Fabio

Der Autorennsport zieht - wie Zuschauerzahlen beweisen - viele in seinen Bann. Meist vor den Fernsehern am Sonntag oder live als Zuschauer bei nationalen und internationalen Veranstaltungen. Doch ist es für Rennfahrer ein weiter Weg, der oft abseits von Öffentlichkeit und Erfolg führt. Umso erstaunlicher ist der Einblick, den uns Fabio Becvar aus Neuberg an der Mürz in seiner ersten Rennsaison - die übrigens beachtenswert erfolgreich verlaufen ist - gewährt. Vielleicht wird es in Zukunft nichts Ungewöhnliches sein, eine Entwicklung von der Playstation hin zum Rennbetrieb zu nehmen. Vielleicht wird es nichts Ungewöhnliches sein, ein Talent aus dem Wohnzimmer auf den Ring zu bringen. Im Punktemittelfeld angesiedelt, hat Fabio sein heuer fünftes und letztes Rennen am 12. - 14. Oktober am Red Bull Ring im Suzuki Cup für das Team Schiessling Racing bestritten.

Wir waren am Ring dabei und haben jede Perspektive, von der Westtribüne bis zur Boxengasse probiert. Das Erlebnis live einem Motorsportevent beizuwohnen ist ein beeindruckendes - und ein sehr lautes. Zwischen höchster Konzentration und Anspannung vor dem Start und ausgelassenem Jubel nach einem erfolgreichem Rennen, zwischen Freude und Enttäuschung, das Rennwochenende in Zeltweg hat alles geboten. Folgen Sie uns durch die Höhepunkte des Sonntags, an dem der Histocup und der Suzukicup ihr Saisonende fanden.

  

DMP: Wie bist Du zum Rennsport gekommen? Du hast ja sicherlich nicht erst voriges Jahr begonnen.

Fabio Becvar:  Doch!     - Pause   - "In echt" schon.  - Lacht -   Im Alter von  vier Jahren haben mir meine Brüder eine Play Station gebracht. Ich habe damals sehr viel Zeit mit dem Spiel Gran Turismo (Anm.: Spiel des Genre Rennsimulation) verbracht. Immer wieder habe ich die neuesten Teile gekauft und vor kurzem ein Lenkrad dazu, damit es ein bisschen lustiger wird. Zum Spaß habe ich auch im Internet recherchiert, wie man Rennfahrer werden kann. -  Einfach so!

DMP: Du hast auf Google eingegeben: "Wie werde ich Rennfahrer?"

Fabio: Ich habe einen Youtube Kanal gekannt, auf dem sich ein Rennfahrer Videos von seinen Abonnenten angeschaut hat, die auf der Play Station Rundenzeiten gefahren sind. Und er hat aus der Sicht eines Profis dazu Meldungen gebracht, ob die Runden gepaßt haben und wie gut sie waren. Daraufhin hat er ein eigenes Video zum Thema "Einstieg in den Rennsport" gemacht. Ich habe dann recherchiert, welche Rennteams es gibt und bin auf der Seite des Formel 1 Club Austria auf ein Casting gestoßen. Geregelt ist es so, dass man ab 14 Jahren Tourenwagen fahren darf. Dort habe ich gefragt, ob ich einmal mitfahren kann. Vielleicht wird es ja etwas.

DMP: Mit einem privaten Fahrzeug?

Fabio: Das Auto wurde zur Verfügung gestellt, weil es ein Cup ist. Ich habe mich dann angemeldet und bin vorher dreimal privat mit dem Sharan gefahren, um anfahren und schalten zu lernen. Dann kam das Casting.

DMP: Das war voriges Jahr?  - großes Erstaunen - Du bist zum ersten Mal 2017 in einem Auto gesessen und hast schalten geübt?  

Elfriede Becvar: Gokart bist du davor auch zweimal gefahren.

