der muerzpanther
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Glücklich machend, entspannend und schmerzlindernd! Wunderdroge Cannabis? Es   ist   noch   nicht   allzu   lange   her,   dass   der   Wirkstoff THC   isoliert   worden   ist. Aus   einer   Pflanze,   deren   Verbreitung   weltweit   zu nennen   ist.   Dabei   wird   sie   bereits   seit   gut   6000   Jahren   zur   Produktion   von   Kleidung   oder   Papier   verwendet.   Zur   Linderung von   Schmerzen   und   gegen   Gicht   wurde   sie   ebenfalls   sehr   früh   in   China   eingesetzt   und   trat   von   dort   eine   weite   Verbreitung über den ganzen Erdball an. Was   aber   ist   das   Besondere   an   den   Inhaltsstoffen,   die   auch   zur   medizinischen   Therapie   eingesetzt   werden?   Die   Inhaltsstoffe, um   die   sich   so   viele   Diskussionen   drehen   sind:   THC   -   Tetrahydrocannabinol   und   CBD   -   Cannabidiol.   Die   unbefruchteten weiblichen   Blütenstände   sind   besonders   reich   an   THC,   weit   geringer   ist   der   Gehalt   in   den   Blättern   nahe   der   Blüten   mit   5-6% und   im   Rest   der   Blätter   findet   sich   nur   noch   1%.   Die   männlichen   Pflanzen   haben   ohnedies   nur   einen   sehr   geringen   Gehalt   an THC. THC   hat   psychoaktive   Wirkung.   Viele,   die   diesen Artikel   lesen   haben   damit   selbst   Erfahrung   gemacht.   Zumindest   ist   das der    Schluss,    den    man    laut    einer    kürzlich    durchgeführten    Studie    der    Universität    Innsbruck    ( www.i-med.ac.at )    über Drogenrückstände   in   den   Abwässern   von   vier   österreichischen   und   einer   Südtiroler   Kläranlage   ziehen   muss.   Sie   liefert erstmals   auch   Daten   zu   THC   aus   insgesamt   70   Gemeinden   Österreichs.   „Das   wichtigste   Ergebnis   der   Studie   vorweg:   In   jeder Kläranlage    konnten    wir    Drogenrückstände    nachweisen",    berichtet    Dr.    Herbert    Oberacher    (er    leitet    das    forensisch- toxikologische   Forschungslabor   an   der   Innsbrucker   Gerichtsmedizin).   Die Abwasseranalysen   ergaben,   dass   insgesamt   ca.   6   bis 15   Gramm   Drogen   pro Tag   pro   1000   EinwohnerInnen   konsumiert   werden.   Dabei   entfällt   über   90%   dieser   Menge      in   Österreichs Abwässern auf THC. Seit   langem   schon   kämpft   Dr.   Peter   Kolba,   Jurist,   Nationalratsabgeordneter   (vom   9.11.2017   bis   31.5.2018)   und   Gründer   des     Verbraucherschutzvereines   und   selbst   Schmerzpatient   für   eine   Liberalisierung   von   Cannabis.   Vom   20.   Dezember   2017   stammt der im Parlament eingebrachte Antrag 40/A(E), in dem folgende Forderung gestellt worden ist: „In   Österreich   leben   derzeit   rund   1,5   Millionen   Schmerzpatienten.   Sie   werden   oft   mit   schweren   Medikamenten   behandelt, die   enorme   Nebenwirkungen   haben.   Als   Alternative   dazu   sind   bisher   nur   synthetische   Cannabis-Extrakte   verfügbar,   also Präparate   mit   den   Inhaltsstoffen THC   oder   CBD.   Dronabinol   etwa   kostet   für   einen Tumorpatienten   500   bis   600   Euro   im   Monat, die   nur   fallweise   von   den   Krankenkassen   übernommen   werden   Präparate   aus   bzw.   mit   Cannabisblüten   kommen   nicht   nur billiger,   sie   wirken   auch   besser,   da   die   Pflanze   mehr   als   500   Inhaltsstoffe   enthält,   also   weitaus   mehr   als   die   Medikamente   aus synthetischen   Stoffen,   die   derzeit   legal   sind.   Medizinisch   nachgewiesen   ist,   dass   Cannabisblüten   effektiv   wirken   und   dass   die Einnahme nicht süchtig macht. Cannabisblüten müssen auch nicht geraucht werden." Wir     haben     einen     Vortrag     von     beteiligten     Ärzten     und     Verantwortlichen     auf     Initiative     von     Kurier     und     VSV (Verbraucherschutzvereines)   am   26.   Februar   2019   im   Krankenhaus   Göttlicher   Heiland   besucht.   Dabei   traf   die   Moderatorin Magdalena   Meergraf   -   Journalistin   für   den   Kurier-   bereits   den   Kern   der   Sache.   Sie   sprach   einleitend   von   Stigmata,   Vorurteilen und fehlenden Informationen, die im Alltag zu Schwierigkeiten führen können.
