DIE    BLAURACKEN    gehören    zu    den    farbenfrohesten    Vogelarten,    die    bei    uns    heimisch    waren.   Aus    dem    Inhalt    der Verordnung   zum   Europaschutzgebiet   Nr.   14,   LGBl.Nr.   59   kann   man   über   das   Brutgebiet   der   Blauracken,   dem   südöstlichen Hügelland   der   Steiermark   folgendes   erfahren:   „   …   den   günstigen   Erhaltungszustand   von   näher   bestimmten   Schutzgütern sowohl   nach   der   Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie   als   auch   nach   der   VogelschutzRichtlinie   zu   erhalten   bzw.   gegebenenfalls auch   wieder   herzustellen.“   Diese   Verordnung   stammt   aus   dem   Jahre   2005,   der   §2   besagt   auch   unmissverständlich,   dass   im Fall der Beeinträchtigung des günstigen Erhaltungszustandes auch dessen Wiederherstellung gewährleistet sein muss. Seit   dem   Jahre   2005   und   der   Verordnung   der   Steiermärkischen   Landesregierung   sind   nicht   nur   bereits   acht   bis   neun   Jahre vergangen,   sondern   in   diesem   Zeitraum   sind   auch   folgende   Vogelarten   ausgestorben:   der   Zaunammer,   die   Schleiereule,   der Schwarzhalstaucher,   die   Heidelerche   und   zuletzt   auch   die   Blauracke.      Aufgrund   der   „biologischen“   Landwirtschaft   und   den Beteuerungen   der   Poltiker   in   der   Steiermark   von   „Nachhaltigkeit“   werden   den   zuvor   genannten   Vogelarten   bald   nachfolgen: das Tüpfelsumpfhuhn, der Wachtelkönig, der Mornellregenpfeifer, der Ziegenmelker und das rotsternige Blaukehlchen. Der   Mürzpanther   hat   mit   Dr.   Peter   Sackl,   Kurator   der   Zoologie/Vogelkunde   ein   Interview   geführt.   Anlass   war   eine   im   Journal of    Zoological    Systematics    and    Evolutionary    Research    veröffentlichte    Studie    von    Wissenschaftern    des    Naturhistorisches Museum   in   Wien   und   BirdLife   Österreich.   Besonders   dranmatisch   war   die   Erkenntnis   des   Verlustes   der   genetischen   Vielfalt, dere   Ursache   hauptsächlich   in   Verbindung   mit   dem   Verlust   an   geeigneten   Lebensräumen   dafür   verantwortlich   ist,   dass   die verbliebenen   Vögel   immer   seltener   bzw.   gar   nicht   mehr   brüten.   Die   Studie   zeigte   auch,   dass   die   Blauracken-Vorkommen   in Ost-   und   Südosteuropa   genetisch   den   österreichischen   Vögeln   sehr   ähnlich   sind.   Es   würde   daher   nichts   dagegen   sprechen,   die steirische Population mit Vögeln aus Ost- und Südosteuropa aufzustocken und genetisch aufzufrischen. Allerdings   ist   das   komplette   Einbrechen   der   Bestände   der   meisten   heimischen   Feldvogelarten   auf   die   fehlenden   Lebensräume zurüchzuführen,      bedingt      durch      die      Intensivierung      der      Landwirtschaft.      Deswegen,      so      die      Vertrteter      der Vogelschutzorganisation,    wäre    der    wichtigste    Faktor,    um    die    Bestände    der    österreichischen    Vogelarten    effektiv    vorm Aussterben zu retten, die Landwirte, die jene für die Artenvielfalt wichtigen Rückzugsräume pflegen, besser zu fördern. Das Interview mit Dr. Peter Sackl hat der Chefredakteur Andreas Bernthaler geführt.
