Wie schmeckt das Mürztal?

Wie es wirklich schmeckt - die Köstlichkeiten, die die Berge und die Bauern rundum liefern. Von der Sennerei der Alm bis zum Saibling vom Pretul. Vom Hartweizengrieß zum Klaren. Vielfältig und wertig. Ein Lokalaugenschein einer Bereicherung für Mürzzuschlag: Wir haben im Vorfeld der Eröffnung Elke Wihsounig, die Initiatorin des NaturGut Ladens getroffen. Durch dieses Shop in Shop Konzept wurde durch bauliche Maßnahmen auch eine Brücke zwischen dem Geschäft der Stadtwerke Mürzzuschlag und dem Modehaus Fuchs geschlagen. Die Vorbereitungszeit hat sich gelohnt und Mürzzuschlag wird bereichert.


dMP: Du bist hier in den Stadtwerken Mürzzuschlag Raumplanerin und hast die Idee und das Konzept für den Laden entwickelt?

Elke Wihsounig: Genau. Die ursprüngliche Idee stammt von mir, ich habe das mit unserem Chef abgeklärt, ob er sich so etwas vorstellen kann und ob ich bei unseren Bäuerinnen bereits Erkundigungen einholen kann. Diese waren bereits einmal auf einem Stand vor unserem Geschäft vertreten. Es stand auch dahinter, die Örtlichkeit zu beleben, ob ganz Mürz oder unser Geschäft. Ich habe mich immer schon für Regionalität eingesetzt, Gemeinschaften zu schließen und zu kooperieren. Denn als Einzelgänger hat man es bedeutend schwieriger. Daraufhin habe ich auch bei Arbeitskollegen, von denen ich wußte, dass beispielsweise die Schwägerin einen Bauernhof hat, angefragt. Viele haben ja bereits einen Ab - Hof Verkauf mit Bekanntheitsgrad. Es wäre schön, die eigenen Produkte an den Mann zu bringen und damit auch zu zeigen, was wir hier im Mürztal Hervorragendes in der Region haben. Das Gespräch hat sich dann im Rahmen der Mürzer Messe mit den Bäuerinnen ergeben - auch mit Sabine Rinnhofer (Anm.: Obfrau des Vereins NaturGut Mürz) - die auch schon länger über so einen Vertrieb nachgedacht hat. Allerdings sind die Voraussetzungen, so etwas zu beginnen, recht schwierig. Mein Chef, der Herr Welser, dem ich das vorgeschlagen habe, hat zustimmend reagiert. Worauf sich weitere Gespräche mit den Beteiligten ergeben haben.

dMP: Das meintest Du auch mit den "Einzelaktionen" - die Ab- Hof Verkäufe?

Elke: Der Bauernmarkt am Stadtplatz ist gut, es sind aber viele Auswärtige - dabei haben wir "auf jedem Hügel" bei uns irgendeinen Betrieb. Ich wollte für diese Produzenten eine Anlaufstelle im Ort schaffen und es zentralisieren, auch um sie bekannt zu machen, obwohl jeder seine Kunden hat.

dMP: Wie lief es grundsätzlich - am Anfang? Mit den Räumlichkeiten?

Elke: Die Räumlichkeiten, die frei in der Stadt zur Verfügung stehen, sind für einen Betrieb mit nur einem Tag in der Woche zu teuer oder zu groß. Die meisten müssen zu Hause am Hof wirtschaften und produzieren, da bleibt nicht allzu viel Zeit. Schon für die Ersteinrichtung wäre ein hohes Grundkapital notwendig gewesen. Viele sind aus diesen Gründen abgekommen, diesen Schritt zu wagen und wir müssen erst einmal abwarten, wie der NaturGut Laden angenommen wird. Durch die Kooperation mit den Stadtwerken, die die Örtlichkeiten und das Mobiliar zur Verfügung stellen, können wir das realisieren. Die Erstinvestition war dadurch relativ gering, so dass es sich auszahlt, zu starten und die Produkte vertreiben zu können.


“ ...dabei haben wir auf jedem Hügel bei uns irgendeinen Betrieb.”

Die Initiatorin Elke Wihsounig in dem von ihr initiierten NaturGut Laden. Unterstützt von Mürz Energie.

dMP: Hat es auch von der Gemeinde Hilfestellungen oder Förderungen gegeben?

Elke: Für den NaturGut Laden ist ein Verein gegründet worden. Er heißt "NaturGut Mürz". Da sind alle Vermarkter dabei. Ich als ausserordentliches Mitglied und als Verbindung zu den Stadtwerken. Dieser Verein organisiert die Waren und hat die Esther angestellt (Anm.: Esther ist im Verkauf tätig), damit das Geschäft als Dirketvermarkterbetrieb aufrecht erhaltern werden kann. Die Stadtwerke haben neben dem vorhin erwähnten auch den Verbindungsgang zum Modegeschäft Fuchs geschaffen und dieses Projekt hat eine Förderung über die Stadtwerke bekommen.

dMP: Das ging vom Land aus?