So     sieht     das     „natürliche“     Cannabis     in     ge- trocknetem     Zustand     aus.     Dabei     schwankt     die Konzentration von THC je nach Pfanzenteil. Foto:   Get   Budding;   unsplash   (es   könnte   sein,   dass das nicht der richtige Name des Fotografen ist!?)
Dr.   Birgit   Kraft,   die   16   Jahre   in   der   Schmerzambulanz   des   AKH   tätig   war,   wirft   die grundlegende Frage auf, wogegen Cannabis in der Medizin überhaupt helfen soll. "Cannabinoide    sind    immer    wieder    seit    Jahrhunderten    gegen    Schmerzen    eingesetzt worden.    Eine    Funktion    ist    Relax,    eine    Reduktion    von    Angst,    von    Schmerz,    von Muskelspannnung,    von    Blutdruck    und    Körpertemperatur.    Man    entspannt,    Menschen können oft besser schlafen, aber die Merkfähigkeit leidet darunter." Und   wie   wirken   Cannabinoide   im   Körper?   Sie   besitzen   Rezeptoren!   Rezeptoren   gibt   es aber   im   Körper   nur,   wenn   der   Körper   diesen   oder   einen   zu   den   Rezeptoren   passenden Wirkstoff   selbst   herstellt   oder   physiologischen   Kontakt   zu   ihm   hat.   Im   Jahre   1992   wurde erstmals    eine    körpereigene    Substanz    nachgewiesen,    die    an    Cannabinoidrezeptoren andockt.   Es   existieren   CB1   Rezeptoren   im   Gehirn   des   Menschen,   ebenso   im   zentralen   und peripheren   Nervensystem,   die   für   die   "Psychodrogenwirkung "      des THC   zuständig   ist.   CB   1 finden   sich   auch   im   Darm,   in   der   Lunge   oder   den   Muskelzellen,   auch   in   den   Gonaden   sind sie vorhanden. Der CB2 Rezeptor sitzt auf Immunzellen und steuert die Immunantwort. "Welche   Aufgaben   hat   dieses   System   aber:   Es   soll   ein   Gleichgewicht   herstellen,   eine Homöostase,   eine   Modulation   von   Stress.   Ob   das   bei   chronischen   Schmerz   so   ist,   können wir   als   Mediziner   noch   nicht   mit   Sicherheit   sagen,   aber   es   gibt   darauf   Hinweise.   Die Wirkungen   sind   oft   sehr   fein,   zusammengenommen   sind   sie   besonders:   es   reduziert   den Schmerz,   man   schläft   besser,   man   ist   entspannter   ...   das   braucht   vielleicht   der   Patient in manchen Situationen." Wie   in   der   Einleitung   bereits   dargestellt,   enthalten   die   unterschiedlichen   Pflanzenteile     verschiedene   Konzentrationen   an   Wirkstoffen.   Unbestritten   ist   aber,   dass   die   dominante Wirkung vom THC herrührt. "Wenn   Sie   sich   bei   der   U6   irgend   etwas   Böses   kaufen   ist   der   THC   Gehalt   zwischen   1%   und 20%.   Daneben   sind   auch   noch   andere   Substanzen   enthalten,   es   gibt   Terpene,   Flavinoide, deren Wirkung wir noch nicht genau kennen."