Die   Blauracke   -    Coracias   garrulus   Linné   -   ist   ein   klassischer   Zugvogel   und   überwintert   in Ostafrika.   Zum   Brüten   kommt   Coracias   garrulus   vor   allem   nach   Europa   -   die   Blauracke   ist hier   auch   der   einzige   Vertreter   der   Coraciidae,   den   Racken   -   bis   zu   den   europäischen Grenzen   Russlands.   Er   trägt   ein   sehr   auffallendes   Federkleid,   Kopf,   Nacken   und   Unterseite sind   grünlichblau,   der   Rücken   und   die   Schultern   erglänzen   in   zimtbraun,   die   Flügel   tragen ein   intensives   Türkis,   das   besonders   im   Flug   auffällt. Als   Lebensraum   bevorzugen   sie   eher offenes   Gelände   mit   verstreuten   Baumgruppen,   lichte   Waldbestände   mit   alten   Bäumen, aber   auch   Flussufer.   In   genau   diesem   Biotop,   das   immer   seltener   wird,   bejagen   sie   große Insekten,    die    sie    vom    Boden    aufnehmen.    Deren    Rückgang    ist    allerdings    ebenso      dramatisch.   Die   Balzflüge   der   Blauracken   werden   durch   ein   scharfes   „rack   rack   rack“   und bisweilen,   wenn   sie   sich   aus   großer   Höhe   trudelnd   herabstürzen,   von   einem   ebenso eindringlichem   „rä   rä   rä“   begleitet.   In   den   Brutplätzen,   bevorzugt   Bäume   oder   Erdhöhlen, legen sie porzellanglänzende Eier, die weiß sind. DMP:   Ist   Abholzung   des   alten   Baumbestandes   vorrangig   für   den   Rückgang   1900   -   1955 verantwortlich? Dr.   Peter   Sackl:   Die   Blauracke   (BL)   ist   ein   Höhlenbrüter. Aufgrund   ihrer   Größe   benötigt   sie relativ    geräumige    Baumhöhlen.    Die    Schlägerung    alter,    höhlenreicher    Bäume    –    in    der Südsteiermark   einzelstehende   Eichen,   Weiden   etc.,   von   Eichengalerien,   Feldgehölzen   etc. –   ist   sicher   ein   Teil   des   Problems,   aber   sicher   nicht   der   einzige.   Er   lässt   sich   durch   die Anbringung   von   Nistkästen   –   wie   auch   in   der   Steiermark   –   am   einfachsten   beheben.   Wie alle    Höhlenbrüter    nimmt    die    BL    Nistkästen    gerne    an.    Der    Mangel    an    natürlichen Bruthöhlen kann dadurch relativ einfach kompensiert werden.
DMP:   Auf    blauracke.at    liest    man    auch    folgendes:    "Der    Schutz    vor    Fressfeinden    war genauso   wichtig,   wie   der   Schutz   der   Nester   und   Wiesen   vor   einigen   aggressiven   Bauern." und:    "Wichtiger    jedoch    wären    die    Überzeugungsarbeiten    bei    den    Jägern    und    der ländlichen     Bevölkerung     in     diesen     Gebieten."     Mit     welchen    Argumenten     zerstören "aggressive Bauern" Gelege, töten adulte Vögel? Dr.   Peter   Sackl:   Na   ja   –   eine   ziemlich   unsinnige   Vereinfachung!   Schutz   vor   Fressfeinden   wir   hatten   anfangs   Probleme,   dass   der   Marder   ein   oder   zwei   Bruten   in   den   Nistkästen zerstört   hat.   Eine   Verkleinerung   der   Einflussöffnung   hat   dieses   Problem   umgehend   gelöst. Ansonsten   wissen   wir   von   einem   Vogel,   der   von   einem   Habicht   geschlagen   wurde   (aber das   sind   natürliche   Ausfälle,   die   eine   gesunde   Population   verkraften   muss).   Ein   ungleich größeres   Problem,   wenn   wir   von   unmittelbaren   Verlusten   sprechen,   war/ist   da   sicher   der zunehmende     Verkehr     im     BL-Gebiet,     weil     die     Vögel     durch     Lebensraumzerstörung gezwungen   sind   in   hohen   Ausmaß   entlang   der   Straßenränder   zu   jagen.   Jedes   Jahr   hatten wir   bis   zu   3   oder   4   Verkehrsopfer,   bei   einer   Gesamtpopulation   von   30   -    40   Vögeln   ein erheblicher    Ausfall.    Dazu    kommt,    dass    am    Zug    von/nach    Afrika    viele    Vögel    im Mittelmeerraum,   Nordafrika   und Arabien   geschossen   oder   in   Netzen   gefangen   und   getötet werden (das Internet ist voll von Beispielen). Heimische   Jäger:   die   Art   wurde   z.T.   bis   in   die   60er/70er   Jahre   geschossen,   als   hübsches Präparat   fürs   Wohnzimmer   –   das   ist   aber   seit   damals   sicher   kein   Problem   mehr;   auch   die Bauern   vernichten   die   BL   nicht   aus   Böswilligkeit   –   in   diesem   Zusammenhang   ist   aber   die Intensivierung   der   Landwirtschaft   (besonders   der   Maisanbau)   eines   der   Hauptprobleme; von aggressiven Bauern hab‘ ich aber nie etwas bemerkt!
