Der Mürztpanther

Der  Kunstpanther

Konrad von Friesach

Ich möchte Ihnen mein bisher ausführlichstes Projekt vorstellen: Die wenigen Zeugnisse eines Malers, der für die österreichische Kulturgeschichte von großer Bedeutung ist. Dabei ist in diesem Essay nicht zu vergessen, dass es sich keinesfalls um eine rein kunstgeschichtliche Abhandlung handelt, sondern um den Versuch, Ihnen exklusiv das Werk eines eher unbekannten österreichischen Malers des Mittelalters näher zu bringen. Dieser wird in manchen Schriftstücken auch als der „wichtigste Exponent der Kärntner Malerei des 15. Jhdt.s im Raume Friesach“ bezeichnet.

   Meine Recherche hat mich daher vor allem nach Friesach, in das Stift Sankt Lambrecht und nach St. Ulrich in Kammern geführt. Das Hauptwerk von Konrad befindet sich ebendort. Mir war es wichtig, das Gesamtwerk des Konrad von Friesach in der Steiermark zu präsentieren. Im unteren Belvedere in Wien hängt noch ein Bild und natürlich auch in Kärnten das Fastentuch. Das war es dann auch schon.

Benediktinerstift St. Lambrecht

Obwohl das Werk von Konrad nicht allzu umfangreich scheint, wird es mir natürlich nicht möglich sein, alle Bilder gleichermaßen zu besprechen. Deswegen behalte ich es mir vor, ausgewählte Tafeln und Darstellungen näher zu betrachten, andere wieder nur in Abbildung zu zeigen.

Das Benediktinerstift St. Lambrecht  ist nicht nur eine imposante Anlage - ich kann den Besuch des Stiftsmuseums nur wärmstens empfehlen - sondern dort befindet sich auch der kleine Flügelaltar des Konrad von Friesach. Der erste Eindruck ist überwältigend: In den wunderbaren Räumlichkeiten des Stiftes findet sich schnell das gesuchte Objekt. Die Kunstwerke finden hier den Platz, den sie auch brauchen, um zu wirken, um betrachtet werden zu können. Die Erläuterungen dazu sollen Ihnen die Inhalte der Bilder nahebringen; sie werden natürlich großteils religiösen Ursprungs sein. Lesen Sie die Kon-texte, wie berührend nahe sie gehen, weil sie einen Zusammenhang von sozialer Gültigkeit mitbringen, die wir längst in großen Teilen des Miteinander vermissen.

   Zur Übersicht: Der Altar besitzt zwei Flügel, innen und aussen jeweils zwei Tafelbilder. Somit insgesamt acht Tafeln. Die Aussenseite - die man besichtigen kann - zeigt im Uhrzeigersinn, beginnend links oben: Christi Geburt, Darbringung Jesu im Tempel, Heimsuchung Mariä und Anbetung der Weisen. Die Innenseite, die Sie nur hier auf der homepage www.der-muerzpanther.com - sehen können, beinhaltet thematisch: Kampf des Heraklius gegen Chosrau II., die Kreuzauffindung, Wunder bei der Kreuzauffindung und Kreuztragung des Heraklius durch die Tore Jerusalems.




Er vollbringt mit seinem Arm

machtvolle Taten:

Er zerstreut,

die im Herzen voll Hochmut sind.

Er stürzt die Mächtigen vom Thron

und erhöht die Niedrigen. (Aus dem Magnificat)


   Im Anschluss an die Verkündigung macht sich - nach Lukas (Lk 1,26-56) - Maria auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen. Das Datum dieses Festes ist der 2. Juli. Maria antwortet bei der Begegnung Elisabeth mit dem Lobgesang, der mit den Worten beginnt: „Magnificat anima mea, Dominum“.

  Wir sehen links im Bild - in Blau gewandet - Elisabeth, schwanger mit Johannes dem Täufer. Rechts die schwangere Maria mit einer ganz besonders hübschen Darstellung des pränatalen Jesuskindleins.

   Dem gesamten Altar eigen sind in der malerischen Darstellung auch flache Reliefs, die oft den Hintergrund darstellen, somit aber auch einen starken Kontrast durch Flächigkeit schaffen und Tiefe erzeugen. In der Darstellung der Heimsuchung finden wir links oben am Bildrand einen reliefierten Adler, umgeben von Bäumen. Auf dem Bild könnte dies den Eindruck eines „unfertigen“ Werkes erzeugen, deshalb: Fahren Sie nach St. Lambrecht und überzeugen Sie sich selbst von der Wirkung!

   Die Farben blau und rot der Gewandungen der beiden Frauen finden wir nur allzu oft in der Geschichte der Malerei. Es handelt sich um den „Farbton - Kontrast“. Am stärksten ist dieser, wenn reine Farben wie rot, blau (und gelb) aufeinander treffen. Das ist hier eindeutig gegeben. Auch ist die gleiche Helligkeit zu bemerken, wodurch die Bedeutung der Figuren nebeneinander steht. Die 'Verschrenkung' der beiden Frauen – Elisabeth hält, führt, stützt und segnet Maria – kann bereits als Voraussicht auf den gemeinsamen Weg von Johannes und Jesus gedeutet werden. Die Monumentalität der beiden Frauenfiguren wird durch reich gegliederte Landschaft und Architektur gemildert, und im Bemühen der Naturabbildung ist noch etwas vom Konstruktionsschema eines reich gemusterten Stoffes zu erkennen.