Die   Hauptindikation   für   Cannabinoide   sind   Schmerzen,   Muskelspasmen   und   Übelkeit.   Die übliche   Dosierung   liegt   bei   5mg   -   20mg   THC   pro   Tag.   Dabei   ist   es   aus   medizinischer   Sicht anzuraten,   Cannabis   nicht   zu   rauchen,   da   es   auch   high   machen   kann,   sondern   die   Dosis bis   zur   gewünschten   Wirkung   -   Schmerzfreiheit   -   langsam   zu   steigern.   Die   psychoaktive Wirkung   von   THC   wird   bei   Konsum   durch   CBD   sogar   etwas   abgeschwächt.   CBD   ist   ein legales    Mittel,    weil    es    nicht    als    Suchtgift    eingestuft    ist.    Das    sieht    man    auch    im Straßenbild   an   den   Shops,   die   CBD   marktschreierisch   bewerben.   CBD   wirkt   auch   nicht   auf die   selben   Rezeptoren,   als   Mittel   gegen   Epilepsie   ist   durch   Studien   bereits   bestätigt   und in   den   USA   zugelassen.   Dabei   gehen   die Tagesdosen   allerdings   bis   zu   1700   mg.   Laut   Fr.   Dr. Birgit   Kraft   "kostet   das   sehr,   sehr   viel.   Man   weiß   noch   sehr   wenig   darüber   und   es   wird meist   unterdosiert.   Erstens   kann   man   es   sich   nicht   leisten   und   zweitens   gibt   es   nicht viele Ärzte, die beraten können."   Produkte,   die   CBD   enthalten   und   die   man   im   Internet   erhält   sind   natürlich   fragwürdig, weil    nie    gesichert    ist,    ob    die    angegebene    Dosierung    auch    wirklich    enthalten    ist. Bestätigte    Wirkung    von    handelsüblichen    Präparaten    wie        Dronabinol,    Canemes    oder Sativex   sind:   schwach   schmerzstillende   Wirkung,   Reduzierung   von   Spasmen,   Stress   und Angst,   eine   Verbesserung   des   Schlafes   und   auch Appetitsteigerung.   Bleibt   noch   die   Frage, wie   man   Cannabinoide   konsumiert:   "Rauchen   ist   die   gefährlichste   Art   ,   Cannabinoide   zu sich   zu   nehmen!   Es   fahrt   irsinnig   schnell   ein,   wodurch   die   Psychoschwelle   niedriger   und das   Herzinfarktrisiko   in   der   ersten   Stunde   erhöht   ist.   Bei   Kapseln   beginnt   die   Wirkung nach   30   Minuten   einzusetzen   und   ist   nach   zwei   Stunden   an   der   Spitze,   hält   aber   auch   8 Stunden lang an."