Wahrscheinlich haben Sie noch nie eine Blauracke in der Natur gesichtet. Es sind vermutlich auch die letzten Fotos von Blauracken in der Steiermark, die Michael Tiefenbach und Dr. Peter Sackl mithilfe Wildkameras gemacht haben. Die beringten, adulten Vögel bringen Beutetiere zur Aufzucht der Jungvögel! Die Fotos stammen aus dem Beginn der 2000er Jahre aber großteils aus dem Jahre 2014!
DMP:   Wie   wirkt   sich   die   Klimaänderung   aus?   Neben   dem   Futterangebot   auch   direkt   auf   die Blauracken?    Gibt   es   noch   eine   Rettung   des   Bestandes   (2Bp?)   in   der   Steiermark?   Ist   eine Neubesiedelung   möglich   und   wenn   ja   mit   welchem   Aufwand?   Gibt   es/   gab   es   Brutpaare wo anders als in der Steiermark in Österreich? Dr.   Peter   Sackl:   Das   sind   mehrere   Fragen:   (1)   Klimaänderung:   BL   sind   wärmeliebend, besiedeln   deshalb   wärmebegünstigte   Gebiet;   das   gilt   auch   für   viele   Insekten,   d.h.   das Insektenangebot   sollte   mit   der   Erwärmung   eigentlich   steigen   (natürlich   spielen   da   auch die   Niederschlagsverhältnisse   eine   Rolle).   Abgesehen   vom   oben   gesagten   zu   „Insekten   Agrarwirtschaft“,   sollte   die   Art   von   der   Klimaerwärmung   eigentlich   profitieren.   Sicheres wissen   wir   aber   dazu   vorläufig   nicht.   (2)   Andere   Gründe   s.   oben;   (3)   eine   Rettung   ist   in der    nunmehriger    Situation    sehr    schwierig    und    mit    erheblichen    finanziellen    Einsatz verbunden. Das wurde in der Stmk. gründlich vermasselt. (4)   die   nächstgelegenen   Brutvorkommen   liegen   in   200   –   300   km   Entfernung   in   Ostungarn und   Serbien.   In   der   Stmk.   sind   seit   2010   alle   Vögel   individuell   markiert,   d.h.   ein   fremder Vogel   aus   einer   benachbarten   Population   müsste   sofort   auffallen.   Dafür   hat   es   seit   Beginn unserer      Untersuchungen      nie      einen      Hinweis      gegeben.      D.h.      eine      natürliche Wiederbesiedlung      durch      Immigration      von      Nachbarpopulationen      ist      praktisch auszuschließen.   (5)   Die   BL   hat   ursprünglich   in   Österreich   in   den   Tieflandgebieten   in Kärnten,   Steiermark,   Burgenland   und   Niederösterreich   gebrütet   und   war   bis   in   die   1950er Jahren   dort   gar   nicht   so   selten. Ab   den   1950er   und   1960er   Jahren   (Beginn   des   Maisanbaus) ist   der   Bestand   sehr   stark   zurück   gegangen   bis   ab   den   1980er   Jahren   nur   mehr   das Vorkommen in der SO-Stmk. übriggeblieben ist. DMP:   Es   wird   so   viel   über   die   Genetik   gesprochen,   eine   Durchmischung   wäre   notwendig. Welche   Gene   sind   (wieviele   hat   eine   Blauracke   überhaupt?)   mit   welchen   Auswirkungen  betroffen?   Wie   drückt   sich   das   in   der   Fortpflanzung   aus?   Werden   die   Tiere   steril?   Oder verendet die Brut durch genetische Schäden der Lebensfähigkeit? Dr.   Peter   Sackl:   Welche   Gene   für   welche   Merkmale   verantwortlich   sind   wissen   wir   nicht einmal   beim   Menschen   so   genau,   schon   gar   nicht   bei   der   BL.   Was   wir   nach   unserer Untersuchung   kennen   ist   die   genetische   Variabilität   unserer   Population   im   Vergleich   zu anderen   Populationen.   Diese   Variabilität   hat   gleichzeitig   mit   dem   Bestandsrückgang   stark abgenommen   und   ist   in   der   österr.   Population   nunmehr   praktisch   0.   Warum   ist   das   wichtig zu   wissen?   In   der   Regel   gilt   je   größer   eine   Population,   desto   größer   die   genetische Variation   (Vielfalt).   In   kleinen   Populationen   nimmt   die   Variation   ab   und   gleichzeitig   nimmt aber   der   relative Anteil   „schädlicher“   Gene,   die   meist   rezessiv   vererbt   werden   zu,   da   die Tiere   untereinander   stark   verschwistert   sind.   Es   häufen   sich   –   stark   vereinfacht   –   durch Inzucht   Erbkrankheiten.   Die   Vögel   haben   keinen   Bruterfolg   mehr.   Der   Bestand   bricht zusammen.    Etwa    hier    stehen    wir    jetzt    in    der    Stmk.    Damit    kennen    wir    die    z.Z. maßgeblichen   Faktor   für   den   fehlenden   Bruterfolg.   Es   macht   also   Sinn   Vögel   aus   anderen Populationen    in    den    steirischen    Bestand    einzubringen    um    die    genet.    Variabilität    zu erhöhen (zumal eine natürliche Immigration wie oben geschildert nicht stattfindet).
