der muerzpanther
SIE VERSCHLAFEN IHRE EIGENE KÜR ZUM LURCH DES JAHRES Die    Österreichischen    Gesellschaft    für    Herpetologie    (die    Lehre    von    den   Amphibien    und Reptilien)   hat   nicht   nur   mit   ihren   Partnerorganisationen   den   Lurch   des   Jahres   gewählt,   son- dern   setzt   sich   natürlich   vor   allem   für      die   Erforschung   und   den   Schutz   von   Amphibien   und Reptilien   ein.   Leider   zählt   auch   die   Wechselkröte   zu   den   gefährdeten   Tierarten   in   Öster- reich. Was aber die Attraktivität dieses Lurches ausmacht, können Sie folgend erfahren. Mit   ihrer   kontrastreich   gefleckten   Färbung   im   beige-grünen   Tarnmuster   und   ihren   gold- grünen   Augen   zählt   sie   zu   den   attraktivsten   heimischen   Amphibienarten.   Ihr   Trivialname rührt   vermutlich   vom   wechselhaften   Kontrast   des   Fleckenmusters   oder   aber   auch   von   den wechselhaften   Lebensräumen   dieser   Art   her.   Das   Tier   besitzt   die   Fähigkeit,   die   Hautober- fläche   rasch   der   jeweiligen   Umgebung   farblich   anzupassen.   Daran   sind   Licht-   und   Tempera- tureinflüsse maßgeblich beteiligt. Alles   über   diesen   interessanten   heimischen   Lurch   können   Sie   im   Interview   mit   Hannes   Hill, das der MÜRZPANTHER geführt hat, erfahren.
ACHTUNG! Dieser Artikel enthält folgende Ausdrücke:
In    Teichanlagen    ist    es    für    die    Kröten wichtig,   einen   selbstständigen   Ausstieg   zu ermöglichen.    Sonst    sind    es    Todesfallen. Und     davon     gibt     es     ohnedies     schon reichlich. Fotocredit: ÖGH/Gerald Ochsenhofer
NACH OBEN NACH OBEN
Das Zeichnungsmuster ist bei der Wechselkröte individuenspezifisch und ermöglicht damit bei mehrmaligen Fotoaufnahmen eine eindeutige Wiedererkennung.  Fotocredit: ÖGH/Christoph Riegler
dMP: Warum fiel die Wahl des Lurches des Jahres 2022 auf die Wechselkröte? Hannes   Hill:   Diese Aktion   wird   von   der   DGHT   geleitet,   es   wird   alternierend   ein Amphib   bzw. Reptil   gewählt.   Die   Auswahl   orientiert   sich   an   verschiedene   Kriterien,   z.   B.,   ob   es   schon einmal einen Tagung zur jeweiligen Art gab. dMP: Spielt dabei der Gefährdungsgrad auch eine Rolle? Hannes Hill: Nein. dMP:   Wenn   von   einem   stark   negativen   Bestandstrend   –   vor   allem   in   der   alpinen   Region   dieser   Art   die   Rede   ist   –   welche   Regionen   haben   sie   früher   bewohnt?   Gab   es   auch   im Mürztal erwähnenswerte Populationen? Hannes   Hill:   Die   Wechselkröte   war   und   ist   eine   Bewohnerin   alpiner   Randlagen   mit   ihrem Verbreitungsschwerpunkt   in   der   pannonischen   Region   in   Österreich.   In   der   alpinen   Zone kommt   die   Art   aufgrund   ihrer   Lebensraumansprüche   nur   lokal   vor.   In   der   Steiermark   ist   die Art   nördlich   bis   ins   Grazer   Becken   verbreitet   und   ansonsten   in   teils   isolierten   Populationen in der Südoststeiermark vorkommend. Die     Wechselkröte     kommt     mit    Ausnahme     von     Vorarlberg     in     allen     österreichischen Bundesländern   vor.   Durch   den   Schwerpunkt   auf   Ostösterreich   mit   den   agrarisch   geprägten Landschaften,   gerät   sie   aber   immer   mehr   unter   Druck,   verursacht   durch   großflächige   Habi- tatverluste   und   die   Fragmentierung   und   Zerschneidung   der   verbliebenen   Vorkommen   (das gilt   für   die   meisten   anderen   Tierarten   auch).   Als   Pionierart   findet   die   Wechselkröte      heute vor   allem   in Abgrabungen   oder Abbauflächen   ihre   Rückzugsgebiete.   Da   aber   Primärhabitate in   Österreich   mittlerweile   weitestgehend   fehlen,   ist   die   Wechselkröte   wie   keine   andere einheimische   Amphibienart   auf   das   Vorhandensein   von   anthropogen   geschaffenen   Lebens- räumen,   wie   Kies-   oder   Schottergruben   angewiesen.   Daneben   finden   sie   sich   aber   auch   gut in Garten- und Schwimmteichen zurecht.