Die   schlechteste   Form,   medizinisch   Cannabinoide   zu   sich   zu   nehmen   ist   zu   rauchen:   Sie verbrennen    bei    noch    höheren    Temperaturen    als    Tabak    und    haben    daher    auch    mehr Schadstoffe. Foto: Dmitry Ermakov; unsplash
Dr.   Martin   Pinsger   ist   Orthpäde   und   Schmerzmediziner.   Er   leitet   das   Schmerzzentrum   Bad Vöslau.   Er   spricht   vor   allem   die   Würde   von   Patienten   an,   die   er   gefährdet   sieht,   wenn     vorhandene    Schmerzmittel    aus    Gründen    der    Wirtschaftlichkeit    oder    der    Politik    nicht zugelassen   oder   verordnet   werden   können:   "Heute   sind   die   Cannabinoide   schon   mitten   in der   Gesellschaft   angekommen.   Die   ersten   Funde   von   Cannabis   gab   es   seit   dem   Ackerbau vor   15   000   Jahren,   die   Rezeptoren   haben   sich   aber   schon   vor      800   Millionen   Jahren entwickelt.    Wir    sind    Lebewesen,    die    durch    Cannabinoide    strukturiert    werden.    Die Cannabinoide    sind    besonders    für    die    Kommunikation    unter    den    Zellen    im    Gehirn zuständig." Der   besondere   Umgang   mit   Cannabinoiden   gründet   auch   darauf,   dass   sowohl   Ärzte   als auch   die   Patienten   sich   in   einem   Lernstadium   befinden.   Das   ist   wohl   auch   den   noch fehlenden   Erkentnissen   der   Wissenschaft   geschuldet,   die   notwendig   sind,   um   Zulassungen
auf   dem   Markt   zu   ermöglichen.   Alleine   aber   das   Verhalten   der   Krankenkassen   -   speziell die    Kostenübernahme    -    führt    zu    einer    Missachtung    der    Patienten:    "Man    sieht    den leidenden   Menschen,   den   Patienten   und   kann   30-   40%   helfen.   Dann   erfährt   der   Patient bei   der   Krankenkasse   vom   Chefarzt,   dass   es   keine   Zulassungsstudie   gibt.   Das   sind   unsere Probleme,   weil   uns   Ärzte   und   Patienten   die   Kasse   nur   als   Objekt   betrachtet.   Es   kostet auch   noch   sehr   viel,   weil   die   großen   Firmen   noch   der   Ansicht   sind,   dass   der   Markt   zu klein   ist.   Es   ist   wie   Mikado:   Nichts   tun,   nichts   rühren,   es   wird   irgendwie   weitergehen. Das   ist   eine   Missachtung   der   Patienten,   die   betroffen   sind   und   eine   Missachtung   der Mediziner.   Und   diese   Würdelosigkeit   ist   ein   Problem   der   Menschenrechte.   Die   Firmen, die Krankenkassen und die Politiker wollen sich nicht bewegen."
Die   Eigenschaften   von   CBD   sind   natürlich   immer   dieselben   und   wirken   daher   auch   bei Haustieren,   weswegen   sie   bereits   in   der   Veterinärmedizin   eingesetzt   werden.   Auch   hier stehen   im   Vordergrund   die   beruhigende   Wirkung,   das   Wohlbefinden   und   die   Unterstützung des    Immunsystems.    Tiere    mit    Verhaltensstörungen    werden    begründet    nicht    mehr „vorschnell“    euthanasiert,    sondern    mit    CBD    gegen    unerwünschte    Angstzustände    und Stresserscheinungen    behandelt.    Selbstverständlich    können    auch    chronische    und    akute
Schmerzen   mit   einer   Dosierung   von   8mg   pro   20kg   Körpergewicht   medikamentiert   werden. Beworben   wird   aber   auch   mit   einem   sehr   interessanten   Aspekt   der   Tiermedizin:   Der Alterungsprozess     kann     bekämpft     werden,     dessen     Ursache     durch     oxidative     und entzündliche    Prozesse    vorangetrieben    wird.    Und    genau    hier    nimmt    das    körpereigene Cannabinoid   -   System   über   die   Redox-   Regulation,   die   für   den   Energiehaushalt   der   Zelle sehr wichtig ist, eine Schlüsselstelle ein. 
Von    diesem    Hund    weiß    ich,    dass    er    sich    sehr    wohl    fühlt.    Natürlich    hofft    jeder Haustierbesitzer,   dass   es   seinem   Tier   möglichst   lange   gut   geht,   bei   Bedarf   ist   aber   das wirksamste  Medikament zu wählen. Foto: Redaktion.