   Dem Hintergrund ist die Reinheit der Farben genommen, in gedeckten Rot - und Grüntönen erzeugt Konrad - wenn perspektivisch noch nicht in Perfektion - einen wirkenden Raum. Bei diesem Maler, bei dieser Darstellung der Burganlage, muss man natürlich sofort an seine Heimatstadt Friesach denken: eine Kette an Festungsbauten.

    

Zu den Kontrasten: Natürlich ist mir klar, dass ich uns Steirern nichts Neues erzähle: Gelbe Narzissen in frischgrünen Frühlingswiesen, knallrote Feuerlilien in Sommerwäldern, changierende Sonnenuntergänge an Bergseen, eingefasst rote Fensterrahmen in Steinhäusern, leuchtendrote Blutbuchen vor Burghügeln usw.

Die Legende vom heiligen Kreuz ist sicher eine der spannendsten, beginnend bei Helena. Kaiserin und Mutter des Konstantin. Das war im Jahre 320. Dazu aber später! Wir begeben uns 3 Jahrhunderte weiter und müssen feststellen: Der Längsbalken des Kreuzes blieb in Jerusalem und wurde bei der Eroberung der Stadt durch die Perser im Jahre 614 verschleppt und der „Königin der Königinnen“, der christlichen Gemahlin des Königs Chosrau, Schirin überantwortet. Durch den Sieg von Kaiser Heraklius über die Perser wurde das Kreuzesholz aber wenige Jahre darauf zurückgewonnen. Zum Andenken an dieses Ereignis feiert die Kirche am 14. September das Fest der „Erhöhung des heiligen Kreuzes“, kurz „Kreuzerhöhung“ genannt.

   Durch die Invasion des Heraklius strebten die Perser in den Jahre 629/ 630 Frieden an und mussten die dreissig Jahre zuvor besetzten Gebiete und die Kreuzesreliquien zurückgeben. Der Kaiser brachte das Kreuz triumphal nach Konstantinopel, gefeiert mit großem Gefolge.

Angeblich - deswegen die Legende des heiligen Kreuzes - wurde dieses in späterer Zeit in hunderte Kleinteile zerteilt, wobei die berühmteste Reliquie in Österreich sicher in Heiligenkreuz zu finden ist.

   Beginnen wir diesmal mit dem Hintergrund: Die Stimmung ist äusserst düster, auf beiden Bildern. Bei der Kreuztragung begegnen wir den selben Häusern, die uns schon bei der Heimsuchung Mariä begegnet sind: einfache Steingebilde, wehrhaft mit ausgesprochen auffallend hellroten Dächern; die Farbgebung variiert hier: sehen wir vorher rot - blau, dominiert hier rot - grün. Das Erstaunliche allerdings sehe ich in dem Umhang des Kaisers Heraklius, der fast einem Bußgewande gleichkommt, nicht nur farblich; es scheint durch die Strenge der Einfachheit dominant, unterstützt durch das Fehlen von Falten. Dies lässt darauf schließen, dass es ein sehr einfach geschnittenes Kleidungsstück war. Beachten Sie jedoch: Ein herrschaftlicheres Gewand wartet des Siegers , in grün gehalten, gleich dem Engel der das Tor öffnet, bereit einzuziehen in Jerusalem! In der Sprache der Farben besagt grün: positiv, ordnungsgemäß, unproblematisch! Siegreich, triumphierend und durch das Kreuz ein heimkehrender Heilsbringer! Und natürlich: Dieses wunderbare Detail, dass man auf einem Bild das nackte Bein eines Kaisers sieht! Doch scheint seine Handhaltung eher gebieterisch: Öffnet das Tor!    

   Ausnehmend gefällt mir die Darstellung der Pferde (siehe Detailaufnahme oben)! Die Dynamik der verschiedenen Kopfhaltungen beeindruckt, im Hintergrund, das farblich dunkelste Pferd scheint zu flehmen (damit verstärkt ein Pferd seine Geruchswahrnehmung), mittig ein mittelhelles Pferd, mit dem Blick nach vorne und um dem Ganzen Dynamik zu verleihen, schaut das Vorderste wie ungefähr in den linken unteren Bildrand. Dieses weiße Pferd ist natürlich des Kaisers! Weiß mit grünem, auffälligem Sattel und ohne Reiter! Diese Linie wird signifikant durch die Linie des Querbalkens unterstützt, wodurch sie kompositorisch bildbestimmend wird. Natürlich gefällt in seiner Leuchtkraft auch das Zaumzeug der Pferde: knallrot!

   Aufgelöst, deswegen aber nicht „leichter“ im Bild, ist die Konstruktion der Festung, die getragen durch den Hauptbalken, das Bild in zwei Hälften zerreisst! Es ist fast symmetrisch, statisch. Dieses Bild strahlt Ruhe.

   Ganz anders wirkt das Bild des Kampfes: dynamisch durch die Linienführung, wie aktiv in der Bewegung des Zuschlagens noch der Schritt nach vorne gesetzt wird. Da spricht Überzeugung, zu Ende zu führen, was begonnen wurde. Ergeben hingegen der Gegner: Er legt seine rechte Hand an den Fuß des Kreuzes, eine Bekehrung? Auch haben die Umstehenden die Hände zur Bitte, zur Fürbitte, zur Abbitte gefaltet?

   Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit noch auf die Frisuren der beiden Widersacher lenken: reich bekrönt und sorgsam gerichtet. Wie das prunkvolle Gewand, gefüttert mit edlem Tuch - edlem Pelz. Dagegen sieht Heraklius bescheiden aus - ein Hinweis! Eine Bitte habe ich noch: Vergleichen Sie das Innenfutter des Perserkönigs mit dem Umhang in der Heimsuchung Mariä!

Oben

sehen Sie die Darstellung des Kampfes des Heraklius gegen Chosrau II.




Unten

die Kreuz- tragung des Kaisers Heraklius durch die Tore Jerusalems, die ein Engel öffnet in grünem Gewand.

Bereits ein Detail aus den folgenden Bildern: Der erbitterte Kampf der Religionen um das heilige Kreuz!

Jetzt wollen wir uns wieder der Vorderseite des Altares zuwenden: Geburt Christi und die Anbetung der Weisen, wenige Darstellungen, die nicht erklärt werden müssen! Ich möchte aber an dieser Stelle noch den Rahmen hervorheben: mit aufpatronierten Ornamenten! In tiefem Rot. Mit Gold!

   Eines der römisch-katholischen Feste, das allgemein hin bekannt ist, ist Weihnachten. Eine der wenigen Bilddarstellungen, die weltweit bekannt ist, ist Maria mit dem Jesuskind. Den Inhalt muß ich daher nicht erläutern, aber: Heuer war ich erstmalig seit geraumer Zeit zu Weihnachten im Münster in Neuberg an der Mürz in der heiligen Messe; gefreut habe ich mich darauf und meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen! So wie in dieser Darstellung: goldener Hintergrund - gab es eine gelungene Lichtregie! Wie feierlich und erfreulich! Wie warm das Feuer des Weihnachtsmahls doch lodern kann; dieses kocht auf dieser Darstellung gerade Josef! Maria mit dem Kind - was machen sie da? Es sieht wie ein geheimer, wissender Gruß zweier Eingeweihter aus! Und so ist es auch: die Mutter Gottes - das Jesuskindlein! Freuen sie sich schon auf das Mahl? Das Kindlein schaut entspannt und interessiert! Es scheint eine innige Beziehung hergestellt, Merkmal dieser Periode in der gotischen Malerei: der „weiche Stil“, die „schöne Madonna“. Gerade bei der Krippenszene stellt sich der Faltenwurf weich, harmonisch und rund dar. Es ist auch erstaunlich, wie Konrad von Friesach in der 'Geburt Christi' eine Vielzahl von Gefühlen im Gesicht Mariens zum Ausdruck bringt: stille Mutterfreude, Vorahnung, Melancholie, Verklärung, Sendungsbewusstsein, Schicksalsfügung…. Diese zwei Tafeln zeigen das Erhebende, viel Gold und viele Flachreliefs. In der Gesamtwirkung dieses Bildes mit all seinen Details der Not (offene Scheune, löchriges Dach – selbst das Stalldach von Ochs und Esel ist beschädigt!) wird durch die hellgoldenen Elemente wie Hintergrund und Krippenstroh eine Atmosphäre von feierlicher Behaglichkeit geschaffen. Und diese Wärme fließt aus den Figuren, zuvorderst aus Maria („fließender“ Faltenwurf) und dem Jesuskind und entstammt nicht dem eher kümmerlichen Feuer des kochenden Josef, der nebenbei eher unglücklich wirkt.

   Rechts oben: der Adler im Halbrelief! Maria kniet, das Kleid legt sich ruhig über ihre Füße. Die Stalltiere scheinen einander und dem Jesuskind zugetan, es herrscht Harmonie, zu Recht! Über dem Stall steht zweifelsfrei - getragen von dem Adler? - der Stern Betlehems, in Erwartung der Weisen!

   Die Wiedererkennbarkeit einer Person zu dieser Zeit ist nicht durch die Gesichtszüge gegeben, sondern durch Äußerlichkeiten wie Gewänder und Insignien. Oder Bärte, sowohl bei Heraklius als auch bei den Weisen: nicht nur die unterschiedliche Darstellung des Haares, der Bart wird länger und weißer, das Haupthaar wird schütter! Der Jüngste der drei Magier trägt blond gelockt. Hier sind wir in der natürlich auch und vor allem in Religionen wichtigen Zahlensymbolik: die Zahl drei galt immer schon als heilige Zahl und kennzeichnet göttliche Konstellationen, die christliche Dreifaltigkeit.

   Die Zahl drei ist hier nicht nur durch die Weisen oder die Gaben verkörpert, geradezu auffällig wird diese Symbolik auch durch die drei Lebensalter der Könige hervorgehoben. Baeda, genannt Venerabilis, „der Ehrwürdige“, ein englischer Benediktiner legte sich bereits um 700 nach Christus fest: der junge Caspar, in mittlerem Alter Balthasar und der greise Melchior. Erst ab der Mitte des 15. Jahrhunderts wandelte sich Balthasar zum Ältesten. Dieser scheint das Jesuskindlein beim Öffnen der Truhe fast zu berühren .

   Wieder der Adler links oben am Bildrand!

