der muerzpanther
KROCK - KROCK - KROCK. „Seine   Stärke   verleitet   ihn   zuweilen,   sich   an   dem   Herrn   der   Erde   zu   vergreifen.   Es   ist   keine Fabel,   wenn   erzählt   wird,   daß   er   auf   kleine   Kinder   gestoßen   und   sie,   falls   er   es   vermochte, davongetragen   habe;   man   kennt   sogar   verbürgte   Fälle,   daß   er,   ohne   durch   gerechtfertigte Abwehr   oder   Verteidigung   seines   Horstes   gezwungen   zu   sein,   erwachsene   Menschen   anfiel.“ Diese    sensationelle    Schilderung    des    Steinadlers    stammt    aus    Brehms    Tierleben,    dritte Auflage, 1929. Im   19.   und   20.   Jahrhundert   galt   er   in   Österreich   als   ausgestorben,   seit   rund   20   Jahren kommt   es   zu   einer   langsamen   Wiederbesiedelung   der   pannonischen   Tieflagen   Österreichs. Nachdem   der   Kaiseradler   -   aquila   heliaca   -   ein   herausragendes   Naturgut   darstellt,   hat   sich neben    BirdLife    Österreich    auch    Justizministerin    Alma    Sadic,    die    „d afür    Sorge    tragen möchte,   dass   die   ermittelnden   Behörden   der   Justiz   im   Umgang   mit   der   illegalen   Verfolgung von   Greifvögeln   entsprechend   unterstützt   werden" ,   bei   der   Besenderung   der   Jungadler   im niederösterreichischen Weiden an der March eingefunden. Vor rund einem Jahr. „Das   Besendern   zeigt,   dass   die   illegale   menschliche   Verfolgung   die   häufigste   bekannte Todesursache   der   Kaiseradler   ist.   Mindestens   ein   Drittel   der   Jungvögel   stirbt   auf   diese Weise!“    klärt    Gábor    Wichmann,    Geschäftsführer    der    Vogelschutzorganisation    BirdLife Österreich,   auf.   Neben   dieser   wichtigen   Funktion   des   Senders   erfüllt   er   noch   weitere:      exak- te   Position,   Körpertemperatur   und   Bewegungsrichtung   von   Kaiseradler   „Alma“   werden      in kurzen Abständen bis hin zum Sekundentakt gespeichert. Der   MÜRZPANTHER   hat   nach   einem   Jahr   gefragt,   was   die   Auswertung   erbracht   hat   und   ein Interview   mit   Johannes   A.   Hohenegger,   wissenschaftlicher   Mitarbeiter   von   BirdLife   geführt und Erstaunliches erfahren … Kurz & bündig finden Sie am Ende des Artikels.
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ACHTUNG! Dieser Artikel enthält folgende Ausdrücke:
Die   Gliedmaßen   sind   stark   und   verraten   Fülle   von   Kraft“    -   so zeigt   sich   laut   Brehms   Tierleben   der   Adler.   Beeindruckend   für jeden,    der    das    Vergnügen    hat,    ihn    im    Flug    zu    sehen.    Dem MÜRZPANTHER war dies bereits beschieden.
dMP:   Welche   Daten   konnten   bis   jetzt   erhoben   werden   und   welche   Schlüsse   können daraus gezogen werden? Johannes    A.    Hohenegger:    Die    beiden    Vögel    haben    seit    ihrer    Besenderung    folgende Flugstrecke   mindestens   zurückgelegt:   Alma:   11.500   km   (Durchschnitt   40   km   pro   Tag)   und Sascha: 12.300 km (43 km pro Tag). Anmerkung   der   Redaktion:   Die   Strecke   ist   annähernd   vergleichbar   mit   dem   Umfang   des Mondes,   oder   dem   Durchmesser   der   Erde.   Sascha   flog   etwas   weiter,   umgelegt   auf   die   Erde ist er von Niederösterreich bis Papua Neuguinea gekommen … Johannes   A.   Hohenegger:   Auf   ihrem   Streifzug   besuchten   sie   folgende   Länder   -   ausgehend vom   niederösterreichischen   Weiden   an   der   March:   Österreich,   Deutschland,   Kroatien,   Polen, Rumänien,    Serbien,    Slowakei,    Slowenien,    Tschechien    und    Ungarn.    Grundsätzlich    folgen beide   Adler   damit   dem   altbekannten   Schema,   dass   sie   in   ihrem   ersten   Lebensjahr   weite Wanderungen     unternehmen     und     sich     viele     Gebiete     ansehen,     aber     immer     wieder zurückkehren.   In Ausnahmefällen   können   Kaiseradler   auch   extreme   Distanzen   wandern.   Eine ungarischer   Vogel   bspw.   flog   im   Winter   2012/2013   bis   nach   Westafrika   und   kehrte   dann   über Italien wieder nach Ungarn zurück. dMP: Wie groß ist das Revier eines Kaiseradlers? Johannes   A.   Hohenegger:   Das   Kernrevier,   das   auch   gegen   Eindringlinge   verteidigt   wird   und überwiegend    zur    Deckung    des    Nahrungsbedarfs    dient,    schwankt    in    der    Größe    je    nach Jahreszeit   und   Nahrungsverfügbarkeit.   Die   Reviergrößen   brütender   Vögel   liegen   in   Öster- reich wohl meist zwischen 10 und 50 km², der Aktionsraum ist aber bedeutend weiter. dMP:   Ist   es   denkbar,   dass   wir   den   Schrei   eines   Kaiseradlers   im   Mürztal   einmal   hören konnten? Johannes   A.   Hohenegger:   Kaiseradler   haben   auch   immer   wieder   das   Mürztal   durchquert, ihren   Schrei   zu   hören   ist   allerdings   sehr   unwahrscheinlich.   Wie   die   meisten   Adlerarten   sind Kaiseradler    meist    relativ    stumm    und    rufen    vor    allem    bei    Revierstreitigkeiten    und    zur Kommunikation   mit   dem   Partner   oder   den   Jungen.   D.h.   man   hört   die   Rufe   des   Kaiseradlers in aller Regel nur direkt in der Horstumgebung.
