Vögel im Winter

Die schönsten Augenblicke des Winters hängen auch auf dem Dach.

Zunächst zum allgemein Bekannten:

Unter den Vögeln gibt es die Körnerfresser, wie Grün- oder Buchfink, Sperling oder Gimpel. Daneben gibt es Arten, wie Meisen, Spechte oder Kleiber, die sich im Winter auf Körnerfutter umstellen können und auch mit Sonnenblumenkernen, Hanf und Mohnsamen zurecht kommen.

Und letztlich gibt es die Weichfutterfresser: Amseln, Drosseln, Stare, Zaunkönige, Heckenbraunellen, Kleiber, Baumläufer, Rotkehlchen und Spechte. Sie alle haben eher spitze und zierliche Schnäbel. Diese Vogelarten bevorzugen bei ihrer Ernährung im Frühling und im Sommer vor allem Früchte, Insekten und Weichtiere. Als Winterfutter an der Futterstelle eignen sich für diese Vogelarten getrocknete Beeren, getrocknetes Obst, Rosinen, Haferflocken, gemahlene oder geschrotete, ungesalzene Nüsse und frische Äpfel oder Birnen. Frisches Obst sollte nicht klein geschnitten, sondern nur im Ganzen oder allenfalls halbiert ausgelegt werden, so dass die Vögel sich nur kleine Stücke mit dem Schnabel herauspicken können, die nach der Aufnahme sofort auftauen!! Sie benötigen spezielles Weichfutter, das sehr feine Sämereien und Fett als Ersatz für die tierische Kost enthält, die sie ansonsten bevorzugen, ungesalzenen Rindertalg, der unter Zugabe von etwas Speiseöl vorsichtig erwärmt und mit Haferflocken und Beeren angereichert werden kann. Es eignen sich aber auch im Handel erhältliche Fertigfuttermittel, wie die sog. "Meisenknödel" oder Ringe. Einem dieser Weichfutterfresser wollen wir uns speziell widmen: der Wacholderdrossel.


Eine sehr attraktive Vogelart sucht Nahrung in unserem Apfelbaum: die Wacholderdrossel.

Erfahren Sie viel Wissenswertes weiter unten!

Ihr Gesang ist ein hartes Gezwitscher und wird auch oft im Flug vorgetragen. Beim Abflug kann man auch ein gedehntes „zieh“ wahrnehmen. Darunter zu hören!

(Nicht zu verwechseln mit der Flugveranstaltung am Kulm!)

Bei den Vögeln ernähren sich größere Arten (Gänse, Schwäne) von grünen Pflanzenteilen. Allerdings sind die meisten herbivoren (pflanzenfressende) Vögel Körner- und Fruchtfresser. Insgesamt ist aber die Nahrung bei Vögeln auch innerhalb einer Art sehr vielseitig. Mehr als die Hälfte der Vogelfamilien gehört zu den omnivoren (allesfressende) Arten - insgesamt dominiert der Anteil tierischer Nahrung. Vor allem durch die vielen Insektenfresser.

Nicht nur für tropische Vögel ist das Angebot an Früchten eine energetisch lohnende Nahrungsquelle. Dennoch wird sie nicht in dieser Häufigkeit genutzt. Das hat damit zu tun, dass die Verdauugsvorgänge innerhalb der Vögel auch stark variieren. Viele Singvögel besitzen  - im Gegensatz zum Menschen - kein Enzym zur Spaltung von Saccharose (Haushaltszucker).

Bezüglich Fastens bis hin zum Hungertod gibt es drei metabolische Schritte: In den ersten Stunden bis Tagen werden Leberglykogene (gewährleistet die Aufrechterhaltung des Blutzuckers) abgebaut, im nächste Schritt werden Fettvorräte abgebaut und im letzten Schritt greift der Körper auf Proteine zurück. Erstaunlicherweise können Vögel stärker die Proteinvorräte schonen als Säugetiere. Erst wenn hungernde Vögel die Brustmuskulatur soweit abgebaut haben, dass sie nicht mehr fliegen können, oder wenn andere Organe irreversibel geschädigt sind, sterben sie.


Dieser Amsel, vulgo Schwarzdrossel scheint es zu schmecken. Der Schnee weht horizontal, gemäß den klimatischen Schönheiten des Mürztales.

Die normale Energiespeicherung geschieht über Fett. Es besitzt die höchste Energiedichte und kann schnell katabolisiert werden (bezeichnet den Abbau von Stoffwechselprodukten: Fett, Kohlenhydrate und Proteine werden zu einfachen Molekülen umgebaut und zur Energiegewinnung herangezogen). Im Winter oder während der Paarung, wenn das Futterangebot nicht sehr hoch ist oder der Verbrauch essentiell steigt, verbrennen Vögel im zweiten metabolischen Schritt (siehe oben) 95% Fett und lediglich 5% Protein. Der Fettvorrat bei Vögeln sitzt dabei in Depots, die um das Brustbein und Abdominalbereich lagern.

Die Notwendigkeit zur Energieeinsparung ergibt sich vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn einerseits die Rate der Energieaufnahme abnimmt und andererseits der Wärmeverlust aufgrund der Differenz zwischen Aussen- und Körpertemperatur steigt.