DMP:   Sind   die   Blauracken   komplett   standorttreu/   partnertreu?   -   sonst   würde   sich   durch wechselnde   Partner   aus   den   Winterquartieren   der   genetische   Pool   ohnedies   auffrischen. Die Vögel sind standorttreu (nicht partnertreu). Dr.   Peter   Sackl:   Die   ökologische   Strategie   der   sie   folgen,   könnte   man   stark   vereinfacht   so umschreiben:   Dort   wo   ich   großgeworden   bin/im   Vorjahr   erfolgreich   Junge   großgezogen habe,    gab    es    genug    zum    Fressen,    schöne    Bruthöhlen    (Nistkäste)    –    wozu    das    Risiko eingehen   was   neu   zu   suchen   und   evtl.   zu   scheitern.   Im   Winterquartier   kommt   es   zu Kontakten   zwischen   verschiedenen   Populationen,   aber   im   Frühjahr   fliegen   anscheinend die allermeisten dorthin zurück, wo sie herkommen. Wie    verpaart    man    Zug-    Wildvögel    aus    verschiedenen    Gegenden    um    ein    besseren genetischen   Poll   zu   bekommen?   Das   ist   nicht   notwendig.   Die   einfachste   Möglichkeit   wäre den    Elterntieren    Junge    aus    anderen    Populationen    unterzuschieben.    Im    Gegensatz    zu Säugetieren,   ist   das   kein   Problem.   Voraussetzung   wäre   aber,   dass   unsere   Vögel   wieder brüten. DMP:    Welchen    Vogelarten    droht    in    naher    Zukunft    ein    ähnliches    Schicksal?    In    der Steiermark? Dr.   Peter   Sackl:   Bei   keiner   anderen   Art   ist   die   Situation   z.Z.   so   extrem   problematisch. Aber   mittelfristig   werden   wir,   ohne   ernstzunehmende   Maßnahmen,   viele   weitere   Arten, besonders    Arten    der    Kulturlandschaft,    verlieren.    Besonders    gefährdet    nach    meiner Einschätzung:   Rebhuhn,   Kiebitz,   Braunkehlchen.   Siehe   auch   die   Rote   Liste,   die   gerade solche Aussterbewahrscheinlichkeiten abschätzt. DMP:    Können    Sie    mir    noch    etwas    über    die    Winterfütterung    von    Wildvögeln/    auch Singvögeln verraten? Dr.   Peter   Sackl:   Prinzipiell:   In   unserer   zerstörten   und   lebensfeindlichen   Umwelt   wird   die Fütterung   von   Vögeln   immer   wichtiger,   sonst   verlieren   wir   auch   noch   unsere   häufigeren Singvögel.    Viele    Experten    empfehlen    sogar,    das    ganze    Jahr    über    zu    füttern.    In    den Agrargebieter   der   Stmk.   halte   ich   das   für   durchaus   notwendig. Auf   entsprechende   Hygiene sollte aber geachtet werden DMP:   Wurden   in   den   letzten   Jahrzehnten   auch   Fehler   für   den   Schutz   der   Vögel   gemacht   - durch neuere Erkenntnisse? Dr.   Peter   Sackl:   Naja   –   der   größte   Fehler   ist   wohl,   eine   artenreiche   und   vielfältige   Natur als    Hindernis    für    „ein    geordnetes    Wirtschaftswachstum“    und    als    einen    Luxus    zu betrachten.   Neben   der   grundsätzlichen   Bildungsferne   passieren   Fehler   genug.   Der   Fall   BL ist ein Paradebeispiel. DMP: Herzlichen Dank für das Gespräch.