Schwierig   ist   für   viele   Patienten   auch   das   Alltägliche.   Bereits   in   die   Apotheke   zu gehen   und   das   Medikament   zu   besorgen   ist   zum   Teil   mit   Hürden   versehen.   Für   die Zulassung,    dass    ein    Medikament    überhaupt    in    die    Apotheke    kommt    ist    unter anderem   auch   Frau   Professor   Dr.   Gabriele   Fischer,   Leiterin   der   Suchtforschung   am AKH   in   Wien   und   Mitglied   des   obersten   Sanitätsrates,   zuständig.   Es   wurden   bereits Studien    gemacht,    die    allerdings    keine    eindeutigen    Ergebnisse    gebracht    haben: „Als    Psychiaterin    meine    ich    aber,    dass    es    wichtig    ist,    zwischen    Befund    und Befinden    zu    differenzieren.    Gerade    in    der    Geriatrie    wäre    es    wichtig,    in    der Schmerztherapie    geschult    zu    sein.    Viele    Kollegen    sind    verunsichert,    weil    die Hemmschwelle   für   ein   Rezept   für   Dronabinol   speziell   rezeptiert   werden   muss und    es    braucht    eine    „Suchtgiftvignette“.    Dieser    Name    alleine        hat    für    mich etwas   extrem   Diskriminierendes.   Und   wir   wissen   wie   es   vielen   Patienten   in   der Apotheke   geht:   „Das   ist   die   mit   dem   Suchtgift!“   Das   Befinden   wird   nicht   ernst genug   genommen,   dass   der   Schmerz   noch   immer   da   ist.   Wesentlich   ist,   dass   Sie mit ihren Hausärzten oder Spezialisten sprechen.“
Das      entscheidende      Problem      bei      der      Verschreibung      von      Sativex      (ein handelsübliches   Präparat,   das   THC   und   CBD   enthält)   resultiert   daher,   dass   es   nicht im   Heilmittelkatalog   aufgenommen   ist.   Begründung:   zu   geringe   Evidenz.   Dadurch werden   auch   die   Kosten   nicht   erstattet.   Canemes   (ein   vollsynthetisches   Derivat des   THC)   wurde   beispielsweise   von   der   produzierenden   Firma   zur   Zulassung   nie eingereicht.   Dadurch   werden   auch   die   Kosten   nicht   erstattet.   Was   aber   kann   ein Patient    tun,    um    die    Medikamente    erstattet    zu    bekommen?    Fr.    Prof.    Fischer: „  Deswegen   müssen   Sie   zum   Chefarzt.   Das   ist   das   Ergebnis   des   Konsensuspapiers, das   die   Bundesministerin   so   angenommen   hat,   wie   es   verabschiedet   wurde   und sagt,   dass   diese   Medikamente   nach   dem   Schmerzschema   der   WHO   verschrieben werden   können.   Das   heißt,   wenn   andere   Medikamente   nicht   ausreichend   Wirkung zeigen,   können   Patienten   die   Cannabisprodukte   bekommen.   Die   Bürokratie   ist für   diese   Menschen   vom   Verschreiben   bis   zum   Einnehmen   dramatisch.   Wichtig   ist dass   die   Hausärzte   genau   schreiben:   Auf   diesses   Analgetikum   nicht   angesprochen und auf dieses Opiat nicht angesprochen.“
…   später   von   der   Pharmaindustrie   verarbeitet   und   mit   ungeheuerlichem Gewinn an Schmerzpatienten verkauft werden. Foto: Caleb Simpson;unsplash
Das    Foto    zeigt    die    Blüte    einer    Cannabispflanze,    aus    der    Substanzen gewonnen werden, die … Foto: Esteban Lopez;unsplash