   Wenden wir uns aber nun wieder der Legende des heiligen Kreuzes zu. Wir begeben uns in das Jahr 326 nach Christus. Konstantin - der lateinische Name lautet korrekt: Flavius Valerius Constantinus - wurde 324 Alleinherrscher des römischen Reiches. Bemerkenswert ist hierbei, dass er das Christentum anerkannte und somit den Weg zu einer anerkannten „Staatsreligion“ ebnete. 330 verlegte er den Kaisersitz von Rom nach Byzanz, fürderhin Konstantinopel, heute bekannt als Istanbul. Das ermöglichte Helena, der Mutter Konstantins und selbst Kaiserin, eine Wallfahrt nach Jerusalem zu unternehmen. Sie selbst hatte sich 312 dem Christentum zugewandt. Ihr Ziel war es, Zeugnisse, darunter nichts geringeres als das Grabmahl von Jesus, aufzufinden. Eine Legende berichtet, dass Helena den Leviten Judas befragt habe. Er ließ sich sieben lange Tage, nachdem er in einen trockenen Brunnen geworfen wurde, bitten kundzutun, wo die nur ihm bekannte Stelle des Grabmahls Jesu auf dem Berge Golgota sei. Daraufhin ließ Helena einen Tempel wegreissen und fand darunter die drei Kreuze der Gekreuzigten. Um nun herauszufinden, welches das Kreuz von Jesus war, bedurfte es eines Wunders. Und hierzu gibt es mehrere Überlieferungen.

   Die Darstellung, die Konrad liefert ist folgende: Die Leiche der Christin Libania wurde zunächst erfolglos mit dem ersten und dem zweiten Kreuz berührt. Die dritte Berührung jedoch erweckte sie zum Leben, wodurch die Legende geboren ward.

   Was ebenfalls erwähnenswert scheint im Bild des „Wunder bei der Kreuzfindung“: Helena trägt ihre weltliche Krone nicht mehr. Sie selbst hat sie gegen die christliche „Krone“ getauscht. Das kann nur bedeuten: Ich lege die weltliche Macht ab und ergebe mich dem Glauben, der Tote auferweckt! Ein klein bisschen weniger weltlich wäre im Alltag nur zuträglich! Im Hintergrund sehen wir einen Bärtigen, der eine „kugelförmige, geschlossene“ Krone trägt.  Es könnte die Mitra von Bischof Silvester I. sein. Dieser war zur Zeit der Kreuzauffindung Helenas Bischof von Rom und hat - einer Überlieferung nach - Kaiser Konstantin, den Sohn Helenas, vom Aussatz geheilt!

   Wie Konrad es schafft, das Wunder der dreimaligen Kreuz-Berührung zu einem dynamischen Prozess des letztlich hochaufragenden Kreuzes Christi werden zu lassen, ist bewundernswert und Ausdruck seiner malerischen Gestaltungskraft. Zusammengefasst: Das Kreuz Christi als Zeichen des Sieges über den Tod und als Zeichen des (ewigen) Lebens.

Die Auffindung des Kreuzes durch Helena als Herrscherin, indem sie Judas befiehlt die Stelle zu zeigen!

Wunder bei der Kreuzauffindung mit Helena als Christin

Aus dem Lukas Evangelium:


„Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm.

Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.

Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.“


   Natürlich möchte und muß ich das Augenmerk auf jene junge Frau lenken - aufgrund des Alters ist sie als Prophetin Hanna, die bei der Darbringung  dazukam, auszuschließen - die das Körbchen mit den Opfergaben hält: die Turteltauben. Sie scheint an dem Geschehen nicht sonderlich teilzuhaben, ihr Blick wendet sich ab, so als ob sie die Tauben wegbringen würde. Auch hier sieht man die Symbolik: Wird im Neuen Testament von Turteltauben gesprochen - die ja grau /bräunlich im Gefieder sind mit teils schwarzen Flecken - sind sie hier weiß! Der Hintergrund der Szene: Mütter galten 40 - 80 Tage nach der Geburt als unrein und mußten ein Reinigungsopfer darbringen. Weiß zeugt von Reinheit, Friede und Anstand, wie die hier dargestellten Tauben. Bereits in der Verkündigung begegnen wir der weissen Madonnenlilie in der Kunstgeschichte auf Schritt und Tritt.

    Jesus umfasst den Daumen des Simeon. Jeder, der Kleinchen in diesem Alter hatte oder hat weiß: alles, was wegsteht ist von großem Interesse; nur zur Nase kam Jesus nicht! Auch macht es den Anschein, als nehme nicht Simeon den kleinen Jesus in die Arme, wie es in der Schrift steht, sondern Jesus den Simeon. Am Daumen halt.


   Die Anbetung der Weisen, der Könige, der Magier? Sicher ist: Maria präsentiert stolz ihren Sohn. Der Apfel ist immer Symbol der Fruchtbarkeit! Die Kronen der „Weisen“ sind reliefiert, deuten von Macht und Einfluß, von Gold und Reichtum! So auch die Gaben: eine Kiste voll goldener....Bälle, Kugeln, Früchte?, hoch empor strebende Gefäße mit Weihrauch und Myrrhe? Das Kindlein jedenfalls greift zu! Die Anbetung der Könige ist ein seit der Spätantike bekanntes Motiv in der christlichen Kunst. Zur Zeit Konrad von Friesachs war es natürlich schon üblich, einen der drei Weisen als 'Mohren' darzustellen, der somit Afrika verkörperte. Warum die drei Magier hier derart gleichgestaltig ausgeführt sind, darüber lässt sich nur mutmaßen. Die Anbetung ist sicher das berühmteste Motiv dieses Altares, auch auf einer Postkarte im Stift zu erwerben. Aber warum? Natürlich - weil der restaurierte Zustand hervorragend ist.