Wie aber können Vögel Energie einsparen? Dafür gibt es verschiedene Wege:

- Reduktion des Wärmeverlustes während der Nacht,

- Reduktion der Aktivität, und durch

- Reduktion der Körpertemperatur und damit des Energieumsatzes.

Zur Reduktion des Wärmeverlustes drängen sich Singvögel in der Nacht zu Gruppen zusammen und können auf diese Weise 30% der Energie einsparen. Nicht sozial lebende Tiere können den Wärmeverlust in schneereicher Umgebung in Schneehöhlen vermindern. Die Reduktion der Aktivität ist notwendig, wenn der Aufwand für die Nahrungssuche und der damit verbundene Energiegewinn ein ungünstiges Verhältnis erreicht. In der Regel geht verminderte Aktivität mit einer Absenkung der Körpertemperatur einher. Deswegen bezeichnet man Vögel auch als endotherm. Das besagt, dass die Regulation der Körpertemperatur von der zugeführten Energie abhängig ist und ihnen ermöglicht auch in der kalten Jahreszeit zu überleben. Allerdings müssen sie als endotherme auch sehr viel Nahrung zu sich nehmen, fast 90% der Nährstoffe werden Im Winter für die Produktion von Körperwärme gebraucht. Um das zu illustrieren, sei festgehalten, dass Vögel eine Temperatur von 38°- 42° besitzen. Eine gemäßigte Absenkung der Körpertemperatur auf bis zu 30°C ist bei Vögeln verbreitet und tritt je nach Aktivität bei Tag oder Nacht ein. Eine stärkere Absenkung - unter 30°C - führt zu einem Zustand der Inaktivität mit verringerter Reaktionsfähigkeit auf äussere Stimuli. Dieser Torpor genannte Zustand ist der effizienteste Mechanismus der Endothermen, Energie zu sparen. Das Potential liegt dabei bei bis zu 95% Energieersparnis. Und genau so ergeht es auch der Wacholderdrossel, über die Sie folgend mehr erfahren können.


“Viele Singvögel besitzen  - im Gegensatz zum Menschen - kein Enzym zur Spaltung von Saccharose.”

“In der Regel geht verminderte Aktivität mit einer Absenkung der Körpertemperatur einher. Das nennt man Endothermie.”

Die Wacholderdrossel - Turdus pilaris

Sie wird im Standardwerk Brehms Tierleben, dritter Band, dritte Auflage aus 1929, wie folgt beschrieben: Krammetsvogel oder Ziemer, bunt gefärbt. Kopf, Hintehels und Bürzel aschgrau, Oberrücken und Schultergegend schmutzig kastanienbraun, Schwingen und Schwanzfedern schwarz, Kehle und Vorderhals dunkel rostgelb, schwarz längsgefleckt die braunen Federn der Brustseiten weißlich gerandet, die übrigen Unterteile weiß. Der Schnabel ist beim Männchen gelb, beim etwas blasseren Weibchen bräunlich. Die Länge beträgt 24 cm. Ursprünglich ist di Wacholderdrossel im Norden Europas und Asiens heimisch, hat sie seit 100 Jahren (1829 also) begonnen, sich auch in verschiedenen Gegenden Deutschlands anzusiedeln. Sie nistet hier in Wäldern und Obstpflanzungen aller Art, lebt in Gärten und bleibt auch im Winter in der Heimat.

Daneben erfahren wir im Standardwerk Avifauna Steiermark, 1. Auflage 2015, Leykam Buchverlag, über die Wacholderdrossel: In der Steiermark war die Wacholderdrossel im 19. Jahrhundert nur als häufiger Durchzügler und Wintergast bekannt. Im Zuge einer Expansion brütete sie erstmals um 1920 im Ennstal, die eigentliche Besiedelung erfolgte aber erst Anfang der 70er Jahre. Ende der 80er Jahre war die Obersteiermark bereits flächendeckend besiedelt. Seit 1990 kam es zu temporären Brutansiedelungen im Alpenvorland, deren Vertikalverbreitung sich zwischen 600 und 1300 Metern Seehöhe erstreckt. Lokal kann die Art bis über 1500 m brüten, beobachtet am Loser und der Tauplitzalm auf 1600 m.

Das Brutvogelmonitoring von Birdlife Österreich hat allerdings für den Zeitraum 1998 - 2014 einen signifikanten Rückgang von 57% für die Wacholderdrossel ergeben. Die Wacholderdrossel brütet zumeist einzeln oder in kleinen Kolonien von 2 - 30 Brutpaaren, sie bevorzugen einzeln oder in kleinen Gruppen stehende Bäume, sowie lockere Baumbestände, Waldränder, Ufer und Feldgehölze. Im Winter bildet die Wacholderdrossel große Schwärme, die oft am Rand von Siedlungen verweilen und das Nahrungsangebot von Beeren und Obst der Stadtränder nutzen. So wie auch bei uns im Mürztal.


„Die Farben der Wacholderddrossel: aschgrau, kastanienbraun, schwarz, rotgelb, weiß, gelb, bräunlich!“