Elke: In der Region haben wir unser Projekt einem Gremium mit den Verantwortlichen präsentiert, die es weiter nach Graz geleitet haben.

dMP: Wie seid Ihr auf den Namen gekommen?

Elke: Wir wollten keinen typischen "Bauernmarkt", oder "Bauernladen" - das kennt man bereits, wir erkennen die Natur als unser Gut an, woraus auch Gutes entsteht. NaturGut Mürz! Wir haben auch andere Namen ventiliert - wie Genußladen, aber der ist bereits besetzt! Landforst z. Bsp. hat einen Genußladen. NaturGut war uns dann auch durch das Logo mit der Karotte, die das T ergibt, sympathisch. Das hat unseren Vorstellungen am besten entsprochen.

dMP: Wie bewerbt Ihr?

Elke: An allen Eingängen werden die Schilder mit unserem Logo aufgestellt, beim Modehaus Fuchs, im Bogen hängen wir Stoffbahnen auf und beim Eingang kommen die Beachflags hin. Es ist ein Shop in Shop Konzept, deswegen müssen wir auch die Eingänge bewerben.


Bei uns ist im Honig nur Honig, bei den Nudeln ist Hartweizen oder Dinkelgrieß und Ei drinnen, beim Apfelsaft der gepresste Apfel.”

dMP: Ist das Konzept auch als Alternative zum Supermarkt zu sehen?

Elke: Ein Problem betrifft alle Sparten, egal ob Möbel, Elektrohandel, oder Nahrungsmitte: Überall sind die großen Ketten präsent und das Internet. Wir wollen hin zum "wertigen" Produkt und zur menschlichen Arbeit, die dahinter steht. Wir besuchen auch gegenseitig die Betriebe, um alle kennen zu lernen. Vor Ort erkennt man erst richtig die Leidenschaft und die Berufung Lebensmittel herzustellen, wenn die ganze Familie involviert und der ganze Tagesablauf darauf eingestellt ist. Unsere Gemüsebäuerin zieht teils auch das Saatgut selber. Das Engagement, das dahintersteckt möchten wir gerne dem Kunden vermitteln. Und auch ein anderes Gefühl für Lebensmittel zu bekommen, weil in den Supermärkten die Vielfalt auf "andere Art und Weise" geboten wird, ist unser Ziel. Ich brauche auch nicht 70 Joghurts, deren Inhaltsstoffliste elends lange ist. Bei uns ist im Honig nur Honig, bei den Nudeln ist Hartweizen oder Dinkelgrieß und Ei drinnen, beim Apfelsaft der gepresste Apfel. Da bekommt man das Gefühl für das Lebensmittel wieder.


dMP: Sind die Ausdrücke durch den Ge- oder Missbrauch von bio und Nachhaltigkeit längst überstrapaziert?

Elke: Wir verwenden sie nicht. Wir sagen nicht, wir sind ein Bioladen oder wir sind der "ohne Verpackungsladen". Im Gespräch mit dem Kunden vermitteln wir unseren Zugang. Prinzipiell ist der Weg unserer Lebensmittel nur als ursprünglich zu bezeichnen. Auch wenn es keine offiziellen Stempel darauf gibt. Es ist das Gefühl und die Art, etwas herzustellen. Direkt auch im Sinne von: da rundherum! Die Anlieferzeiten sind sehr kurz.

dMP: Sind also Qualitätssiegel wichtig?

Elke: Die Logos sind nicht wichtig. Man kann fast alles zertifizieren, jeder Produzent hat aber für sich Abläufe entwickelt, hinter denen er steht. Wir wissen auch, dass überall Schindluder getrieben wird. Eine Auslegung ist in den meisten Fällen möglich. Wir aber wollen ein wertiges Produkt bieten, mit Menschen dahinter, die aus Liebe zur Natur und auch zum Vieh erzeugen.


Das ist wirklich direkt. Bauer und Kunde. Produzent und Kunde.”

dMP: Wie schaut Eure Werbelinie aus?

Elke: Wir haben eine facebook Seite, eine home page noch nicht. Auch stehen uns der Infokanal der Stadtwerke Mürzzuschlag zur Verfügung und auch “Mürz Aktiv”. Für die weitere Bewerbung müssen auch abwarten, wie es sich entwickelt. Darum werden bei der Eröffnung auch alle Produzenten anwesend, damit man sieht, wer dahinter steht. Eine Vorstellungsrunde aller fünfzehn Produzenten und der Betriebe werden auf der facebook Seite vorgestellt. Das ist wirklich direkt. Bauer und Kunde. Produzent und Kunde. Unsere Verkäuferin wird die Vorlieben der Kunden kennenlernen und es wird auch eine Liste für Vorbestellungen geben.

dMP: Fleisch ist nicht im Sortiment? Liegt es an fehlenden Produzenten?

Elke: Ja, das fehlt noch. Die meisten Produzenten liefern direkt an die Fleischereien. Das Schlachten ist ja zu Hause nicht mehr möglich. Das ist nicht ganz im Sinne des Menschen.

dMP: Und schon gar nicht im Sinne des Viechs!