Und nun zu etwas höchst Interessantem: Betrachtet man die beiden Krippenszene - jene aus St. Lambrecht, die andere vom Fastentuch in Gurk - sticht es in`s Auge: mit Ausnahme des Engels, der den mit den Haaren Mariens farbgleichen Nimbus faßt - bzw. links oben im Bild ein Hirte mit seinen Schafen, ähneln sich diese Kompositionen frappant! Die Figuren, allen voran Maria, zeigen die selbe Haltung, das Gewand ist ident in seiner Ausformung und seiner räumlichen Gliederung. Josef ist kopiert, in der Bewegung - das rechte Bein ist vorgestellt - und in seiner Tätigkeit, das Mahl zuzubereiten. Lieblich auf beiden Bilder ist das Jesuskindlein, eine Spur mehr Fröhlichkeit erkennt man am Gurker Fastentuch. Beiden Bildern gleich ist der vertraute Kontakt des Blickes zu seiner Mutter, die Lage in der Krippe und die Verschränkung der Arme! Zuletzt ist auch die Position des sechsstrahligen Sternes vor dem Hintergrund des Stalles gleich.

   Es ist nicht anders zu benennen: Diesen Ausführungen liegt ein kompositorisches Schema zugrunde! Darum habe ich mir erlaubt, einen fotografischen Versuch zu unternehmen: Beide Bilder - unabhängig von ihrem Entstehungsdatum - übereinandergelegt sind fast deckungsgleich! Oben rechts.

   

Die Entstehung der Legende des heiligen Kreuzes: Helena und Konstantin

Die Darstellungen des Konrad von Friesach der Geburt Christi

Konrad von Friesach, eine Stadt im 15. Jahrhundert

   Friesach gehört heute zum politischen Bezirk Sankt Veit an der Glan. Das war immer so. Als älteste Stadt Kärntens wird sie bereits unter ihrem Namen Friesah urkundlich 860 n. Chr.  erwähnt. König Ludwig der Deutsche schenkt die Stadt Erzbischof Adalwin von Salzburg. Salzburgisch wird die Stadt bis 1803 bleiben. Das ist kunsthistorisch von Interesse, da Einflüsse aus dem Norden erkennbar werden. Bereits 1077 baut Erzbischof Gebhard ein Kastell, wobei sich der Petersberg anbietet, auf dem sich bereits die im Jahre 927 errichtete spätkarolingische St. Peterskirche befindet. Erzbischof Konrad - ein damals sehr häufiger Name - vergrößerte diese Anlage rund fünfzig Jahre später.

   Zur selben Zeit wird die Stadt, wie sie sich auch heute noch präsentiert, zwischen dem Virgilienberg und dem Petersberg erbaut. So zeichnet sich die Anlage der Stadt durch die heute noch erhaltene Zinnenringmauer aus, eindrucksvoll begleitet durch einen von der Metnitz gespeisten Wassergraben. Die Mauer, die auch Virgilien - und Petersberg umzog, war unterbrochen von fünf Toren und elf Verteidigungstürmen, die maßgeblich Eindruck machen. Natürlich musste diese, wie fast jede mittelalterliche Stadt, Brände und Plünderungen überstehen.

   Der „Berchfrit“ (Bergfriede sind unbewohnte Haupttürme) Konrads I. beherbergt im vierten Stock eine Kapelle, die Rupertikapelle. Diese war ehemals reich bemalt und mit Stuckatur versehen, die damals schon zu den bedeutendsten malerischen Leistungen der deutschen Monumentalmalerei gehörten. Auch berichtet man über Konrad I., dass er die Anlage ausgesprochen prachtvoll ausgestattet haben soll, dass sie eher einem Palaste glich. Warum aber ist das von Interesse? Weil Friesach durch die ausgesprochen günstige Lage zwischen Wien und Venedig zu einem wichtigen Handelszentrum wurde. 1215 zur Stadt erhoben, wurde sie auch zu einem religiösen Zentrum der Gegend. Und  das ist ausschlaggebend für die kunstgeografische Erfassung.

Der Berchfrit Konrads des I., davor sehen Sie unnötige Graffiti an einem Eck der spätkarolingischen Kirche.

Blick von unten auf den Petersberg mit dem spätkarolingischen Bau St. Peter, erstmals 927 erwähnt.

