sich     detailliert durchdenken,   welche   Maßnahmen   gegen   LMV   im   Einklang   mit Natur und Klima sinnvoll ist. Als   Hauptgrund   für   die   enorme   Verschwendung   der   Lebensmittel wurde   vor   allem   der   Zeitmangel   in   Haushalten   ausgemacht.   50 Prozent   der   über   3.700   befragten   Personen   gaben      das   als   Haupt- ursache   für   die   Lebensmittelverschwendung   an.   Dahinter   folgen Probleme   wie   der   falsche   Lagerplatz,   fehlende   Koch-Ideen   und ein   zu   hoher   Aufwand   bei   der   Verarbeitung.   Auch   zu   wenig   Wis- sen trägt dazu bei, dass der Müllberg stetig wächst. dMP:    Liegt    es    daran,    dass    Lebensmittel,    die    genussfähig wären   nicht   mehr   verkocht   werden?   Ist   das   wirklich   auf   den Zeitmangel       zurückzuführen,       dass       aus       hartem       Brot beispielsweise keine Brösel zum Panieren gemacht werden? Die   Befragung   zeigt,   dass   die   Menschen   das   Gefühl   haben,   zu wenig     Zeit     zur     Verfügung     zu     haben,     um     Lebensmittel- verschwendung    (LMV)    zu    verhindern.    D.h.    zum    Beispiel,    dass Menschen   das   Zubereiten   von   Apfelkompott   aus   schrumpeligen Äpfeln   oder   ja,   auch   Brösel   aus   altem   Brot   herzustellen,   als sehr aufwendig empfinden. dMP:   Ist   eine   signifikante   Änderung   der   Verschwendung   über die   (bspweise)   letzten   zwanzig   Jahre   zu   erkennen?   Gab   es dazu Studien? Dazu ist uns leider nichts bekannt.
Es    kommt    in    den    besten    Redaktionen    vor! Schlechte   Recherche.   Auch   dem   Mürzpanther ist   ein   grober   Fehler   unterlaufen,   weil   er   sich nicht   nach   dem   Namen   des   Hendls   erkundigt hat!   Zur   unserer   Rechtfertigung:   Es   war   ja   soo beschäftigt!
Zu   alt   oder   zu   lätschert?   Abgelaufen   oder „Ich    will    das    aber    jetzt    nicht    essen!“ Hinaus    auf    den    Biokompost    oder    in    den Restmüll? Jedenfalls weg!
Zu    den    Unsicherheiten    für    die    Konsumenten    kommen    auch überschrittene    Mindesthaltbarkeitsdaten,    Schimmelbefall    oder wenn Lebensmittel nicht mehr frisch wirken. Olivia     Herzog:     Neben     den     tagtäglichen     Herausforderungen kommt   die   eigene   Ernährung   oft   zu   kurz.   Dabei   ließe   sich   die Verschwendung   von   Lebensmitteln   relativ   einfach   reduzieren. Politik und Handel sollten darüber stärker informieren.     dMP:    Soll    oder    kann    das    Mindesthaltbarkeitsdatum    (MHD) verlängert    werden    –    bei    welchen    Lebensmitteln    wäre    das denkbar    –    und    warum    macht    das    die    Lebensmittelindustrie nicht? Das    MHD    dient    den    Herstellern    als    rechtliche    Sicherheit. Sicherlich   wäre   eine   Überarbeitung   der   Regelungen   für   das   MHD denkbar    und    zielführend.    Es    fehlt    hier    unserer   Ansicht    nach auch    bei    den    Konsumenten    einfach    an    Bewusstsein,    dass    das MHD    nicht    automatisch    heißt,    das    Lebensmittel    nicht    mehr genießbar   sind,   sondern   sie   sich   da   auch   auf   ihre   Sinne   –   also dran   riechen   oder   auch   kosten   –   verlassen   sollten.   Auch   eine bessere    Beschreibung    darüber    auf    Produkten,    was    das    MHD bedeutet, könnte angedacht werden. Die    Lebensmittelverschwendung    entsteht    aber    nicht    erst    im Haushalt,    sondern    bereits    in    der    Produktion    –    auf    dem    Feld! Schon   in   der   Landwirtschaft   wird   Obst   und   Gemüse,   das   nicht den    Handelsstandards    entspricht,    unnötig    aussortiert.    Weiters gehen   in   der   Produktion   Nebenprodukte   ungenutzt   verloren.   Und letztlich    werden    Im    Handel    Lebensmittel    entsorgt,    die    nicht mehr    ganz    frisch    sind.    Bis    dann    nur    mehr    ein    Teil    davon    im privaten Haushalt landet … dMP:    Ist    der    widrige    Wegwerf-    Umgang    mit    Lebensmitteln nicht    erst    durch    den    Überfluss    und    die    Preise    entstanden? Wie könnte oder müsste man diesbezüglich gegensteuern? Wie   aus   der   Studie   hervorgeht,   fehlt   es   vielfach   an   Bewusstsein und    Information    bei    Konsumenten.    Viele    Menschen    wissen
nicht,      wie      viele      Ressourcen      für      die      Produktion      von Lebensmittel    benötigt    werden    und    was    das    für    Folgen    für Umwelt   und   Klima   hat,   wenn   man   es   jetzt   mal   auf   den   Haushalt herunterbricht. Produktion    und    Konsum    von    Lebensmitteln    haben    eine    große Klimawirkung:     In     Österreich     werden     etwa     20     Prozent     des persönlichen   CO2-Fußabdruckes   durch   unsere   Ernährung   verur- sacht.   Rund   16   Prozent   der   ernährungsbedingten   Treibhausgas- emissionen   werden   unnötig   ausgestoßen,   weil   die   Lebensmittel nie gegessen werden.  Olivia   Herzog:   Eine   Möglichkeit   wäre,   das   Thema   LMV   in   die Umweltbildung,   deren   verstärkte   Verankerung   ja   eben   erst   im Parlament   beschlossen   wurde,   einfließen   zu   lassen.   Unser   Ziel ist:   Lebensmittel   müssen   wieder   den   Wert   bekommen,   den   sie haben.   Natürlich   ist   aber   auch   zu   bedenken,   dass   alle   Menschen sich gute Lebensmittel leisten können sollen. dMP:    Welche    Schritte    sind    seitens    des    WWF    angedacht, Änderungen        herbeizuführen?        Es        aufzuzeigen        wird wahrscheinlich nicht reichen! Wir      fordern      von      der      Politik      einen     Aktionsplan      gegen Lebensmittelverschwendung,   der   konkrete   Maßnahmen   entlang der   gesamten   Wertschöpfungskette   (vom   Feld   auf   den   Teller) festlegt.   Diese   müssen   verpflichtend   und   mit   entsprechenden Reduktionszielen    verknüpft    sein.    Dazu    benötigt    es    beispiels- weise    eine    bessere    Datenlage,    die    Bundesregierung    sollte jährlich   einen   Bericht   zum   Thema   LMV   vorlegen,   an   dem   man sich   dann   mit   Maßnahmen   orientieren   kann.   Ein   weitere   Punkt wäre    eine    Koordinierungsstelle    zu    LMV:    Im    Moment    ist    das Thema    auf    mehrere    Ministerien    verstreut,    Umweltministe- rium,   Landwirtschaft   aber   auch   Gesundheitsministerium   haben Zuständigkeiten.    Es    wäre    sinnvoll,    das    an    einer    Stelle    zu bündeln um sinnvollere Maßnahmen setzen zu können. dMP: Herzlichen Dank für die Informationen!
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