der muerzpanther
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WER STELLT SICH DEM TEST? ABER SIND SIE NICHT ENTTÄUSCHT … Es   ist   grundsätzlich   eine   interesante   Fragestellung,   die   die   meisten   wahrscheinlich mit    JA!    beantworten    würden:    Wissen    Sie    über    Hintergründe    und    Auslöser    vom Klimawandel   Bescheid?   Aber:   Wissenschafter   der   Uni   Graz   haben   nach   einer   Online-     Befragung    eine    große    Diskrepanz    zwischen    wissenschaftlich    belegten    Fakten    und dem   vermeintlichen   Wissen   festgestellt.   Quer   durch   die   Bevölkerung   wurden   500 Personen    zwischen    achtzehn    und    zweiundsiebzig    Jahren,    quer    über    alle    Bundes- länder, je zur Hälfte mit und ohne Matura befragt. "In   unserer   Erhebung   stellten   wir   zehn   Wissensfragen   zum   Klimawandel,   die   mit ,wahr'    oder    ,falsch'    zu    beantworten    waren    und    baten    gleichzeitig    um    eine Einschätzung,    wie    sicher    sich    die    Person    der    eigenen    Antwort    ist  ",    berichtete Thomas    Brudermann    vom    Institut    für    Systemwissenschaften,    Innovations-    und Nachhaltigkeitsforschung der Universität Graz. Der   Mürzpanther   hat   ein   Interview   mitz   der   Mitautorin   der   Studie,   Annina   Thaller, für   weitergehende   Informationen   um   ein   Interview   gebeten   und   wirklich   interssante Antworten   erhalten.   Zwischen   dem   Intervieew   finden   Sie   verstreut   die   10   Wissens- fragen,   die   gestellt   wurden   und   mit   wahr   oder   falsch   zu   beantworten   sind.   Ganz unten finden Sie die Auflösung! Viel Vergnügen!
1.WF   (Wissensfrage):   Das   Ozonloch   ist   die   Hauptursache   für   den Treibhauseffekt. Bei   dieser   Frage   waren   sich   die   Befragten   im   Durchschnitt   zu   81 Prozent    ihrer   Antwort    sicher,    60%    lagen    aber    sachlich    falsch. Bereits    anhand    dieser    Frage    zeigte    sich,    dass    die    meisten Befragten    ihr    Wissen    über    den    Klimawandel    offenbar    über- schätzen. dMP:   Woran   liegt   es,   dass   der   Informationsstand   eher   gering ist? Annina    Thaller:    Wir    haben    hier    zehn    Statements    zum    Thema Klimawandelwissen    abgefragt,    was    lediglich    einen    Ausschnitt darstellt.   Außerdem   kommt   es   auch   sehr   darauf   an   mit   welcher Methode    gemessen    wird,    als    auch    welche    Art    von    Wissen. Vergleicht    man    hier    andere    Studien,    wie    zum    Beispiel    eine kürzlich     erschienene     Studie     aus     Deutschland,     zeigen     sich ähnliche   Ergebnisse   was   den   Wissensstand   angeht:   auch   dort   ist das     Wissen     rund     um     den     Klimawandel     begrenzt.     Diese Wissenslücken   können   diverse   Gründe   haben:   zum   einen   handelt es   sich   um   ein   spezifisches   Wissensgebiet,   zum   anderen   haben die    wenigsten    von    uns    in    der    Schule    über    den    Klimawandel etwas   gelernt,   da   das   Thema   ja   doch   erst   in   den   letzten   15 Jahren    stärker    ins    Zentrum    der    Aufmerksamkeit    gerückt    ist, und das Thema in den Lehrplänen nach wie vor fehlt. 2.WF:   Die   Herstellung   von   1   kg   Schweinefleisch   produziert   mehr Treibhausgas-Emissionen als die gleiche Menge an Weizen.