In der nun für uns maßgeblichen Zeit, nämlich in der Mitte des 15. Jahrhunderts, wurde Kärnten in den Jahren 1379/1411 bis 1457 gemeinsam mit der Steiermark, der Krain und dem Küstenland zu Innerösterreich vereint. Der Habsburger Friedrich III. war als Friedrich V. ab 1424 Herzog der Steiermark, von Kärnten und Krain und ab 1439 Herzog von Österreich. Das besagt nichts anderes, als dass die heutigen Grenzen damals so nicht gültig waren. Das Herzstück von Mittelkärnten war Sankt Veit an der Glan, das seit dem 14. Jahrhundert Stadtrecht hatte. Als Gegenpol natürlich auch die Handelsstadt Villach. Mit Sicherheit ist festzustellen, dass sich die Handelsroute und damit auch die Verbreitung des Kunstschaffens in nördlicher Richtung ausgedehnt hat. Auf diesem Weg lagen Althofen und natürlich neben Gurk, deren Bischofssitz im Mittelalter eng mit Salzburg zusammenhing, auch Friesach. Dieses Gebiet dehnt sich im 15. Jahrhundert bis in das obere Murtal aus, das zu Kärnten gehörte! Diese geografische Ausrichtung erklärt gleichzeitig die Einflussgebiete Villachs bis in den salzburgischen Lungau und umgekehrt!

Stifts - und Stadtpfarrkirche St. Barthlmä

Links das Netzrippengewölbe, unten die Westtürme

   Die Stifts - und Stadtpfarrkirche St. Barthlmä wurde um 1150 gegründet. Ursprünglich war sie von einem Friedhof umgeben. Die zwei Türme im Westen stammen aus dem 14. Jahr- hundert. Bei unserem Spaziergang fiel mir besonders die beinahe mahnend strenge Eleganz dieser beiden Türme auf, die klar das Stadtbild prägen. Auch ist noch die Anlage des Friedhofes erkennbar. Wenn man auf den Petersberg geht, so meandern wir entlang und die Türme steigen empor! Selten erhält man einen spektakuläreren Blick von solcher Nähe auf solch erhabene Kirchtürme. Das Bild links daneben zeigt das Netzrippengewölbe des Langhauses. Dieses wurde an Stelle der romanischen Flachdecke bald nach 1400 eingezogen. Anschließend daran, etwas älteren Datums: der kreuzrippengewölbte Chor der Stiftskirche.

   Warum? Weil schon Konrad von Friesach diese Blicke hatte, weil es ausschlaggebend für die Kunstanschauung war. Weil es erklärt, warum die Hauptwerke - neben dem Fastentuch in Gurk - in der Steiermark zu finden sind. In Sankt Lambrecht und in Kammern. Entlang der Mur.

   Aber: Was man niemals vergessen darf, ist der Einfluss Italiens. Während sich in Südtirol bereits die Auseinandersetzung mit der Raumproblematik zu entwickeln beginnt, bedienen sich die Kärntner Maler vor allem des Flächig - Dekorativen. Hierbei sind eher die Einflüsse noch von Pisanello, oder Michele di Matteo zu erkennnen, als die von Mantegna. Bei Konrad von Friesach, der erstmals 1450 genannt wird  und 1474 als verstorben gilt, herrscht die „typische kärntnerische“ dekorative Flächenbezogenheit. Die Komposition und die Typik der Figuren sind ganz dem „weichen Stil“ geschuldet. Diese Entwicklung, ohnedies schon eine Spätform, endet im ausgehenden 15. Jahrhundert. Abgelöst wird sie durch den Einfluß Italiens durch die Monumentalform in der Malerei, in der Wandmalerei. Als Hauptmeister dieser Spätblüte des weichen Stil gilt ein anderer Kärntner, nämlich Thomas von Villach.

   So stehen wir vor dem Sein eines großen Meisters, von dem so gut wie nichts bekannt ist, ausser seinem spärlichen Schaffen. Was noch Erwähnenswert scheint ist, dass Konrad offenbar einen Sohn hatte. Dieser, Hans genannt, gilt als Nachfolger Konrads. Wie könnte es aber anders sein: Auch hier sind keine Nachweise, Zeugnisse oder Quellen erschlossen.


(Aus: Kärntner Kunst des Mittelalters, Otto Demus. Zur mittelalterlichen Kunst Kärntens, Selbstverlag der österreichischen Galerie, 1971 / Die Kunstdenkmäler Kärntens, Artur Kollitsch verlag, Klagenfurt, Band VI, 1, 1930)


Der Freskenzyklus von Sankt Ulrich in Kammern

Betreten Sie mit mir durch dieses wunderbare Tor mit herrlichen Beschlägen jene Kirche, die auf einer Anhöhe über dem Ort Kammern liegt und einen Schatz birgt. Nicht nur einen kunstgeschichtlichen, sondern einen kirchengeschichtlichen Schatz. Es ist sicher einer der interessantesten Zyklen der Passion Christi aus dieser Zeit in Österreich! Dieser wurde erst 1958/59 freigelegt. Er ist mittig - und das ist mehr als empörend - durch Barockpilaster verdeckt! Dieser Passionszyklus, den es in Folge genauer zu betrachten gilt, ist durch eine umlaufende Bordüre in Form von Ranken gerahmt. Ferner scheint erwähnenswert, dass auch das Fastentuch ab dem Einzug nach Jerusalem 24 Abbildungen aufweist. Abschließend auf einem Doppelfeld dort allerdings das Weltgericht, im Freskenzyklus Christus als Schmerzensmann.