dMP: Laichen die Nachkommen auch immer an den selben Orten? Hannes   Hill:   Die   Wechselkröte   ist   an   temporäre   Laichgewässer   adaptiert.   D.   h.,   sie   laicht dort,   wo   Gewässer   neu   entstehen   bzw.   wo   eine   temporäre   Wasserführung   gegeben   ist. Jungtiere   haben   deswegen   keine   hohe   Laichplatztreue,   wie   es   z.   B.   in   Mitteleuropa   von   der Erdkröte bekannt ist. dMP:   Welche   Art   Laichgewässer   bevorzugen   sie?   Stehende-   oder   auch   Buchten   von Bächen/ Flüssen? Hannes    Hill:    In    Mitteleuropa    stehende,    gut    besonnte    Gewässer,    aber    aus    fließenden Gewässern gibt es keine Fortpflanzungsnachweise in Österreich. Wie   seht   der   Jahresablauf   einer   Wechselkröte   aus   und   wo   überwintern   sie?   Im   Winter   halten die   Kröten   als   wechselwarme   Tiere   eine   Winterstarre,   in   der   ihre   eigenen   Temperatur   bis annähernd    Null    Grad    abfällt.    Der    Frühling    bringt    dann    die    Laichperiode,    in    der    die Männchen   trillernd   um   die   Weibchen   werben.   Die   Eier   werden   auf   Laichschnüren   von   3-4 Metern   Länge   aufgefädelt   und   die   Larven   entwickeln   sich   nach   8-10   Wochen   zu   Jungkröten und   gehen   im   Sommer   an   Land.   Diese   werden   aber   erst   nach   drei   Jahren   geschlechtsreif. Wechselkröten   werden   10   Jahre   alt   und   verbringen   die   meiste   Zeit   ihres   Lebens   an   Land. Um   nicht   von   Reihern   und   anderen   Prädatoren   gefressen   zu   werden,   suchen   sie   Schutz   unter Steinen,   Brettern   und   Erdhöhlen   oder   Säugerbaue,   die   sie   auch   als   frostfreie   Umgebung   zum Überwintern nutzen. dMP: Kann man etwas für die Wechselkröte tun? Generell und im eigenen Garten? Hannes   Hill:   Ja,   man   kann   sehr   viel   für   diese Art   tun,   v.   a.   im   eigenen   Garten.   Ich   verweise dazu   auf   auf   die   Broschüre   und   die   ÖGH   Aktion   "Gartenfreunde"    (Anm.:   für   Sichtungen   und Bestimmungen von Amphibien und Reptilien). dMP: Wie sieht die Prognose für den Bestand aus - düster? Hannes    Hill:    Bestandstrends    sind    schwer    abzuschätzen,    doch    deuten    viele    aktuelle Erhebungen   auf   eine   negative   Bestandsentwicklung   hin   -   sowohl   in   der   alpinen,   als   auch   in der kontinentalen Region. dMP:    Was    tut    der    Klimawandel-    oder    auch    gerade    extrem    hohe    Temperaturen    im Winter? Welche Konsequenzen bringen diese mit sich? Hannes Hill: Dazu gibt es meines Wissens nach keine Untersuchungen. dMP: Herzlichen Dank für das Gespräch!