Ganzstoa Teufln

Furchterregend sind sie mit Sicherheit, bringen aber auch das Gefühl von Kindheit zurück. Als es bei uns noch nicht „unkorrekt“ war, zu Nikolo und Krampus erschreckt zu werden. Weil es „keine anderen Gefühle verletzte“ durfte der Nikolo und der böse Krampus zu uns!  Geradezu entgegengefiebert haben wir dem Tag, weil wir annehmen konnten, dass am Ende des Schreckens ein gefülltes Nikolosackerl unser war. Mit einem nach Butter und einem Anflug nach Zitrone duftenden Teigkramperl, mit Erdnüssen und Mandarinen, ein wenig Schokolade und ganz wenig Marzipan … Mein lieber Schwan, hat sich das Fürchten ausgezahlt! Seither liebe ich Marzipan! Wenn im Bad die rot glühende Wärmelampe anging und die Kette zu rasseln. Die Vergangenheit holt einen nicht immer ein, aber die schönen Erinnerungen bleiben.

Wir haben nicht nur um diese aufzufrischen, sondern aus Anlass der Messe Mürzzuschlag die Ganzstoa Teufln besucht, um einen etwas anderen Messeteilnehmer zu präsentieren. Es war spannend und ein bisschen „grusig“ wie die Voralberger sagen. Gesagt haben Manu Handler, Obfrau der Ganzstoa Teufln und Christian Schnepf so einiges Interessantes.

DMP: Ihr seid mit Eurer Ausstellung bei der Messe schon viele Jahre präsent?


Manu Handler: Wir wechseln alle zwei Jahre die Messe in den Kellerräumen mit dem Lauf in Mürzzuschlag ab. Alle zwei Jahre ist eh schon etwas besonderes - lacht.


DMP: Seid ihr eigentlich Perchten oder Teufel?


Manu: Krampusse.


DMP: Auf Eurer homepage stehen mehrere Ausdrücke.


Manu: Unser ursprünglicher Name ist: Ganzstoa Teufln; Andere Bezeichnugen beziehen sich immer auf das Ursprungsland und die Herkunft. Dadurch dass wir in der Nähe des Ganztals mit dem Ganzstein sind - einem wunderbaren Symbol für diese Gegend - heissen wir die Ganzstoa Teufln.


DMP: Viele dieser Traditionen kommen auch aus den Bergen.


Manu: Sehr viele beziehen sich auf die Berge, einige benennen sich auch nach Flüssen. Man bezieht sich halt grundsätzlich auf die Heimat!


DMP: Wie lange seit Ihr auf der Messe?


Manu: Unser Verein wurde im Jahre 2002 gegründet und damit hat auch die Messe und der Lauf in Mürzzuschlag begonnen. Es hat mit dem Krampuslauf klein angefangen,

dafür haben sich ein paar Freunde zusammengefunden - der Herr Haider hat das begründet - und daraus ist die Idee entstanden, eine Verein zu gründen.

DMP:  Bekommt ihr als Verein auch eine Förderung? Durch Aufrechterhalten eines Brauchtums?


Manu: Wir arbeiten mit der Stadtgemeinde Mürzzuschlag sehr gut zusammen. Jeder Verein bekommt auch die gleiche Förderung! Wenn wir irgendwas brauchen, oder veranstalten, sind sie sehr entgegenkommend!


DMP: Bringt Euch die Messe ausser der Präsenz etwas? Damit die Leute etwas schönes sehen können?


Manu: Hauptsächlich sollen die Leute etwas schönes zu Gesicht bekommen und die Kinder den Krampus noch als Brauch sehen und was dahinter steckt. Wir haben auf der Messe auch Schnitzer, Fellausstatter, wodurch die Kinder den Krampus nicht nur als Gestalt sehen sollen, sondern auch die großen Unterschiede kennenlernen können. Dazu haben wir auch siebzehn Gastgruppen hier, die sich freuen und ganz gerne kommen. Teilweise auch von weit her … aus Bad Ischl, die Seewaldteufeln aus St. Koloman aus Salzburg … Man lernt über die Vereine Freunde kennen und über die Zeit ist es ein wundergroßes Netzwerk geworden. Altmodisches facebook: man trifft sich persönlich!  Lacht. Und spricht auch miteinander!