Dr   Peter   Kolba   wurde   eingangs   bereits   vorgestellt.   Ein   besonderes Anliegen   ist   es   ihm,   einen gangbaren    Weg    für    Patienten    zu    den    Medikamenten,    die    Cannabinoide    enthalten    zu erreichen.   Das   ist   bei   österreichischer   Bürokratie,   Unkenntnis   über   Wirkstoffe   auch   auf ärztlicher   Seite   und   gesetzlicher   Regelung   bzw.   Ablehnung   eine   riesige   Hürde.   Dr.   Peter Kolba   ist   selbst   von   der   Diagnose   Polyneuropathie   betroffen   -   seit   dem   Jahre   2012.   Er   sieht die   Probleme   somit   nicht   nur   aus   der   Sicht   des   Verbraucherschutzes,   sondern   vorrangig   aus der    Sicht    des    Betroffenen    mit    chronischem    Schmerzbild.    Den    Weg    nach    der    Diagnose Polyneuropathie   beschreibt   er   wie   folgt:   Der   Neurologe   verschreibt   zwei   Medikamente: Eines    ist    ein    Antiepileptikum,    das    andere    ein    Antidepressivum.    Das    ist    die    gängige Therapie.   Die   Beipackzettel   sollte   man   besser   nicht   lesen.“   Peter   Kolba   sagt   auch   selbst, dass   er   davon   kaum   Nebenwirkungen   gehabt   hat   und   dass   diese   Medikamente   auch   geholfen haben.   Irgendwann   fiel   ihm   ein   Buch   über   Jemanden   in   die   Hände,   der   unter   seinem   Dach Marihuana   angebaut   und   geraucht   hat,   um   seine   neuropathischen   Schmerzen   selbst   zu behandeln.   „Es   hat   aber   kaum   Ärzte   gegeben,   ein   Neurologe   hat   mir   aber   Dronabinol verschrieben,   das   Ansuchen   an   die   Krankenkasse   geschickt,   die   es   drei   mal   abgelehnt   hat. Ich    habe    es    dann    selbst    finanziert.    Kurz    nachdem    ich    begonnen    habe,    Dronabinol    zu nehmen,    habe    ich    das    Antiepileptikum    absetzen    können.    Ich    würde    die    Wirkung    so beschreiben,   dass   man   zum   Schmerz   eine   Distanz   bekommt.   Es   ist   kein   Wundermittel,   in meiner   Dosierung   ist   der   Schmerz   nicht   weggezaubert,   sondern   die   Distanz   zum   Schmerz   ist besonders am Abend sehr hilfreich.“ Ein   großes   Problem,   nachdem   man   das   Medikament   verschrieben   bekommen   hat   ist   der Preis.   In   20ml   Dronabinol   sind   500mg   THC   enthalten   und   kostet   450€.   Ein   Patient   wie   Dr. Peter   Kolba   benötigt   im   Monat   40ml,   das   bringt   Kosten   von   900€   mit   sich.   Dazu   zum Vergleich   aus   „deutsche Arbeitsgemenschaft   Cannabis   als   Medizin“:   Der   mittlere THC-Gehalt in   den   psychoaktiven   Pflanzenteilen   von   Cannabis   (meistens      bezeichnet   als   Marihuana   oder Gras)   stieg   von   fünf   auf   mehr   als   zehn   Prozent.   Die   Durchschnittspreise   für   Marihuana   in Europa   erhöhten   sich   in   derselben   Zeit   von   7,36   Euro   auf   12,22   Euro   pro   Gramm,   die   für Haschisch   von   8,21   auf   12,27   Euro.   Die   Milchmädchenrechnung   zeigt   folgendes:   bei   10%   THC Anteil   brauche   ich   5g   Marihuana   um   0,5g   -   das   sind   die   10%   - THC Anteil   zu   haben.   5g   kosten „am   Schwarzmarkt“   50€.   Und   nicht   450   €! Auf   der   Seite   www.feel-ok.at   kann   man   folgendes über   die   Preise   erfahren:   Die   Preise   unterliegen   Schwankungen.   Je   nachdem,   kostet   das Gramm   Marihuana   zwischen   7   und   10   Euro,   das   Gramm   Haschisch   zwischen   6   und   9   Euro. „Das    besonders    Originelle    ist    daran,    dass    das    enthaltene    THC    in    Österreich    von    der