Elke: Ganz genau. Frischfleisch geht aber schon deswegen nicht, weil wir kein Kühlhaus haben. Wir können Waren dann nur vakuumiert anbieten, wie bei unserem geräucherten und frischen Pretulsaibling. Auch für diesen Hersteller, der so viel investiert hat, ist sein Tun Berufung. Er hat Ideen gehabt und Lösungen gefunden und eine Wertigkeit für das Leben überhaupt entwickelt. Alle unsere Produzenten haben eine Idee, setzen sie mit Begeisterung um und lassen sich nicht unterkriegen. Mir gefällt einfach das Engagement und die Leidenschaft - schon wie sie davon reden.

dMP: Gerade bei Frischfleisch wird das Marktamt dahinter sein!

Elke: Es kann sein, dass jemand kontrollieren kommt. Aber: Die Produzenten haben selbst einen Hofladen und wissen natürlich was zu tun ist. Bei der Kennzeichnung und der Verpackung. Auch die Kühlkette ist durch die sehr kurzen Wege natürlich kein Problem. Schweinefleisch wird von der Sabine Rinnhofer dazukommen, letztlich auch Rindfleisch; da sind wir noch in der Aufbauphase. Viele stellen Ihre Produkte auch nur im Nebenerwerb her, wodurch es enge Grenzen gibt, wie beim Brot. Es geht vorrangig um den Zuverdienst und den Anteil des Getreides, den man selber herstellt kann.

dMP: Das ist oft überreguliert.

Elke: Für einzelne ist es oft nicht leicht. Auch für das Gemeinschaftswohl ist es nicht unbedingt förderlich. Früher haben die Bauern dazu beigetragen, dass ein Ort ernährt wird. Für viele bin ich mit meiner Überzeugung vielleicht auch ein Querulant. Ich denke mir schon, dass der Weg schwierig ist und ich möchte auch ein Zeichen setzen, dass es wertige Lebensmittel gibt!


Schöne Geschenkspackungen und hervorragende Qualität. Rechts: die sorgsam hergestellten Nudeln.

Unser Laden lenkt die Aufmerksamkeit wieder ein bisschen mehr auf das Andere.”  

dMP: Querulant zu sein, finde ich bei den meisten Dingen ganz gut! Ausserdem nützt es nicht, sein Geschäftsmodell nach dem Üblichen auszurichten.

Elke: Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, wie auch das Internet, aber letztlich kann ich Nazhrungsmittel auch bewußt wählen. Unser Laden lenkt die Aufmerksamkeit wieder ein bisschen mehr auf das Andere.

dMP: Das meiste ist bereits vorverpackt?

Elke: Ja. Wir geben dann Papiersackerln mit und die Butter werden wir in Fettpapier verpacken. Diesbezüglich wollten wir etwas nachhaltig sein und vermeiden Plasticksackerln. Es wird auch vieles portioniert sein, damit wir nicht wie bei einer Käsetheke schneiden und abwägen müssen. Zu verkosten wird es natürlich auch immer etwas geben, damit jeder für sich seine Auswahl treffen kann. Wir wollen aber auch nicht fünf verschiedene Obstbauern oder vier Imker haben, die ursprüngliche Partie, die mutig genug war mitzumachen, soll auch einen Vorteil haben. Wir sind aber dafür offen, neue Produkte und Anbieter zu nehmen. Wie bereits im Bericht der "Woche" zu lesen war, fehlt uns eben noch Brot und Fleisch.

dMP: Die ersten Berichte waren bereits im Juni zu lesen. War das der Zeitraum der Planung? Ein halbes Jahr?

Elke: Die Grundpartie war relativ früh da - am Anfang des Jahres -, der Verein wurde im Sommer gegründet. Das erste Mal haben wir uns beim Genusspicknick der Gemeinde präsentiert. Das war ein erstes Kennelernen und hat bereits super funktioniert. Wir haben dann die Chance einfach genützt. Auch die Zeitungen sind bald zu uns gekommen.  

dMP: Ist die Mundpropaganda nicht auch in der Gegend der beste Vertriebsweg?

Elke: Das ist ein großer Bonus. Man kann Werbezettel verschicken, es ist aber besser, wenn es von selber kommt.  

dMP: Ist eine Erweiterung der Öffnungszeiten geplant? Und warum gerade am Mittwoch?

Elke: Weil am Mittwoch und Samstag auch der Bauernmarkt am Platz ist und die Leute in Bewegung sind. Natürlich wollen wir auf diesen Zug auch aufspringen. Wenn das dann gut läuft ... Es steht unter einem guten Stern. Wir erhoffen uns natürlich Kundschaft, die hier sonst nicht hereinkommen würde (Anm.: in das Möbelgeschäft der Stadtwerke). Das ist eine gute Kooperation.

dMP: Danke für das Gespräch und viel Erfolg!


Steinpilze und mehr. Wie Fruchtsäfte.