dMP: Welchen Einfluss nehmen Medien? Medien   nehmen   hier   vor   allem   die   Rolle   als   Wissensvermittler ein   und   versuchen   wissenschaftliche   Erkenntnisse   verständlich zusammenzufassen.   Da   die   Klimawandeldebatte   aber   auch   eine zunehmend      politische      Debatte      geworden      ist,      hier      also politische         Meinungen         mitverstrickt         sind,         stellen unterschiedliche    Medien    die    Sachverhalte    oder    Konsequenzen des    Klimawandels    oft    sehr    unterschiedlich    dar.    Das    kann    zu Unsicherheit   über   das   „richtige“   Verhalten   bzw.   die   Einigkeit über wissenschaftlich bewiesene Fakten führen. 3.WF:   Bei   einer   Stabilisierung   des   heutigen   Treibhausgas-Gehalts in   der   Atmosphäre   würde   sich   das   Klima   dennoch   mindestens   100 Jahre weiter erwärmen. dMP: Wo sehen Sie die Aufgaben der Universität? In     erster     Linie     ist     die     Universität     da,     um     Forschung     zu betreiben,     aber     auch,     um     junge     Menschen     notwendiges Werkzeug   und   Erkenntnisse   mitzugeben.   Ich   bin   aber   auch   der Meinung,    dass    die    Aufgabe    nicht    nach    einer    erfolgreichen Publikation   endet,   sondern   dass   auch   das   Bindeglied   für   einen erfolgreichen   Wissenstransfer   sichergestellt   werden   muss:   vor allem      im      Bereich      Klimaforschung,      wo      es      dringende Verhaltensänderungen in kurzer Zeit benötigt. 4.WF: Ohne den Menschen gäbe es keinen Treibhauseffekt.
Betitelt    ist    dieses    Foto    mit: „Forscher      stellten      Kombina- tion       von       Halbwissen       und Selbstüberschätzung fest.“ Copyright APA!
Die   Studie   zeigte,   dass   die   meisten   Befragten   ihr   Wissen   über den   Klimawandel   offenbar   überschätzen.   Die   "Selbstüberschätz- ung",   wie   es   die   Grazer   Forscher   nennen,   nahm   in   Bezug   auf   das eigene    Wissen    zum    Klimawandel    mit    dem    Alter    leicht    zu. "Falsche      Über-zeugungen      gefährden      die      Akzeptanz      von Klimaschutz-Maßnahmen   und   begünstigen   falsche   Entscheidun- gen"  ,   erklärten   die   Studienautoren   die   sich   daraus   ergebende Problemlage.    Dabei    ist    es    gar    nicht    so    schwierig:    Zwischen Sonneneinstrahlung    und    Erdausstrahlung    stellt    sich    (und    das bereits    seit    ewig    …)    ein    Gleichgewicht    ein.    Dabei    liegt    die mittlere   Oberflächentemperatur   bei   15°C,   die   so   nur   bestehen kann,   weil   die   Erde   von   der   Erdatmosphäre   umgeben   ist.   Diese enthält    eine    Reihe    von    Gasen,    die    die    konstante    Temperatur hält;   das   nennt   man   Treibhauseffekt.   Von   diesen   Gasen   wird   die einfallende,    kurzwellige    Sonnenstrahlung    durchgelas-sen,    die von    der    Erde    abgestrahlte,    langwellige    Wärmeausstrahl-ung jedoch   teilweise   aufgenommen.   Ein   Teil   davon   geht   dann   wieder in   Richtung   Erdoberfläche.   Ohne   dem   Effekt   wäre   diese   Form von Leben auf der Erde nicht möglich. 