 

Fabio: Das hat mich aber nicht sehr interessiert! Ich bin dann dort zum Casting in Melk gekommen und war der Einzige ohne Führerschein. Die erste Schwierigkeit war es, aus der Box zu kommen. Es war ein schwerer Start, aber ich habe es einfach probiert. Jeder hat dann seine paar Runden gedreht, dann war eine Pause und der Teamchef hat sich zu jedem kurz geäußert. Bei mir hat nicht viel gepaßt, aber falsch gemacht habe ich auch nicht allzuviel. Am eigentlichen Castingtag eine Woche später wurde die Teilnehmerliste veröffentlicht und ich war dabei.


Elfriede Becvar: Im Zuge der Auswertung warst Du sehr gut, einer der Besten. Sie haben dann um ein Gespräch angefragt.


Fabio: Genau. Wir haben uns  in Langenwang mit dem Teamchef getroffen.


„ … und bin 2017 dreimal mit dem Sharan gefahren, um anfahren und schalten zu lernen.”

Fabio in Rennvorbereitung und rechts (Foto: Suzuki Cup) im seriennahen Suzuki. Noch.

 

DMP: Das ist recht erstaunlich und klingt nach Talent.

Fabio: In Maranello /Italien bin ich an einem F1 Simulator gesessen ...

Elfriede Becvar: Das hat er wirklich toll gemacht ...

Fabio: Das ist schon super gegangen.


DMP: Und dann bist Du heuer das erste Rennen gefahren.

Fabio: Zunächst habe ich natürlich das Schalten genau lernen müssen, weil anfangs hat es schon ein bisschen gekrächtzt. Dazu sind wir dann zu einer Veranstaltung vom BMW Club an den Pannonia Ring gefahren. Das war kein Rennen, einfach nur fahren. Wenn ich mir heute die Aufnahmen davon anschaue, denke ich mir, "was bin ich damals z`samm gefahren!" Es ist gegangen, aber es war eher schlecht. Zweimal bin ich in das Kiesbett geflogen, aber der Teamchef war zufrieden mit mir.


DMP: Von welchem Team sprichst Du?

Fabio: Team Schiessling Racing - wo ich jetzt auch bin. Der Chef vom Club Austria, Robert Wagner, ist mit Alex Schiessling befreundet. Er sorgt dafür, dass die Jungen vom Kart zum Rennfahren kommen. Er organisiert das Casting und der Alex hat ihn mit den Autos unterstützt. Für das zweite Training war ich mit meinem Vater in Brünn und einmal am Salzburgring. Da konnte ich dann schon gut mit den Zeiten mithalten. Ich habe auch vom Casting einen Kollegen gehabt, der bereits den Führereschein gehabt hat, mit dem konnte ich von der Zeit her ebenfalls mithalten.

Elfriede Becvar: Logisch ist, dass er noch nicht ganz vorne mitfahren kann, aber schön langsam ... rückt er nach vorn.


DMP: Wie sehen die Trainings im Team aus? Wie geht es weiter?

Fabio: Der Chef, der Alex Schiessling, ist anfangs immer mit mir am Beifahrersitz mitgefahren und hat angesagt, was ich machen soll. Alleine bin ich das erste Mal am Salzburgring gefahren, weil er keine Zeit gehabt hat. Das hat grundsätzlich gut funktioniert. Wir haben auch ein GPS Gerät im Auto, das die G- Kräfte und Lenkbewegungen mißt. Am Abend schauen wir uns von der Go Pro Kamera die Videos an und werten sie mit den Daten aus.

Elfriede Becvar: Nach dem Training analysiert ihr dann jedesmal.

Fabio: Anfangs sind wir auch noch ausserhalb der Renntage zum Ring gefahren, jetzt genügt das Training davor.


“Wenn ich mir heute die Aufnahmen davon anschaue, denke ich mir, "was bin ich damals z`samm gefahren!"

Fabio Becvar in der prachtvollen Umgebung des Mürztales.

DMP: Wie sieht das konkret für Dich an dem kommenden Rennwochenende aus?

Fabio: Jede Rennserie hat eine vorgegebene Trainingszeit.

Elfriede Becvar: Sonst hat man keine Möglichkeit zu trainieren und man lernt dabei auch die Strecke kennen.

Fabio: Speziell in Spielberg kann man ausserhalb der Bewerbe wegen der Regelungen nicht fahren.

