der muerzpanther
WINTERSPORT FÜR SCHMETTERLINGE: DAUERFRIEREN! Der   Winter   hat   sich   mit   viel   Schnee   heuer   schon   früh   den   Weg   in   die   Täler   und   auf   die   Berge gebahnt.   Damit   müssen   die   Futterhäuschen   für   die   heimischen   Singvögel   befüllt   sein   und regelmäßig   nachgefüllt   werden. Andere Tiere   sind   durch   die   Schneelage   bereits   in   die   Gärten gekommen,   um   sich   die   letzten   zuckerhaltigen   bis   in   den   Spätherbst   gereiften   Früchte   zu holen:   Hasen   und   Rehe.   Ich   liebe   diese   Spuren   in   meinem   Garten,   obwohl   sie   von   Not   und Verknappung   erzählen.   Sie   enden   meist   unter   dem   Vogelhäuschen   oder   am   Apfelbaum   und ich   wünsche   mir,   dass   die   Wildtiere   gut   über   den   Winter   kommen.   Ein   klein   wenig   kann   man ja auch dazu beitragen. Unvorstellbar   sind   auch   die   physiologischen   Mechanismen,   die   es   den   als   Kerbtiere   oder Hexapoden   bezeichneten   Lebewesen   ermöglicht   zu   überwintern.   Um   gut   über   den   Winter zu   kommen,   suchen   sich   die   meisten   Insekten   ein   geschütztes   Plätzchen   und   verharren   dort in   Kältestarre,   bis   die   Tage   wieder   länger   und   die   Temperaturen   angenehmer   werden “,   weiß Gudrun   Fuß,   Entomologin   und   Schmetterlingsexpertin   beim   Projekt   „Erlebnis   Insektenwelt“. Das   geschieht   im   Allgemeinen   als   Larve,   Ei   oder   gut   verpackt   in   der   Puppenhülle.      Es   gibt allerdings   auch   Insekten,   die   den   Winter   als   erwachsenes   Tier   überdauern,   wie   die   Tagpfau- enaugen   oder   die   Trauermantel   (siehe   Bild   unten).   Manche   Arten   haben   sogar   ihren   Fort- pflanzungszyklus   in   die   kalten   Monate   verlegt,   einige   wenige   machen   es   sogar   wie   die Zugvögel und begeben sich in wärmere Gefilde. Und   wie   überwintern   eigentlich   die   Käfer,   die   bis   zu   vier   Jahre   alt   werden   können?   Der MÜRZPANTHER   hat   ein   Gespräch   mit   der   Ökologin,   Frau   Mag.   Gudrun   Fuß   vom   Naturschutz- bund OÖ geführt.
ACHTUNG! Dieser Artikel enthält folgende Ausdrücke:
NACH OBEN NACH OBEN
Ob   Insekten   frieren,   ob   sie   Kälte   überhaupt   spüren,   weiß   man   nicht.   Damit   sie   den   Winter überstehen,   haben   sie   eine   Vielzahl   erfolgreicher   Strategien   entwickelt.   Als   wechselwarme oder   poikilotherme   Tiere   gleichen   sie   ihre   Körpertemperatur   der   Umgebungstemperatur   an, auch im Winter. In der Kältestarre. dMP:    Was    bedeutet    genau    „Kältestarre“?    Wie    verändern    sich    die    physiologischen Komponenten des Schmetterlings während des Winters? Fr.   Mag.   Gudrun   Fuß:   Insekten   sind   wechselwarme   Tiere,   das   heißt   ihre   Körpertemperatur ist    von    der    Umgebungstemperatur    abhängig.    Fällt    nun    die   Außentemperatur    unter    das tolerierte    Minimum,    werden    die    Lebensfunktionen    des    Organismus    auf    ein    Minimum heruntergefahren.   Sie   sind   praktisch   kaum   mehr   feststellbar.   Der   Zitronenfalter   ist   in   ganz besonderer    Weise    an    das    Überstehen    kalter    Winter    angepasst.    Er    bildet    in    seinem Organismus   nicht   nur   Glycerin   als   Frostschutzmittel,   sondern   scheidet   zusätzlich   zu   Beginn der   Winterzeit   einen   Teil   seiner   Körperflüssigkeit   aus,   lässt   praktisch   alles   Wasser   ab,   das   er nicht braucht. dMP:        Ist    die    Überwinterung    für    alle    Stadien    der    Schmetterlingsentwicklung    gleich geeignet,   oder   sind   manche   auf   Kälte,   Temperaturschwankungen,   etc.   empfindlicher (und damit gefährdeter)? Fr.   Mag.   Gudrun   Fuß:   Wahrscheinlich   ist   die   Überwinterung   als   erwachsenes   Tier   etwas riskanter,   da   diese   großteils   geschützte   Plätze   aufsuchen   müssen,   die   nicht   immer   leicht   zu finden   sind   oder   im   Frühjahr   zur   Falle   werden,   wenn   dann   ein   Ausflug   nicht   mehr   möglich ist,   weil   plötzlich   das   Fenster   geschlossen   ist.   Frei   überwinternde   Zitronenfalter   könnten hingegen   zum   Leckerbissen   für   hungrige   Vögel   werden.   Die   andren   Stadien   sind   meist   besser geschützt,   da   sie   im   Boden   oder   in   der   Laubstreu   verborgen   sind.   Bei   manchen   Arten   wie dem   Schwalbenschwanz   überwintern   aber   die   Puppen   frei   an   Pflanzenstängeln,   hier   ist Tarnung alles. Die Resistenz gegen Kälte ist aber überall gegeben.