5.WF:   Der   weltweite   Temperaturanstieg   im   letzten   Jahrhundert war der größte seit 1.000 Jahren. dMP:    Ist    die    Wissenschaft    und    deren    Vermittlung    für    die Aufnahme   zu   komplex,   oder   Zusammenhänge   zu   kompliziert für einen durchschnittlichen Bevölkerungsbereich? Ich   bin   der   Meinung,   dass   man   von   der   Allgemeinbevölkerung nicht   erwarten   kann,   wissenschaftliche   Publikationen   zu   lesen und    zu    verstehen,    da    der    Schreibstil,    der    Aufbau,    etc.    oft darauf   ausgelegt   sind,   möglichst   viel   Information   in   kompakter Weise   darzustellen   und   auch   Fachbegriffe   oder   andere   Arten von   Vorwissen   vorausgesetzt   werden:   das   ist   eine   ganz   eigene Art    der    Präsentation,    und    gerade    im    Klimabereich    werden Studien     fast     ausschließlich     auf     Englisch     publiziert.     Daher kommt   dem   Wissenstransfer,   science   to   public,   eine   wichtige Bedeutung   zu,   als   Bindeglied   zwischen   Forschung   und   täglichen Entscheidungen.      Wie      diese      Vermittlung      stattfindet      ist
sicherlich      ein      wichtiger      Knackpunkt.      Wir      sollten      die DurchschnittsbürgerInnen   aber   keinesfalls   unterschätzen.   Wenn wissenschaftliche    Erkenntnisse    entsprechend    aufbereitet    und auch verfügbar gemacht werden, finden Sie ja auch Anklang. Ob   Kohlendioxid   oder   die   selbe   Menge   Methan   schädlicher   für das   Klima   ist,   konnten   57   Prozent   der   Befragten   nicht   richtig beantworten. 6.WF:   Bei   gleicher   Menge   ist   CO2   für   das   Klima   schädlicher   als Methan. dMP:     Was     kann     geändert     werden,     dass     mehr     Fakten ankommen? Ein   Grund,   den   wir   angesprochen   haben,   ist,   dass   nicht   jeder gleich    auf    dieselbe    Art    von    Information    reagiert.    Hier    auf Spezifika     von     unterschiedlichen     Gruppen     einzugehen     (zum Beispiel    Vorwissen,    Einstellungen,    Alter,    Bildungsgrad,    etc.) macht   auf   jeden   Fall   Sinn.   Einige   Menschen   reagieren   gut   auf einseitige    Information,    während    andere    einen    Vergleich    von Fakten   und   vorherrschenden   Missverständnissen   bevorzugen.   Es geht   aber   nicht   nur   darum   ob   etwas   ankommt,   sondern   auch welche    Art    von    Information.    Hier    zeigt    sich:    je    näher    die Information     bzw.     das     Wissen     am     tatsächlichen     Verhalten ansetzt,   desto   besser.   Ein   weiterer   Aspekt   ist   außerdem   noch der     Überbringer     der     Nachricht     selbst:     Vertrauen     in     den Vermittler spielt eine wichtige Rolle. 7.WF:   Die   90er   Jahre   waren   weltweit   das   wärmste   Jahrzehnt   des 20. Jahrhunderts. dMP:    Können    politische    Bereiche    überhaupt    wollen,    dass umfassende Informationen kolportiert werden? In   der   Idealvorstellung   einer   liberalen   Demokratie   muss   man davon   eigentlich   davon   ausgehen.   Die   Aufgabe   der   Wissenschaft ist   es,   Daten   und   Wissen   zu   generieren.   Die   Aufgabe   der   Politik ist   es,   auf   dieser   Basis   Entscheidungen   zu   treffen.   Klar   ist   aber auch, dass wir in keiner idealen Welt leben.
Wenn   Lava   in   das   Meer   fließt,   kühlt   sie   sich   ab und   es   entsteht   Wasserdampf.   Wie   hier   auf   dem Bild   von   Buzz   Andersen   auf   unsplash   zu   sehen ist.    Soviel    ist    klar!    Aber:    Ist    H2O    auch    ein Treibhausgas?