Elfriede Becvar: Der Hungaroring, eine F1 Strecke, ist zum Beispiel sehr beliebt für Trainings, weil auch der Preis in Ordnung ist. Den Red Bull Ring und den Salzburgring bekommt man nur sehr schwierig. Nachdem der finanzielle Aufwand auch eine Rolle spielt, suchen wir natürlich nach Sponsoren. Hauptsponsor ist in dieser Saison der Papa. Ein bisschen was kam von der Initiative "I believe in you" der Sporthilfe, es ist aber eher schwierig. Die Abwicklung über die Kreditkarte mit Handy oder Computer ist für die Leute leider etwas kompliziert ... Ein Hauptsponsor wäre natürlich fantastisch!

DMP: Einen Sponsor bekommt man nicht auch über das Team?

Elfriede Becvar: Nein, darum muß man sich selber kümmern. Das wurde auch gleich beim Casting gesagt: Wer Rennfahrer werden möchte, soll gleich einmal eine Liste mit Sponsoren erstellen und sie gleich selber aufsuchen. Ohne Geld geht es in diesem Sport nicht.

DMP: Das stelle ich mir sehr mühsam und schwierig vor!

Elfriede Becvar: Das ist es! Im Team war auch ein ganz toller, junger Rennfahrer, der sich aber nur zwei Rennen leisten konnte. Sehr Schade.

Fabio: Das Team Wimmer ist zum Beispiel viel größer, die fahren auch im LMP 3 (Anm.: LMP 3: Le Mans Prototyp mit genau definiertem technischen Reglement). Das ist unbezahlbar! Das Team Schiessling fährt den Suzukicup und Rallycross. Die Firma selbst ist in der Werbetechnik.

Elfriede Becvar: Und sie stellen alles zur Verfügung. Wir müssen natürlich die Reifen und die Bremsen zahlen und wenn im Rennen etwas wie ein Überschlag passiert und das Auto kaputt ist, ist die Saison vorbei. Zu Fabio: Du hast Gott sei Dank nur deine Dellen drinnen, die man reparieren kann.


„Das wurde auch gleich beim Casting gesagt: Wer Rennfahrer werden möchte, soll gleich einmal eine Liste mit Sponsoren erstellen …”

Hauptsponsor noch gesucht: Die Werbefläche des gesamten Rennfahrzeuges steht zur Verfügung. Wer am Volant sitzt, steht schon drauf! Foto: Suzuki Cup.

DMP: Du bist zur Zeit im Cup im Mittelfeld gelegen. Ein paar Punkte stehen auf Deinem Konto. Bist Du zufrieden?

Fabio: Auf jeden Fall! Ich habe eigentlich erwartet, ganz hinten herumzugurken und keine Chance zu haben. So gut mitzufahren hat mich selber überrascht!


DMP: Du bist ja auch noch der Jüngste im Cup?

Fabio: In der österreichischen Wertung schon, in der ungarischen gibt es noch Jüngere.


DMP: Der Reiz des Rennfahrens ist das Adrenalin? Bist Du ehrgeizig?

Fabio: Es geht darum im Rennen konstant zu bleiben. Und schwierige Situationen haben bei mir immer geklappt! In dem Moment, in dem ich eine Entscheidung brauche, funktioniert es. Wie auch beim Start. Die Aufstellung dafür wird im Qualifying ermittelt.


DMP: Wie lange dauert ein Rennen?

Fabio: 25 Minuten plus eine Runde.


DMP: Was gibt es zum Auto zu sagen?

Fabio: Es ist sehr seriennah. Wir fahren dadurch mit dem Serienmotor - wie der Standard Swift Motor mit 140 PS - der nur vom Katalysator weg verändert ist. Das Fahrwerk ist ein KW Gewindefahrwerk (Anm.: erlaubt eine Verstellung der Bodenfreiheit mittels Gewinde am Federbein) - das ist ein sehr gutes! Bremsen sind auch die normalen, vom Innenraum ist alles, was man nicht braucht draussen und in Leichtbauweise. Das Auto wiegt in Summe 700 kg.