Oft   haben   Kinder   den   richtigen   Blick   für das   Wesentliche.   Ich   habe   vor   über   einem Jahr    nach    der    Vorstellung    des    Trauer- mantels    das    Thema    mit    Volksschülern zeichnerisch umgesetzt. Foto: der MÜRZPANTHER
dMP:  Worin liegt der Vorteil in der Evolution, dass Adulte überwintern? Fr.   Mag.   Gudrun   Fuß:   Ganz   genau   kann   man   das   nicht   sagen.   Wichtig   ist,   dass   es   kein Nachteil   ist,   sonst   verschwindet   eine   Anpassung   ganz   schnell   wieder   oder   kann   sich   gar nicht   etablieren.   Die   erwachsenen   Falter   von   überwinternden Arten   sind   bereits   ab   Februar oder   März   unterwegs   und   besuchen   die   ersten   Blüten,   die   Nahrungskonkurrenz   ist   hier eventuell   geringer   und   die   Partnerfindung   leichter,   da   es   seltener   zur   Verwechslungen kommt. dMP:      Kann   ein   adulter   Tagfalter   sich   für   die   Überwinterung   davor   auch   „Reserven anfressen“?   Bzw.   wird   zur   Aufrechterhaltung   der   Organe   die   Energie   hauptsächlich   aus Zucker gewonnen? Fr.   Mag.   Gudrun   Fuß: Adulte   Falter   fressen   sich   keine   Energiereserven   an.   Dies   ist   aber   auch nicht   nötig,   da   der   Energiebedarf   während   der   Wintermonate   auf   ein   Minimum   reduziert   ist. Zu   Beginn   der   Winterstarre   wird   der   Stoffwechsel   herab   gesetzt,   das   röhrenförmige   Herz zieht   sich   immer   seltener   zusammen   und   pumpt   die   Körperflüssigkeit   immer   langsamer durch   den   Körper,   bis   zuletzt   die   Organfunktionalität   nur   mehr   drei   bis   sieben   Prozent   im Vergleich    zum    Sommer    beträgt.    Die    inneren    Organe    des    Schmetterlings,    sind    von    der Funktion   her   mit   unseren   vergleichbar   und   die   von   ihnen   benötigte   Energie   wird   aus   Zucker gewonnen. dMP:  Haben alle Insekten die gleichen Mechanismen der Überwinterung? Fr.   Mag.   Gudrun   Fuß:   Im   Prinzip   ja,   egal   in   welchem   Stadium,   ob   als   Ei,   Larve,   Puppe   oder erwachsenes   Tier   überwintert   wird.   Die   kalte   Jahreszeit   wird   in   Kältestarre   überdauert,   das heißt   alle   Lebensfunktionen   des   Organismus   werden   auf   ein   absolutes   Minimum   reduziert. Wie viel Schutz vor der Witterung benötigt wird, ist jedoch unterschiedlich.
dMP:   Wie   reagieren   sie   auf   Warmwettereinbrüche   –   beispielsweise   im   Jänner   –   und   kön- nen diese bedrohlich werden? Fr.   Mag.   Gudrun   Fuß:   Ja,   ein   Warmwettereinbruch   kann   für   mache   Arten   zum   Problem werden,   da   die   warmen   Temperaturen   die   Insekten   dazu   bringen   aus   ihrer   Winterstarre   zu erwachen.   Das   verbraucht   viel   Energie,   die   meist   aus   Mangel   an   Nahrung   nicht   wieder aufgenommen   werden   kann.   Vor   allem   wenn   dieser   Wechsel   öfter   stattfindet   oder   es   sehr abrupt   wieder   kalt   wird,   kann   das   für   die   Insekten   tödlich   sein.   Der   Zitronenfalter   kommt mit   diesem   Wechselspiel   allerdings   recht   gut   zurecht   und   man   kann   ihn   daher   an   warmen Tagen   auch   schon   im   Februar   beobachten,   wie   er   sich   zum   Beispiel   an   Weidenblüten   labt. Schwierig   sind   auch   eher   warme,   feuchte   Winter,   denn   dann   können   sich   Pilze   ausbreiten, die den Tieren ebenfalls gefährlich werden. dMP:      Was   gibt   es   zu   den   meist   mehrjährigen   Käferarten   zu   sagen?   Welche   Gefahren drohen   im   Winter   besispielsweise   Laufkäfern?   Kann   man   als   Gartenbesitzer   auch   für diese etwas tun? Fr.    Mag.    Gudrun    Fuß:    Laufkäfer    überwintern    als    Larve    oder    erwachsenes    Tier.    Sie verkriechen   sich   dafür   im   Boden   oder   in   der   Streuschicht,   wenn   sich   darüber   eine   dicke Blattauflage   befindet.   In   Gärten   nutzen   sie   häufig   Laubhaufen.   Um   die   Tiere   im   Garten   zu unterstützen,   im   Herbst   angelegte   Laubhaufen   bitte   an   Ort   und   Stelle   belassen   und   erst   im Frühjahr   wegräumen   oder   noch   besser   das   Laub   unter   Bäumen   und   Sträucher   verteilen.   Die Laufkäfer danken es, indem sie unliebsame Gäste wie Schnecken reduzieren.
Im   Winter   müssen   wir   uns   mit   einem   Memo   Spiel begnügen,    wenn    wir    uns    diese    prachtvollen Geschöpfe   vor   Augen   führen   wollen.   Hier   eines von laurence king. Foto: der MÜRZPANTHER
So    überwintert    der    Zitronenfalter.    Im Freien.    Deswegen    ist    es    auch    wichtig natürliches   Gehölz   und   Laubhaufen   im Garten liegen zu lassen. Foto: Johanna Steinberger