Sturm, Sturm und …

Wir müssen uns der Verantwortung stellen, saisonal, lokal und aktuell zu sein. Alleine das wahnsinnig lustige Wortspiel im Herbst mit Sturm verpflichtet zu verkosten und natürlich auch darüber zu schreiben.        Ja, das ist interessant. Der Konsum von Sturm liegt zwar in Österreich weit hinter dem von Bier, aber es ist ein klassisches                 Getränk mit langer Tradition. Es ist bereits leicht bis mittel alkoholisch und hat das volle natürliche Traubenaroma, oder soll es zumindest haben. Deswegen müssen wir probieren. Und noch eines: das hat alles nichts mit persönlichem Geschmack oder Vorliebe zu tun, wir kosten nebeneinander und objektiver als ein Journalist geht ja nicht!

Oben rechts sehen Sie bereits unsere Probanden aus 3 gängigen Supermärkten: Spar, Hofer, Billa; Jeweils ein Flasche weisser Sturm und eine Flasche roter Sturm; Die Frage der Gläser hat sich nicht gestellt.

§ 7 des Weingesetzes 2009 in Österreich: Teilweise gegorener Traubenmost … darf als Sturm für den unmittelbaren menschlichen Verbrauch in Verkehr gebracht werden, wenn er ausschliesslich aus Trauben stammt, die in Österreich geerntet und verarbeitet wurden. Ein Inverkehrbringen darf zwischen 1. August und 31. Dezember des jeweiligen Erntejahres erfolgen, solange sich das Erzeugnis im Zustand der Gärung befindet. Die Gärung darf jedoch im Zuge der Behandlung gehemmt oder unterbrochen und vor der Abgabe an den Verbraucher wieder eingeleitet werden.

Der Begriff „Sturm“ ist ein traditioneller Begriff …  hinsichtlich der geschützten Ursprungsbezeichnungen und geographischen Angaben, der traditionellen Begriffe sowie der Kennzeichnung und Aufmachung bestimmter Weinbauerzeugnisse, … Er ersetzt die gemeinschaftsrechtliche Verkehrsbezeichnung „teilweise gegorener Traubenmost g.g.A.“ mit einer geographischen Angabe … Die Herkunft der Trauben für „Sturm“ sind die Weinbauregionen Weinland, Steirerland oder Bergland. Sturm darf einen Gesamtalkoholgehalt von höchstens 13,5% vol. (weiß) bzw. 14,5% vol. (rot) aufweisen.

Soweit die gesetzlichen Bestimmungen, deswegen gleich zu den Etiketten der Probanden. Jedoch fasse ich - die positiven - zusammen:

- Spar gibt beim weißen Sturm an: Österreichischer Sturm … aus frischen österreichischen Trauben. Abfüller F&S, Regele Österreich. A - 8461 Ehrenhausen.

- Hofer gibt beim „Schilcher Sturm“ an: Steirerland, frisch gepresst, Vertrieb Pewal Weine Handels GmbH, A - 8442 Kitzeck.

Bei allen Produkten aller Handelsketten stösst man beim Abfüller auf den Namen Schneeberger, oder Abfüller Nr. 2990831; jedenfalls aber immer auf die Postleitzahl  A- 8451.

Die gesetzlichen Voraussetzungen kennen wir bereits, was aber ist Sturm, wie wird er hergestellt? Wir wollen etwas Licht hineinbringen, bevor wir mit der Verkostung beginnen. Ein durch das Keltern (pressen) gewonnener und noch wenig vergorener Fruchtsaft (aus Äpfeln, Birnen oder Weintrauben) wird Most genannt und hat einen Alkoholgehalt von ca. 4-5 Prozent. Dieser Most hat noch relativ viel Zucker, welcher erst beim Gärungsprozess zu Alkohol umgewandelt wird. Ich gebe beispielsweise meinem Apfelmost Zucker und Hefe bei, damit ein höherer Alkoholgehalt erzielt wird und damit die Haltbarkeit steigt.  Bei uns in der Steiermark gibt es eine Faustregel: der Most hält bis zur nächsten Blüte. Bis dahin ist der Zucker durch den Gärvorgang umgesetzt, danach verdirbt der Most. Das Wort Most leitet sich vom lateinischen mustum ab: junger Wein.  Most ist ein leicht alkoholischer Fruchtsaft, wogegen Sturm bereits ein Jungwein im frühen Gärungsprozess ist. Der Unterschied zwischen Sturm und Most liegt eigentlich nur im Alkoholgehalt. Nun aber ran an den Stoff!

Die drei Probanden in alphabetischer Reihe der Anbieter:


Billa (am Foto mittig und links mittig) tritt an:

- Sturm aus Österreich, Weinland- weiß

- Sturm aus Österreich, Weinland -rot



Hofer (am Foto rechts aussen und hinten) tritt an:

- Der Frische - weiß

- Schilcher Sturm


Spar - Pimeshofer aus Neuberg an der Mürz (am Foto ganz links und hinten)  tritt an:

- Österreichischer Sturm … aus frischen österreichischen Weintrauben - weiß

- Schneeberger roter Sturm - klar!