DMP: Welcher Ring gefällt Dir am besten?

Fabio: Eigentlich der Hungaroring, weil ich ihn schon kenne. Aber auch Brünn.


DMP: Welche Art von Ring fährst Du am liebsten?

Fabio: Eigentlich ist es während des Rennens egal - da schaut man nur, dass man am Vorderen vorbeikommt.


Elfriede Becvar: Fabio läuft auch mit seinem Papa und einem Rennfahrerkollegen den Ring vor dem Rennen ab. Das ist wichtig, den Ring so zu sehen. Wie die Kurven hängen, das bringt sehr viel.


DMP: Welche Witterung magst Du - oder eben nicht?

Fabio: Lacht. Wir haben noch keinen Regen gehabt. Da bin ich selber gespannt, wie es sein wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!



DMP: Worauf achtest Du im Testbetrieb beim Auto? Geschwindigkeit?

Fabio: Bis jetzt waren die Trainings darauf ausgelegt, Routine zu bekommen. Sonst braucht man für jede Strecke ein eigenes Setup, um das Auto an`s  Limit zu bringen und eine gute Zeit fahren zu können.


DMP: Was genau ist das Set up?

Fabio: Bei uns geht es am dringlichsten um die Härte der Stoßdämpfer. Jede Strecke hat verschiedene Kurven und unterschiedlichen Belag. Ein häufiges Problem auf den unterschiedlichen Strecken ist, das das Heck hupft. Das spricht man mit dem Mechaniker ab, der es weicher oder härter stellt. Sonst verliert man gerade in den Kurven viel Zeit.


DMP: Welche Ziele hast Du für heuer und das nächste Jahr?

Fabio: Mein Teamchef hat mich darauf angesprochen, ob ich im Winter mit dem Clio 4 trainiere. Das ist die nächst stärkere Klasse mit 220 PS und sequentiellem Getriebe (Anm.: es kann nur jeweils in den nächsthöheren oder nächstniedrigeren Gang geschalten werden, man kann keine Gänge übersprimgen!). Es wäre fantastisch, wenn  ich da mitfahren könnte.


„Ich habe eigentlich erwartet, ganz hinten herumzugurken ... So gut mitzufahren hat mich selber überrascht!”

Links: Fabio Becvar vom Team Schiessling Racing, gestartet im hinteren Drittel des Feldes, konnte sich nach konstanter Leistung über weitere Punkte freuen und beendete seine erste Rennsaison auf dem durchaus erfolgreichen achten Platz der Österreichwertung des Suzukicups. Wir gratulieren und hoffen in der nächste Saison auf weitere Erfolge, die es zu bejubeln gibt.

Rechtes Bild: Aus dem Histocup das für mich sehenswerteste Fahrzeug. Ein Triumph Spitfire Mk3. Gelenkt vom Schweizer Peter Lüthi.

Oben: Dieses Auto des ungarischen Teams oxxomotorsport macht den Eindruck, als ob es von einem Stier gerammt worden wäre. Wir hoffen natürlich, dass der Überschlag des ungarischen Fahrers gleich am Beginn des ersten Renndurchganges glimpflich ausgegangen ist und wünschen natürlich alles Gute!

Der Lärm während eines Rennens ist ohrenbetäubend. Auch darum waren wir dort. Wir wurden nicht enttäuscht. Er hat für kurze Zeit - bis ungefähr fünf Stunden nach dem letzten Rennen - mein Ohrengeräusch überlagert. Aus einem Klingeln wurde ein subtiles, fein abgestuftes Dröhnen. Mit Quinten darüber! Und um Ihnen einen kleinen Eindruck zu vermitteln, möchte ich Ihnen den Film unten ans Herz legen. Das wichtigste daran: Schalten Sie den Ton auf Höchststufe, erst wenn das Umfeld leicht vibriert, haben Sie Rennatmosphäre! Und: Sollten Sie zwischen den einzelnen Szenen Vogelgezwitscher hören, gehen Sie nicht gleich zum Arzt, es könnte beabsichtigt sein! Viel Vergnügen.