dMP:   Über   den   Sender   wird   auch   die   Körpertemperatur   ermittelt:   Wie   hoch   ist   sie   im Normalfall und was sagt eine Erhöhung oder Senkung aus? Johannes   A.   Hohenegger:   Die   Körpertemperatur   von   Vögeln   liegt   bei   etwa   38-40°C   (für   die meisten   Arten).   Die   Temperaturfühler   der   Sender   messen   aber   nicht   genau   diesen   Wert, sondern   sind   teilweise   auch   von   der   Sonneneinstrahlung   beeinflusst.   Die   Werte   bewegen   sich hier    aktuell    zwischen    25    und    40°C.    Die    niedrigsten    Werte    werden    in    den    frühen Morgenstunden   gemessen,   wenn   sowohl   das   Wetter   als   auch   die   Körpertemperatur   der   Vögel den täglichen Tiefpunkt erreicht. Wie   bei   uns   Menschen   steigt   die   Körpertemperatur   am   Morgen   dann   an   und   hängt   mit   der Aktivität zusammen. Nachts wird sie aus Energiespargründen leicht abgesenkt. dMP:   Welche   Lebensweise   konnte   durch   die   Besenderung   festgestellt   werden   –   gibt   es hierbei Neuerungen am wissenschaftlichen Gebiet? Johannes    A.    Hohenegger:    Kaiseradler    brüten    in    der    Regel    im    vierten    oder    fünften Kalenderjahr   ihres   Lebens   (also   am   Ende   ihres   dritten   oder   vierten   Lebensjahrs)   erstmals. Selten   versuchen   sie   bereits   mit   knapp   2   Jahren   zu   brüten.   Wenn   die   Vögel   am   Horst   von Störungen   unbeeinträchtigt   sind,   können   sie   über   viele   Jahre   den   selben   Horst   nutzen,   der alljährlich     ausgebessert     und     ausgebaut     wird.     Im     störungsreicheren     Umfeld     -     auf Agrarflächen, in Wegnähe etc. - wechseln sie oft jährlich den Horststandort. Grundsätzlich   wissen   wir   über   die   Wanderung   in   der   Jugendphase   der Adler   mittlerweile   gut Bescheid.    Von    hoher    Relevanz    sind    aber    heutzutage    bspw.    Daten    zur    Interaktion    mit Störungsquellen,   Straßen   oder   auch   Windkraftanlagen.   Durch   sekündliche   Ortungen   können dabei   die   Flugbewegungen   sehr   genau   erfasst   werden.   Diese   Daten   harren   aber   noch   ihrer umfassenden Auswertung. Spannende, neue Erkenntnisse durch die Besenderung sind darüber hinaus: - dass viele der Vögel erstaunlich früh erstmals brüten -   dass   auch   Altvögel   während   der   Brutzeit   weite   Flugstrecken   zurücklegen   und   in   fremden Revieren auftauchen können. -   Daten   zur   Raumnutzung   von   brütenden   Altvögeln,   die   uns   helfen   die   Ausdehnung   der Kaiseradlerreviere nachzuvollziehen, welche Bereiche bevorzugt oder gemieden werden. dMP: Herzlichen Dank für das Interview!
Manchmal    ist    es    besser    nicht    gesehen    zu    werden.    Zu    den Beutetieren    zählen    Vögel    wie    Kraniche    und    Trappen    bis    zu bodenlebende   Kleinsäuger   wie   Ziesel   oder   Hamster.   An   diesem oberen    Ende    des    Kreislaufs    sieht    man    wieder    einmal,    wie wertvoll und notwendig der Erhalt jeder Art ist.
Der   Kaiseradler   -   aquila   heliaca   -    legt   sehr   weite   Wanderungen   vor   allem   in   den   ersten Lebensjahren   zurück,   kehrt   aber   auch   immer   wieder   in   das   ursprüngliche   Brutgebiet,   wo sich   auch   ihr   Horst   befindet,   zurück.   Allerdings   sind   sie   sehr   störanfällig   durch   vor   allem Straßen und Windkraftanlagen, weshalb sie auch oft ihre Horstplätze wechseln. Die   Reviergrößen   können   bis   zu   50   qkm   betragen,   dabei   ist   aber   der   Aktionsradius   um Beutetiere zu erlegen, bedeutend kleiner. Interessant   ist   der   charakteristische   Ruf,   der   dem   der   Kolkraben   ähnelt   und   zu   Verwechs- lungen   führen   kann.   Sie   sind   meist   aber   relativ   stumm   und   rufen   vor   allem   bei   Revier- streitigkeiten und zur Kommunikation mit dem Partner oder den Jungen. Die   Auswertung   der   Besenderung   der   Körpertemperatur   hat   ergeben,   dass   die   Adler   die niedrigsten    Werte    in    den    Morgenstunden    aufweisen    und    die    höchsten    -    wie    bei    uns Menschen   -   mit Aktivität   zusammenhängen.   Nachts   wird   sie   aus   Energiespargründen   leicht abgesenkt.
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