Das Schneealpen Schutzhaus

Der Tag ist ein typischer für den Sommer. Die Wolken liegen bereits geschlossen über der Rax, auf Blickdistanz. Ich befinde mich vom Parkplatz aus auf dem Weg zum Schneealpen Schutzhaus, das neue Pächter hat:  Thomas Eder und Michael Fischer, tatkräftig unterstützt von Johanna Stolz.  Man nähert sich der Schutzhütte und wird schon von Weitem gemeldet:  Balu, einjährig, sehr neugierig, ein  Bordercollie, der aufmerksam am Zaun wacht, freut sich auch über neue Bekanntschaften. Genauso wie ich - im Gespräch und Interview.  Ein Tag, der den Aufstieg lohnt und die Bekanntschaft mit einem jungen, dynamischen und qualitätsbewußten Team bringt. Vieles ergänzt sich hier heroben, das noch schöne Wetter mit Gastronomie und Freundlichkeit. Zusammengefasst trägt es einen Namen: Eine echte Empfehlung!

Einer der lohnenden Blicke vom Aufstieg auf die Schnee alpe in Richtung Semmering. Im Sommer manchmal auch ein wenig bewölkt. Geregnet aber hat es auf der Rax!

dMP: Seid ihr aus der Gegend, aus dem Mürztal?

Thomas Eder: Michael und ich kommen aus Kindberg und ich wohne seit drei Jahren in der Stanz, wo Johanna und ich ein Haus hergerichtet haben.

dMP: Wie seid Ihr da heraufgekommen ? Wurde die Pacht ausgeschrieben?

Thomas: Genau! Nachdem Johanna zwei Jahre beim Lurgbauer war, bin ich viel am Berg unterwegs gewesen und habe den Vorpächter vom Schneealpenhaus, den Franz kennengelernt. Ich selbst habe vier Jahre im Gastronomiegroßhandel Nussbaumer gearbeitet und da ist auch der Franz einkaufen gekommen.

dMP: Da kommt man in`s reden ...

Thomas: Ja. Im Jänner habe ich auf der Alpenvereinsseite gesehen, dass das Schutzhaus zur Pacht ausgeschrieben ist und habe dann gleich den Franz angerufen und erfahren, dass er in Pension geht. Darauf sind wir natürlich gleich in`s Gespräch gekommen, ob das nicht für uns etwas wäre. Alleine wäre es schwer gewesen und ich habe den Michael gefragt, den ich schon lange kenne und wir haben uns beworben. Wir haben ein Gespräch in Wien geführt und Ende März haben wir erfahren, dass wir es bekommen.

dMP: Warum in Wien?

Thomas: Weil die Zentrale vom Gebirgsverein, eine Sektion des Alpenvereins mit ca. 25000 Mitgliedern,  dort ist.

dMP: Deine Arbeit davor nützt Dir hier etwas?

Thomas: Ich habe in Bruck die Fleischabteilung geleitet, da war ich für den Wareneinkauf und die Bestellungen der Kunden zuständig.  

dMP: Dann ist das doch etwas Neues auch für Euch?

Johanna Stolz: Vor dem Lurgbauer war ich bereits drei Sommer in Salzburg auf einer Hütte und habe dadurch die Almerfahrung gemacht. Der Michael hat acht Jahre beim Teichwirt Urani als Koch gearbeitet, er kommt auch aus der Gastronomie.

Thomas: Michael und ich haben am Semmering die Hotelfachschule gemacht, haben auch beide schon in der Küche und im Service gearbeitet. Der gastronomische Betrieb ist für uns nichts Neues. Eine Herausforderung heroben ist das "Drumherum", was man im Tal nicht hat. Wir sind seit erstem Mai heroben und es ist ganz gut angelaufen.


Gut gelaunt vor dem gepachteten Objekt, dem Schneealpen Schutzhaus. Michael, Johanna und Thomas (von links). Die Suppe und die Knödel und die Strudel sind bereits fertig. Handgemacht und hausgemacht.  

„Wir stellen jeden Tag in der Früh einen Suppentopf auf, wir drehen jeden Knödel selber ... Viel regionaler geht es kaum mehr.


dMP: Das klingt nach Verlängerung im nächsten Jahr?

Thomas: Voraussichtlich schon. Die Arbeit macht Spaß und wir können uns vorstellen, es ein paar Jahre zu machen.

dMP: Gab es finanzielle Gründe, das Schutzhaus zu übernehmen? Oder auch andere?