Die Verkostung war klassisch ausgerichtet auf Farbe und Mousseux, Geruch und Geschmack. Der Übersicht wegen habe ich die Einteilung in weiß und rot getroffen und in Spalten übersichtlich unterteilt! Die Umweltbedingungen: Gekühlt in der Nacht im Freien, bis 10 Uhr bei ca. + 2°C, dann sonnig bei stetem Temperaturanstieg bis 15 Uhr auf ca. + 15°C, während der Fotos bei Zimmertemperatur ca. + 19°C. Getrunken unter Tag gegen Abend hin.

So schön ist der Herbst und so gut schmeckt er:

               Die letzten Rosen, der erste Sturm.

Billa, Mürzzuschlag: Die Farbe ist hell und leicht abgetönt mit wenigstens Erinnerungswert an Trauben. Kann aber auch Apfel sein?

Geruch: Nach der Fotosession kaum mehr vorhanden!

Geschmack: Als erster probiert, bringt dieser Sturm ein verstecktes Prickeln sehr angenehm auf die Zunge, alkoholisch annehmbar, aber nicht fruchtig.

Hofer, Mürzzuschlag: Dieser Sturm bringt die hellste Tönung mit, mit klassischer Traubenfarbe.

Der traubige Geschmack ist angenehm, vornehm zurückhaltend, aber präsent.

Still verhalten und zu süss ist der Geschmack man ahnt, dass das Getränk aus Früchten hergestellt ist, aus Trauben? Viel Fruchtsüße, aber nicht definiert!

Spar - Pimeshofer, Neuberg: Eine kräftige Traubenfarbe, die beeindruckt. Tief, in`s Pfirsich gehende gefällige Farbe.

Der kräftigste Probandengeruch, ein leichter und angenehmer Anflug an Gärung vermischt mit fetten Traubenaroma.

Es entfaltet sich reiner, purer Traubengeschmack, der ein direkt olfaktorisch bedingtes Gefälligkeits Mmhh auslöst. Das Maß der Weißen, dessen Geschmack bis zum nächsten Schluck hält.  

Billa, Mürzzuschlag: Tief ist die Farbe, aggressiv und rotweinig. Wie auch beim weißen ist der Eindruck nach Färbung da.

Der Geruch hält sich zu stark zurück, die stärkste Note ist das Gäraroma, mit wenig und nur zu erratender Frucht.

Auf Zunge und Gaumen ist der Geschmack nur zu erahnen.

Die Weißen

Die Roten

Hofer, Mürzzuschlag: Der Schilcher kriegt gerade noch die Kurve in der Farbe und gefällt durch die Sturheit sich abzusetzen; auf der Zielgeraden.

Der Geruch steigt wild in die Nase und hat einen merkwürdig leichten Anklang an Misthaufen. Er lässt nicht nach.

Hilfe geht einem beim Geschmack durch den Kopf! Alkopop? Brausepulver? Ein verrückter erster Eindruck, der einen angenehm frischen Geschmack auf der ganzen Zunge weckt. Hat eindeutig das Zeug zum „Ingetränk“ - aber nur für Wiener!


Spar - Pimeshofer, Neuberg: Die Farbe bezeugt ein mittleres Dunkel, mit ansprechendem Mousseux: der Sturm macht dadurch einen lebendigen und frischen Eindruck.

Als dezent kann man den Geruch beschreiben, Zurückhaltung, die doch das Versprechen nach Geschmack in sich trägt. Diesen Sturm trinkt man nicht, man beißt in eine Traube! Mahlzeit! Es ist mehr Traubensaft als Gärprodukt, noch etwas wenig Prickeln auf der Zunge, aber Gnade uns Gott, wenn das noch wird … Auf jeden Fall mit Abstand der beste Sturm.

Bevor es zur Jause geht: es folgt noch - rechts die Verkostung der roten. Am Foto sehen Sie die eindeutigen Sieger: Sturm weiß und rot mit großem Vorsprung vom Spar - Pimeshofer aus Neuberg.

Damit ergibt sich eine klare Wertung: Der weiße und rote Sturm von Spar - Pimeshofer in Neuberg war mit weitem Abstand der Beste! Dann reiht sich dahinter der Sturm von Hofer ein und keuchend und schleppend kommt noch der Billa Sturm herein. Dort ein Hochgenuss, da eine Blamage! Bis zur nächsten Verkostung!

Herbstgedanken


Die Wolken des Herbstes vergehen im Glas,

wie das schnelle Spiel des Sturms,

es schwillt und braust, umhüllt den Geist

und wie ein Neuanfang macht es mich still und glücklich.

Auch hält er mich fest in seinen grausen Tatzen,

verfängt mich träumend -

grinsend Fratzen erheben schnell mich an das Ende, vorwegnehmend die kalte Nacht.