DMP: Facebook hinter einer Maske hat einen besonderen Reiz. Seid ihr auch beim Krampuslauf in Kapellen dabei?


Manu: Da sind wir Gäste. In Mürzzuschlag veranstalten wir und laden andere ein. Dabei organisieren wir die Laufstrecke, die Gitter und auch die aftershow party, die für das gesellschaftliche da ist.


DMP: Bei den Perchtenläufen verwendet ihr viel Pyrotechnik. Ist das ein wichtiger Bestandteil geworden?


Manu: Da muss man klar unterscheiden zwischen Perchten - und Krampuslauf! Die Perchten sind die, die den Winter austreiben, die kommen in den Raunächten, die Krampusläufe sind davor! Knecht Ruprecht ist alleine unterwegs, wir Krampusse in Gruppen, auch als Begleiter des Nikolaus und laufen dadurch in der Adventszeit. Die Pyrotechnik selbst ist kein wichtiges Element, aber es gefällt den Leuten. Die Bengalen, die Lichteffekte und der Rauch ist einfach mystisch. Wenn vor der Gruppe eine Rauchfackel aufgeht und man durch den Rauch kommt, ist es beeindruckend! Und Show!


DMP: Sind Eure Masken für die Teufel Eigenkreationen?


Manu: Die aktuellen Masken sind wieder in rot gehalten, problematisch ist aber dass sich Brauchtum, Krampus und Percht bereits komplett vermischt. Deswegen haben wir entschieden, wieder das traditionelle aufzunehmen und seit drei Jahren haben wir die krampusüblichen roten Masken auf. Auch die Hörndln sind wieder dezenter.


DMP: Könnt ihr - auch mit den neueren Masken - überhaupt noch Angst erzeugen?


Manu: Es ist schon noch so, dass man auch im Bekanntenkreis das Wort Krampus nur erwähnen muss und die Leute fürchten sich. Das ist natürlich ein schönes Gefühl - lacht - weil noch ein gewisser Respekt entgegengebracht wird. Wirklich fürchten braucht sich bei den Läufen ja keiner, es ist ohnedies schon alles abgesperrt. Wenn man wirklich Angst vorm Krampus hat, kann man auch drei Reihen weiter hinten zuschauen, um mit ihm nicht in Berührung zu kommen. Aber die Angst ist nach wie vor im Menschen drinnen. Zum Glück. Bei Jugendlichen ist die Angst eher geschwunden, aber auch der Respekt.


DMP: Gibt es auch ein Stadt - Landgefälle?


Manu: Auf alle Fälle! In Wien und Wiener Neustadt erlebt man schon einiges, das dann leider nicht mehr ganz so schön ist. Es ändert sich dann die Angst, der Krampus bekommt dann vor den Menschen Angst! - Lacht!


DMP: Wie aufwendig sind Eure Masken?


Christian Schnepf: Die Herstellung dauert heutzutage durch die Werkzeuge etwa einen Tag.


DMP: Was heißt durch die Werkzeuge?


Christian: Man verwendet die selben Holzarten, aber für das Aushölen, das früher händisch gemacht wurde, hat man bereits Maschinen. Es gibt eine Scheibe für die Flex. Stark geändert haben sich die Formen, viele geben den Masken menschliche Züge. Auch ganz feine Falten arbeiten einige hinein. Die stärkste Änderung aber ist das Gewicht und die Wandstärke der Masken. Sie sind wesentlich dünner und leichter geworden.


DMP: Welches Holz verwendet ihr dafür?


Christian: Unser Schnitzer ist aus Rottenmann, ich nehme an, dass das Holz auch von dort kommt. Meistens ist es Zirbe.

Manu: Meistens ist es Zirbe, manchmal verwendet man auch Lärche.

Christian: Unser Schnitzer, der Marchner Chri, war früher in einer Krampusgruppe, in der er das Schnitzen gelernt hat. Er hat dann mit ein paar Freunden eine eigene Gruppe gegründet und seither ist er in die Fußstapfen getreten.


DMP: Ihr versteigert ja auch auf der Messe eine Maske, die dort vor Ort angefertigt wird, für einen karitativen Zweck!