Arbeitsgemeinschaft    für    Ernährungssicherheit    erzeugt    wird.    Das    ist    eine    vom    Staat eingerichtete   GmBH,   die   das   alleinige   Recht   hat,   Cannabis   anzubauen.   Sie   liefert   das dann   an   eine   deutsche   Firma,   die   den   Rohstoff   herstellt.   Wenn   man   im   Parlament   die Ministerin   fragt,   wieviel   die   "Tochterfirma"   vereinnahmt   und   wieviel   sie   produziert, bekommt     man     die    Antwort,     dass     das     „Privatwirtschaft“     sei.    Als     Nationalrats- abgeordneter   habe   ich   darauf   hingewiesen,   dass   in   Deutschland   im   Frühjahr   2017   eine Liberalisierung   beschlossen   wurde,   die   dazu   geführt   hat,   dass   man   auf   Rezept   in   der Apotheke    auch    Blüten    bekommt.    Meine    Kostenübernahme    hat    erst    die    WGKK    nach Intervention   der   Bundesministerin   für   Gesundheit   erreicht,   die   davon   ausgegangen   ist, dass   ich   als   Patient   ohnedies   die   Kosten   erstattet   bekomme.   Die   Antwort   auf   ihre Intervention    von    Seiten    der    GKK    war:    "Es    gibt    keine    Evidenz    bei    neuropathischen Schmerzen   aber   wenn   Sie   als   Bundesministerin      fragen,   geben   wir   es   ihm   halt."   Das   ist der      österreichische      Weg.      Daher      habe      ich      mich      entschlossen,      dass      unser Verbraucherschutzverein   Patientenrechte   durchsetzen   wird.   D.h.:   Vom   Arzt   bestätigte Indikationen:   chronische   Schmerzen,   Übelkeit   und   Erbrechen,   insbesondere   in   Folge   von Chemotherapie   und   MS,   die   selbst   in   dem   Bericht   der   Gesundheitsministerin   als   evident aufscheinen.   Der Arzt   muss   dann   eines   berücksichtigen:   Zuerst   muss   ein   Therapieversuch mit   vorher   genannten   Medikamenten   unternommen   worden   sein   -   weil   es   viel   billiger ist-   und   der   muss   dann   nicht   geholfen   haben,   oder   wenn   man   es   wegen   Nebenwirkungen nicht   verträgt,   kann   man   sich   hochhanteln,   bis   man   bei   der   ultima   ratio   angelangt   ist und   es   mit   Dronabinol   versucht.   Dann   muss!   es   die   GKK   genehmigen.   Dann   bestehen   sie darauf,   dass   die   GKK   die   Ablehnung   schriftlich   in   Form   eines   Bescheides   mit   Begründung abgibt.   Das   muss   sie   binnen   14   Tagen   machen.   Und   gegen   diesen   Bescheid   kann   man   beim Sozialgericht klagen. Dazu     eine     Anmerkung:     Der     Verbraucherschutzverein     unterstützt     Patienten     in organisatorischer   wie   auch   finanzieller   Richtung:   Trotzdem   ist   der   eigene   Anwalt   eine Ausgabe,   wo   unser   Service   ansetzt,   dass   wir   die   Kosten   übernehmen.   Wir   werden   das auch   nicht   still,   sondern   laut   machen,   dass   auch   die   Medien   davon   erfahren,   wie   das   in Österreich   zugeht,   denn   in   dem   Bericht   an   die   Fr.   Gesundheitsministerin   steht   auch   klar drinnen,   dass   alle   GKKs   in   Österreich   im   ersten   Halbjahr   2018   in   nicht   einmal   8000 Fällen   die   Kosten   übernommen   haben.   Allein   Polyneuropathiepatienten   schätzen   die Schmerzmediziner auf 300 000- 500 000.