Thomas: Für Michael und für mich war es Zeit für eine Veränderung. Das hat sich zu diesem Zeitpunkt dann ergeben und wir werden nach einem Jahr schauen, ob es auch wirtschaftlich paßt. Weil wir zu dritt sind können wir auch die Buchhaltung großteils selber machen. Johanna ist ja auch am Biobauernhof Froihof in Fischbach Produktionsleiterin, die Joghurt und Frischkäse herstellen. Das wird auch alles in Pfandgläsern produziert, um Müll zu vermeiden.

Balu bekommt von einem anderen Gast ein Kompliment: Fesch ist er!

dMP: Bist Du die ganze Woche heroben?

Thomas: Wir haben bis 31. Oktober die ganze Woche durchgehend geöffnet. Nach dem Start im Mai haben wir noch Montag und Dienstag zu gehabt, weil  im Tal noch vieles zu erledigen und organisieren war. Bei schlechtem Wetter ist der Schutzraum immer offen, wir fahren auch ab und zu hinunter.  

dMP: Ihr habt auch Zimmer.

Thomas: Ja. Vor allem während der verlängerten Wochenenden waren sie ganz gut gebucht.

dMP: Woher kommen die Gäste?

Thomas: Großteils aus dem Raum Wien und Graz.


Das Schutzhaus wird seinem Namen gerecht: Weithin sichtbar. Dahinter ziehen die Wolken über die Rax. Die Vorfreude auf eine herrliche Wanderung und ein Schmankerl aus der Region. Im Schneealpenhaus.

dMP: Zum gastronomischen - Ihr verarbeitet sicher regionale Produkte!

Thomas: Auf der Brettljausn haben wir den Frischkäse vom Froihof, wir haben ein Wildragout auf der Karte - das Wild bekommen wir vom Franz, der berühmt war für seine Wildspezialitäten. Er hat eine Wildjause und -suppe gehabt. Wir gehen aber auch unseren eigenen Weg.

dMP: Ist Wild die Spezialität des Hauses?

Thomas: Das und der Schweinsbraten. Und Kaspressknödelsuppe. Bei uns wird alles selbst gemacht. Wir stellen jeden Tag in der Früh einen Suppentopf auf, wir drehen jeden Knödel selber - auch die Strudel und die Mehlspeisen werden hier im Haus gemacht. Das ist sehr zeitaufwendig, weil der Michael und ich sehr qualitätsbewußt sind. Wir gehen auch selber gerne gut essen.

dMP: In der Gegend setzen die meisten Gastronomiebetriebe auf Hausgemachtes.

Thomas: Das muß man sagen: Das Gute liegt so nah. Gerade das Wild wird hier geschossen und hat daurch natürlich keinen Transportweg. Viel regionaler geht es kaum mehr. Das ist uns einfach wichtig.

dMP: Ihr habt auch Produkte vom Froihof - die Du mit herauf bringst.

Johanna: Ich leite die Milchverarbeitung, wir stellen hauptsächlich Butter und Topfen her. Aber auch Frisch- und Hüttenkäse und Sauerrahm. Für die Käseherstellung, die wir beginnen möchten, haben wir noch keinen geeigneten Reiferaum. Der Käse braucht halt zum Reifen ideale Bedingungen.  

dMP: Temperatur, Luftfeuchtigkeit. Müßt Ihr dann klimatisieren?

Johanna: Wir wollen einen passenden Erdkeller finden, der muß natürlich auch lebensmitteltechnisch passen.  

dMP: Der Käse wird verglichen mit dem Käse von der Alm, anders werden?

Johanna: Es ist genauso Biomilch, der Hof liegt aber sowieso auf tausend Meter Seehöhe. Natürlich gibt es auch durch die Rezeptur die Unterschiede.  Ich bin von der Milchverarbeitung einfach fasziniert,  was man alles machen kann. Das vermisse ich hier ein bisschen.

dMP: Wäre das grundsätzlich ein Ziel, vollkommen selbständig einen Betrieb zu führen?

Johanna: Es wäre für mich sicher ein Ziel, eine Alm zu haben, wo ich auch meine Leidenschaft, die Sennerei, umsetzen könnte. Es kann durchaus sein, dass wir uns so etwas finden ... Dass ich jetzt hier bin ist kein Zufall, weil die Pacht gerne an Leute aus der Region vergeben wird. In Tirol hätten wir wahrscheinlich nicht so gute Chancen gehabt.

dMP: Danke für das Gespräch und alles Gute!


Links und hinauf: Zur Zeit blühen viele Alpenblumen. Aber noch schöner sind die Wiesen auf der Alm im Juni. Lohnend ist es immer!