Eine bereits sehr lange Tradition verbindet das Christentum mit Palmzweigen. Schon um das Jahr 400 - so wird berichtet - gab es in Jerusalem Umzüge mit Palmzweigen, aber auch Olivenzweigen. Sie symbolisieren das Leben und sollen Segen für das Haus und Schutz vor Unwetter und Hagelschlag bringen. Und natürlich:

   Wie hier wird der Einzug von Jesus in die Stadt Jerusalem dargestellt. Der Beginn des Leidensweges. Wieder müssen wir in der Darstellung, eine dem Konrad von Friesach eigene, über Flächigkeit sprechen: Selbst durch die Schattengebung im Wehrturm der Stadt Jerusalem gewinnt das Bild nicht klar an Tiefe. Dafür erregt die Botanik Freude: Auf blauem Hintergrund und hellen Halmen sitzen rote Blüten.

   Es zeigt sich - wie am Gurker Fastentuch - der zweifärbige Heiligenschein von Jesus. Dies zeigt strahlend Wirkung und ist dadurch unikal. Seine Jünger sind von einfärbigen Nymben umgeben, sie zeigen lange nicht solche Dynamik.

   Die Tierdarstellungen des Mittelalters waren sicher durch Proportionsverschiebungen, als auch durch nicht genaue Kenntnis der einzelnen Tiere gekennzeichnet. Viele Exoten waren auch nicht bekannt. Zwischen Sankt Veit und Sankt Lambrecht. Esel allerdings schon. Dafür ist der Kopf etwas klein geraten und unterstützt auf sonderbare Weise die Annahme, dass es sich nicht um ein Pferd handelt.  Der Hintergrund: Ein Esel gilt als Tier der Arbeit, das Lasten zu tragen vermag und als Tier des Friedens, im Gegensatz zum Pferde, mit dem man auch in den Krieg zieht.


Die Passion Christi

Der Freskenzyklus des Konrad von Friesach hat ursprünglich 25 Bilder, Bildfelder umfaßt. 25 = 2 x 12 + 1; eine einfache Rechnung. Die Zahl zwölf, auf der der gesamte Zyklus basiert und wie wir bereits wissen auch die Darstellung auf dem Fastentuch, ist natürlich nicht von ungefähr gewählt. Von der griechischen Mythologie angefangen, begegnet uns diese Zahl wiederholt im Alten und Neuen Testament, bis hin zur Zahlensymbolik in Grimm`s Märchen der zwölf Brüder.

   In seiner Komposition, in seiner Bildersprache ist Konrad von Friesach eher streng und wie schon erwähnt, flächig. Das Format dieses Bilderreigens verschiebt sich bei den einzelnen Darstellungen leicht aus dem quadratischen in ein Hochformat. Die Wahl solcher Formate ist uns aus Portraits bekannt, bzw. lenkt den Blick auf Ausschnitte. Während Querformate für Landschaften gewählt werden. Diese kommen der menschlichen Raumordnung sehr nahe, ein Grund für Konrad, das Gesamte ebenso anzulegen.

   Generell muß zum Zustand der Fresken gesagt werden: Zum Teil sind sie gut erhalten, zum Teil kaum zu erkennen. Details sind fast durchgehend nur schwer ausmachbar, die letzte Reihe unten ist in erbärmlichen Zustand! Trotz allem: Eines der beachtenswertesten Fresken, die ich je gesehen habe.


Die Darstellung der Fußwaschung, Christus am Ölberg mit den schlafenden Jüngern und die Gefangennahme Jesu ist am Beginn dieses Zykluses zu sehen. Wieder ist die szenische Darstellung des Fastentuches anhand der Szene Christi auf dem Ölberg zu vergleichen: Im Garten - nach rechts gewandt - kniet Jesus. Hingewendet zu dem Kelch, der auf einem Felsen steht. Dieser ist natürlich als Sinnbild des Gebetes verständlich. Das Unvermeidliche passiert: Hinter den schlafenden Jüngern folgen Judas die Häscher. Aber wir sehen  bildlich nicht den Verrat durch den Kuß.

Der gesamte Zyklus

Der Eindruck, den ich bekam, als ich vor diesen Fresken stand, war überraschend lebendig. Nachdem ich mich nicht vorbereiten konnte, war ich im ersten Moment überwältigt. Dieser Tag brachte Sonnenschein, damit auch eine gute Farbwiedergabe. Die gut erhaltenen Felder haben Leuchtkraft entwickelt!

Den Inhalt brauche ich nicht näher zu beleuchten. Es handelt sich um folgende Szenen:

- Christus vor dem Hohepriester

- Christus vor Pilatus

- die Verurteilung durch Herodes


   Als Zeichen der Macht sehen wir auf allen drei Bildern verschiedene Formen des Thrones, auf allen drei Bildern ist Jesus gefesselt. Auch blickt er in den vorhergehenden Darstellungen meist nach rechts oben. Der Blick führt dadurch leicht ins Transzendentale, Hoffnung und Mut wird erkennbar. Hier jedoch, neben seinen Peinigern, neben jenen, denen er Rechenschaft ablegen sollte, neben jenen, die demütigen, blickt er - auch in Folge in gekrümmter Haltung als Zeichen der Pein, die er erfahren muß - nach links und unten. Den Hintergrund - um über die Machtverhältbnisse nur keine Zweifel aufkommen zu lassen - füllen Soldaten.

   Darunter: Wir sehen bei der Kreuztragung, Kreuzannagelung und Kreuzigung wieder diese Dynamik in dem „Aufstellen“ des Kreuzes, wie schon bei der „Legende des heiligen Kreuzes“.