DMP:   Warum   sind   künstliche   Ansitzstangen   notwendig?   Sind   natürliche   Gegebenheiten unpassend, beispielsweise ein Baum eines "Windgürtel" am Feldrand? Dr.   Peter   Sackl:    Die   BL   ist   ein   sogenannter   Wartenjäger,   d.h.   setzt   sich   auf   höhere Büsche,   einzelstehende   Bäume,   Felshecken   oder   auch   Zaunstipfl,   von   wo   aus   sie   die umliegenden   Wiesen-   und   Ackerflächen   gut   überblickt   und   fängt   von   dort   aus   ihre   Beute (meist    größere    Käfer,    Heuschrecken,    Regenwürmer)    –    ähnlich    macht    es    ja    auch    der bekanntere   Neuntöter   oder   auch   der   Turmfalke.   Im   Zuge   von   Grundzusammenlegungen, Kommasierungen   etc.   verschwinden   diese   Landschaftselemente   fast   vollständig   und   die neuentstanden,   riesigen Ackerflächen   sind   dadurch   für   die   BL   nicht/kaum   „bejagbar“.   Da helfen   diese   künstlichen Ansitzstangen,   wie   sie   ja   auch   zunehmend   häufiger   für   Greifvögel (Turmfalke, Mäusebussard) aufgestellt werden.   DMP:   Insektizide   -   wie   stark   sind   sie   in   Gebrauch   und   ist   jedes   gleich   schädlich?   Oder unterscheiden   sich   die   Mittel,   die   für   spezielle   Kulturen   eingesetzt   werden   (bspweise   für Obstplantagen   -   Getreidefelder)   in   ihrer   Wirkung/   Auswirkung   auf   spezielle   Insekten/ Toxizität bzgl. Fressangebot für die Racken? Dr.   Peter   Sackl:   Das   ist   ein   schwieriges   und   sehr   umfangreiches   Thema.   Es   gibt   eine   ganze Reihe   von   Pestiziden   die   für   Insekten   hoch   toxisch   sind.   Besonders   hervorgetan   haben   sich in   den   letzten   Jahren   die   Neonicotenoide,   die   für   das   Bienensterben   verantwortlich   sind, aber   natürlich   auch   alle   anderen   Insekten   vernichten.   Wir   erleben   mittlerweile   in   den Agragebieten      Österreichs      (und      anderer      Länder)      ein      noch      nie      dagewesenes
Insektensterben,   das   aber   schleichend   bereits   in   den   60er/70er   Jahren   begonnen.   Das betrifft   natürlich   alle   insektenfressenden   Vogelarten,   wozu   die   BL   zählt.   Vor   20   –   30 Jahren   waren   es   sensible   Vogelarten,   wie   z.B.   die   BL   oder   Schwarzstirnwürger,   die   davon betroffen   waren,   heute   betrifft   das   bereits   an   sich   kommune Arten,   wie   z.B.   Goldammer, Braunkehlchen,    Schwarzkehlchen    etc.    Dazu    kommt    die    Grünlandnutzung    durch    die „hübschen“    Siloballen,    wodurch    mit    einem    Schlag    sämtliches    Leben    auf    der    Wiese vernichtet    und    versiegelt    wird.    Die    steirischen    Agrargebiete    sind    mittlerweile    völlig „totes“ Land! DMP:   Dauerregen   ist   in   letzter   Konsequenz   tödlich   für   die   Nestlinge,   weswegen?   Ist   keine Jagd möglich, führt es zu Unterkühlung der Nestlinge? Dr.   Peter   Sackl:   Ja,   da   kann   es   Probleme   geben   aus   mehreren   Gründen.   (1)   im   Regen fliegen   keine   Insekten,   bei   Regen   über   mehrere   Tage   kann   es   dadurch   zu   Futterengpässen (besonders    wenn    Jungvögel    im    Nest    zu    versorgen    sind)    kommen.    (2)    in    solchen Regenphasen   weichen   die   Tiere   auf   Regenwürmer   aus,   die   bei   Regen   an   die   Oberfläche kommen.   Diese   finden   sie   aber   nur   auf   vegetationsfreien   Äckern   oder   frischgemähten Wiesen.   Ab   Juni   sind   die   Maisäcker   fast   mannshoch   und   wenn   es   keine   frisch   gemähten Wiesen   gibt   –   gibt   es   keinen   „Zugang“   zu   den   Regenwürmern   oder   Maulwurfgrillen.   Die Folge: akuter Futtermangel, die Jungvögel verhungern.
Die Blauracke auf Jagd. Foto: Foto: Michael Tiefenbach
Die Blauracken, farbenprächtige und wunderschöne Vögel. Foto: Michael Tiefenbach
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