Manu: Auf das Schnitzen der Maske in der Ausstellung sind wir auch stolz. Früher war es eine Gemeinschaftsarbeit auf einem Schnitzbock. Jeder konnte dann seine Idee in die Maske einbringen, die dadurch natürlich ein einzigartiges Objekt geworden ist. Zugunsten der Lebenshilfe Mürzzuschlag haben wir die erste versteigert. Auch heuer wird es so eine Aktion geben, weil es eigentlich schon Tradition geworden ist. Vor zwei Jahren kam die Idee einer Verlosung mit einem Losverkauf, wodurch ein Gewinn von rund Tausend Euro erzielt werden konnte. Das wollen wir beibehalten.


DMP: Die Maske, wenn fünf Schnitzer daran arbeiten, ist sicher einzigartig. Erkennt man in der Maske auch den Stil des Einzelnen?


Manu: Es hat wirklich jeder seinen eigenen Stil.  

Christian: Hier die Masken in der unteren Reihe - zeigt darauf - hat einer der bekanntesten Schnitzer, der Miguel Walch aus Tirol gemacht. Er schnitzt sehr „menschlich“. Ich glaube, dass für einen Laien fast jede Maske gleich ausschaut, aber mit wachsendem Interesse bekommt man einen Blick dafür. Bei unseren Masken, vom Marchner Chri, liegt ein Hauptaugenmerk auf den Wangenknochen, die herausschauen.

DMP: Es ist anzunehmen, dass es Auflagen für die Krampusläufe gibt.


Manu: Eine lange Liste … lacht. Unsere Veranstaltungen sind ja ein bisschen anders. Durch die Feuer und die Bengalen auch mit einem gewissen Gefahrenpotential verbunden. Alleine bei der Feuerwehr brauchen wir die fünffache Anzahl an Feuerwehrleuten, in der Laufstrecke sind zwanzig Ordner, wobei wir selber natürlich auf die Sicherheit fokusiert sind. Das kostet auch ein Vermögen, aber die Sicherheit geht vor.

Christian: Viele Leute wollen sich etwas raushandeln, bei zig Tausend Zuschauern kommt es auch vor, dass eine Körperverletzung behauptet wird. Oder dass das Handy kaputt geworden ist.  Das macht dann auch keinen Spaß mehr … Aber das wollen wir natürlich vermeiden.


DMP: Da gibt es dann den Ehrenkodex für Teufel, dass einer dem anderen zu Hilfe kommt?


Manu: Nein. Aber: Es gibt den Ehrenkodex, dass Krampusse nicht vor dem 11. November, dem Faschingsbeginn laufen. Wir wollen damit verhindern, dass alles durchmischt wird. Heuer war am 3. November ein Lauf, zu Halloween sind Krampusse unterwegs, genau das wollen wir unbedingt vermeiden. Der Ehrenkodex ist das Weiterführen des Brauchtums. Dahingehend ist die Entwicklung traurig, weil Krampusse sogar schon zu Fasching gesehen werden. Der Krampus soll der Krampus bleiben!  Wenn der Krampus zum Fasching kommt, verlieren leider die Kinder viel.


DMP: À propos Nikolo: Bietet ihr das im Dezember auch an?


Manu: Ja, nur am 5. Und 6. Dezember machen wir mit dem Nikolaus Hausbesuche. Wir können gerne gebucht werden ist auf Basis einer freiwilligen Spende. Wir machen es für die Kinder, die sich wahnsinnig freuen und strahlen, wenn der Nikolaus kommt und weinen, wenn die zwei Krampusse dahinter stehen … das ist das Schöne am Brauchtum.  


DMP: Danke für das Gespräch!

„… wodurch die Kinder den Krampus nicht nur als Gestalt sehen sollen …“



Die einzelnen Stile der Schnitzer lernt man erst mit der zeit kennen.

Die aktuellsten Masken der Ganzstoa Teufln: Traditionell wieder in „teuflischrot“ gehalten.

„ … und die Leute fürchten sich. Das ist natürlich ein schönes Gefühl!“

Hier gibt es nichts zu lachen!

Stark geändert haben sich die Formen, viele geben den Masken menschliche Züge.“

Wie oft das menschliche dem teuflischen gleicht …