Das Ende und der Anfang

Ich verlasse die Kirche mit Sehnsucht, mit all den herrlichen Eindrücken und freue mich bereits jetzt, das nächste kunsthistorische Juwel der Steiermark für mich und auch für Sie entdecken zu dürfen. An diesem Punkt muß ich Dank sagen: an Fr. Prof. Stadlober und an Christina Pichler, von der Kunstgeschichte der Karl-Franzens Universität in Graz; an den Abt Benedikt und Fr. Waltraud Kravanja, die es ermöglicht und die Zeit geopfert haben, mir auch die Innenseite des Altares in Sankt Lambrecht zu zeigen; an Fr. Dr. Hensle - Wlasak vom Universalmuseum Joanneum in Graz für die Unterlagen, die ich bekommen habe; ganz besonders an Pater Mag. Clemens Grill, der es mir ermöglicht hat, diesen herrlichen Freskenzyklus zu fotografieren.

   Ich möchte Ihnen noch kurz die Beweggründe darstellen: Ich halte es für unabdingbar, mich mit meiner Kultur auseinanderzusetzen. Die Schönheit, die es in unserer Steiermark gibt, ist einzigartig. Mein Ziel ist es, auch nicht so Bekanntes vorzustellen, um die Vielfalt aufzuzeigen. Ich würde mich freuen, wenn Sie meinen Artikeln folgen, noch interessanter allerdings ist es, sich in`s Auto zu setzen und vor Ort die Eindrücke und kulturellen Höhepunkte eines Landes zu genießen.  

   Ich schließe hinter mir die Türe mit den wunderbaren Beschlägen und kehre zurück in`s.....

Das Bild oben ist bemerkenswert: Es zeigt Christus mit einer weiß gekleideten Frau. Wie sich herausstellen wird, haben sich dieses Themas später als Konrad von Friesach auch Künstler wie Lukas Cranach der Ältere, Tizian und Breugel angenommen.

   Jesus aber ging nach dem Ölberg. Frühmorgens aber kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm; und er setzte sich und lehrte sie. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du? Dies aber sagten sie, ihn zu versuchen, damit sie etwas hätten, um ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. (Johannes 8.1 - 7)

    Diese Begebenheit ereignete sich natürlich vor dem Einzug in Jerusalem. Das Grundsätzliche: Die Situation beschreibt eine Konfrontation zwischen Jesus und den Schriftgelehrten und Pharisäern zu der Frage, ob eine Frau, die soeben beim Ehebruch erwischt wurde, gesteinigt werden muss. Diese sehen wir hier rechts im Bild. Auch bei der Darstellung von Pieter Breugel d.Ä., 100 Jahre später, sehen wir, wie sich Christus vor den Schriftgelehrten bückt, jedoch nicht aus Demut, sondern um die Aufforderung: „Wer von Euch...“ auf den Boden zu schreiben. Auf diesem Bild sehen wir sogar den Stein, auf den Christus nicht nur zeigt, sondern indem er sich danach bückt, seine Worte „bildhaft“ macht und  Nachdruck verleiht!

   Damit überrascht  uns Konrad von Friesach abermals in der Kunstgeschichte: Szenen im Passionszyklus, die nicht „hineingehören“. So wie die übernächste.


Lukas - Kapitel 21: Das Scherflein der Witwe


Er sah aber auf und schaute die Reichen, wie sie ihre Opfer einlegten in den Gotteskasten. Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein. Und er sprach: Wahrlich ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr denn sie alle eingelegt. Denn diese alle haben aus ihrem Überfluß eingelegt zu dem Opfer Gottes; sie aber hat von ihrer Armut alle ihre Nahrung, die sie hatte, eingelegt.

   Dieses Thema der Opferbereitschaft ist in dieser Form in der Kunstgeschichte ein sehr seltenes. Umso beachtenswerter, dass Konrad von Friesach es umgesetzt hat. In einer sehr lebendigen und damit eindringlichen Form! Es hat sich zwischen dem Einzug und dem Abendmahl zugetragen, Jesus erläutert den Aposteln, dass das Opfer der Witwe in Relation zu ihrer Armut sehr groß ist. Christus betont die Größe dieser Gabe dadurch, dass er auf die Witwe zeigt. Jedoch ist der Blick der Frau abgewendet, sie ist sich gar nicht bewußt, beobachtet zu werden. Die Gabe dieser Frau, die dafür keinen Dank erwartet und erhält, weil sie aus ehrlicher Nächstenliebe handelt, ist bewundernswert. Und somit schließt sich der Kreis zu den Eingangs erwähnten Worten: Ein bisschen weniger weltlich wäre oft angebracht!

   Auch die daran anschließende Szene, links, leider durch die „sensible“ Anordnung der Pilaster nur fragmentarisch vorhanden, des gebundenen Christus paßt grundsätzlich nicht in den Passionszyklus, nicht in die Abfolge des Passionszyklus. Wir dürfen hier ohne zu zögern von gewissen „Freiheiten“ des Künstlers sprechen. Was er damit bezwecken wollte - wer weiß?


 

Das Scherflein der Witwe

Dekorationselemente um den Freskenzyklus

Der gebundene Christus

Die Fußwaschung und die Gefangennahme Christi