8.WF:     Im     vergangenen     Jahrhundert     war     in     Österreich     die Erwärmung deutlich geringer als im weltweiten Durchschnitt. dMP:   Woran   liegt   es,   dass   die   Eigeneinschätzung   so   hoch   über dem Wissen liegt? Das     ist     eine     gute     Frage,     die     wir     hier     nicht     vollständig beantworten   können,   da   wir   in   der   Studie   nicht   die   Gründe   für Selbstüberschätzung   untersuchen.   Es   ist   jedoch   ein   generelles Phänomen,     dass     nicht     nur     im     Bereich     Klimawandelwissen, sondern    auch    für    Allgemeinwissen    bzw.    für    andere    spezielle Wissensbereiche   bestätigt   wurde.   Klar   ist,   dass   wir   Menschen eine     ganze     Reihe     von     Verzerrungen     und     Befangenheiten besitzen     (sogenannte     „biases“),     die     unsere     Entscheidungs- prozesse    oft    unbewusst    steuern.    Das    Übervertrauen    in    die eigene Einschätzung ist ein solcher „Bias“. 9.WF: Wasserdampf ist ein Treibhausgas. dMP:   Ist   überhaupt   ein   echtes   Bewusstsein   geschaffen   –   für die    Akzeptanz    von    Klimaschutzmaßnahmen?    (Oder    löst    nur eine     Show     die     nächste     ab?     Klimaschutz     –     Pandemie     Wirtschaftsrezession?) Ich    denke    ein    Bewusstsein    ist    generell    schon    da,    nur    sind Menschen       im       Alltagsleben       mit       einer       Vielzahl       an Herausforderungen    und    Problemstellungen    konfrontiert,    die zum    Teil    dringender    sind    bzw.    so    erscheinen    und    kurzfristig Handlungsbedarf    erfordern.    Der    Klimawandel    hingegen    wird generell    eher    mit    Langzeitfolgen    verbunden    und    sticht    im Vergleich   mit   Geldsorgen,   gesundheitlichen   Beschwerden,   etc. oft nicht so hervor. Männer    beantworteten    im    Durchschnitt    etwas    mehr    Fragen richtig   und   waren   sich   ihrer   Antworten   auch   ein   wenig   sicherer als   Frauen.   Dabei   kann   die   Kombination   von   Halbwissen   und Selbstüberschätzung    kann    zum    ernsthaften    Problem    werden, wenn   Verzerrungen   der   Wirklichkeit   zu   falschen   Entscheidungen führen  ",     warnt     Thomas     Brudermann     mit     Blick     auf     den
Klimaschutz.   Aus   Sicht   der   Grazer   Forscher   ist   eine   spezifisch auf       viele       unterschiedliche       Zielgruppen       zugeschnittene Informations- und Bildungsarbeit notwendig. dMP:    Was    ist    der    Hintergrund,    dass    Männer    mehr    Fragen richtig beantwortet haben? - Das Interesse am Thema? Grundsätzlich    sind    die    Unterschiede    zwischen    Männern    und Frauen   in   ihrem   Wissen   sehr   gering,   hier   würde   ich   also   keine Mutmaßungen anstreben, dafür ist der Effekt zu klein. 10.WF:   Ein   Dieselfahrzeug   verursacht   mehr   CO2-Emissionen   pro Person und Kilometer als ein vergleichbares Benzinfahrzeug. dMP:    Welche    Entscheidungen    trifft    denn    klimarelevant    der Einzelne   überhaupt   –   doch   nicht,   welche   Art   von   Heizung   er neu   installiert   (da   geht   es   wahrscheinlich   bei   90%   über   den Preis). Der    Mensch    trifft    sehr    viele    klimarelevante    Entscheidungen (Urlaubsreisen,   Autokauf,   Ernährungsform,   etc.),   nur   oft   nicht bewusst   bzw.   aus   anderen   Gründen   heraus   motiviert.   Man   kann auch    nicht    erwarten,    dass    Bewusstsein    und    Information    die einzigen   nötigen   Faktoren   sind,   um   klimafreundliches   Handeln zu    erzeugen.    Richtige    Rahmenbedingungen    und    Anreize    sind ebenfalls notwendig. dMP:    Wie    können    die    selben    Fakten    auf    unterschiedliche Gruppen    spezifisch    überhaupt    zugeschnitten    werden?    Rein über die Präsentation? Fakt bleibt doch Fakt! Das   hat   sehr   viel   mit   Punkt   5   zu   tun:   wie   wird   präsentiert,   wer vermittelt       die       Botschaft,       welche       Werteebene       wird angesprochen,    welche    Kanäle    werden    dafür    verwendet,    etc. Rational   gesehen   wäre   es   am   Ende   des   Tages   zwar   die   gleiche Information,    aber    da    wir    Menschen    nur    begrenzt    rational reagieren, sind diese unterschiedlichen Zugänge notwendig. dMP: Herzlichen Dank für die Informationen!
Die Auflösung: 1.F, 2.W, 3.W, 4.F, 5.W, 6.F, 7.W, 8.F, 9.W, 10.F; W = Wahr, F = Falsch
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