Die Fahnen der Feuerwehren

Das Ausseerland


"Inmitten des Salzkammergutes, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft, jedoch geprägt von den widrigsten Wettersituationen des inneralpinen Raumes, hat sich - wie wohl jeder weiß - ein ganz besonderer Menschenschlag entwickelt, der gelernt hat, mit den vorherrschenden Gegebenheiten bestmöglich umzugehen."

So Bezirkshauptmann Dr. Josef Dick zum 125 jährigen Bestehen und Jubiläum der FF Grundlsee. Das war im Jahre 2015. damit ist die FF Grundlsee eine der jüngeren Feuerwehren im Ausseerland. Bad Aussee wurde im Jahre 1872 gegründet und Altaussee im Jahre 1877.

Die Geschichte der Region ist einmalig und natürlich ist auch die Entstehung der Feuerwehren eng an die Bedürfnisse und wirtschaftlichen Errungenschaften - in diesem Fall die Salinen des Gebietes - gebunden. So eigen wie die Landschaft, so eigen wie die Bevölkerung - so eigen und großartig ist auch die Gestaltung der Feuerwehrfahnen in diesem Land. Diese gehören mit Sicherheit zu den handwerklich schönsten und kunstfertigsten Fahnen der Steiermark. In der Ausgestaltung und der Fertigung. Kunst im eigentlichen Sinn.

Ein kurzer Blick in die original erhaltene Urkunde über die Fahne der freiwilligen Feuerwehr Altaussee zeigt den Stellenwert, den die Feuewehr damals schon genoß. Gewidmet von Gräfin Marie Schönborn Wiesentheid wohnten dieser Fahnenzeremonie unter anderem bei: Prinz Moritz und Prinzessin zu Hohenlohe Schillingsfürst, Arthur Graf Schönborn, Graf E. Kesselstatt, usw. usw. Das rührt natürlich durch die Nähe zu Bad Ischl her, wo Kaiser Franz Josef die Sommermonate verbrachte. In der Festschrift zum 100- jährigen Bestehen der FF Bad Aussee ist dazu zu entnehmen: In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden einige Salzkammergutorte bevorzugte Sommerfrischen der vornehmen Gesellschaft.  Ariostokraten und reiche Bürger der Monarchie folgten seinem Beispiel (Anm: Kaiser franz Josef) und haben auch Aussee als Ferienort gewählt.


Dieser phantastische Kontrast gibt dem Ausseergebiet seine Unverwechselbarkeit. Berge und Seen im Sommer. Seen und Berge im Winter. Im Bild der Altausseer See und ein Blick gegen Norden. Es ist nicht weiters verwunderlich, dass gerade dieses Gebiet Österreichs als Sommerfrische auserkoren wurde.

Altaussee ist eine bereits uralte Ansiedlung am Westende des gleichnamigen Sees. Als wichtiger Ort der Salzgewinnung, urkundlich seit 1147 bekannt, ist es auch älter als Bad Aussee. Das Ortsbild wird dominiert durch die typische Häuserstruktur: gemauertes Erdgeschoß mit hölzernem Obergeschoß, oft mit einer angebauten Veranda über dem Eingang. So stellte sich das Ortsbild noch bis vor kurzem dar. In den letzten Jahren wurde durch Investitionen, die architektonisch sicher diskussionswürdig sind, das Bild verschoben. Aber darüber haben wir uns heute sicher nicht den Kopf zu zerbrechen. Wir folgen den Kulturschätzen, denen auch die Fahnen der freiwilligen Feuerwehren angehören.

Daneben sehen Sie die bereits oben erwähnte, originale Urkunde der Fahne und die Fahnenbänder der Fahnenmutter.

Die ortsansässige Feuerwehr Altausseee wurde 1877 gegründet und feiert daher am 19. Oktober 1902 ihr 25- jähriges Bestandsjubiläum. Im Rahmen eines Festgottesdienstes, gehalten von Pfarrer Dominikus Königshofer, wurde auch die Weihung der Fahne in der Pfarrkirche von Altaussee vorgenommen. Wer dieser Feierlichkeit beiwohnte, habe ich oben bereits beispielhaft genannt, möchte allerdings noch - gerade weil es jenem gut erhaltenen originalen Schriftstück zu entnehmen ist - ergänzen: … der löbliche Lehrkörper und Gemeindevertreter von Altaussee, … , die freiwilligen Feuerwehren von Aussee mit Fahne und Musik, die Feuerwehren von Grundlsee und Ischl, …. Natürlich kommt durch Erwähnung in dieser sicherlich historischen Urkunde von Persönlichkeiten aber auch den Attributen wie Musik und Fahne große Bedeutung und Wichtigkeit zu. Das war leider - was die Fahne im allgemeinen betrifft - im vorigen Jahrhundert auch aus knappen finanziellen Mitteln heraus nicht immer so.

Weiter geht es dann im Text: Nach den üblichen Zeremonien der Weihe wurde die Fahne von der Fahnenmutter Gräfin Marie von Schönborn an den Feuerwehrhauptmann Herrn Josef von Khälß feierlich übergeben, welcher dieselbe dem Fahnenjunker Herrn Otto Scheichl überreichte, während die K.K. - Bergmusikkapelle auf dem Chor das Lied „Das ist der Tag des Herrn“ von Kreutzer anstimmte. (Anm.: Conradin Kreutzer, deutscher Musiker, Dirigent und Komponist und typischer Vertreter der Frühromantik und des musikalischen Biedermeier. Aus dem erwähnten Lied die wohl schönsten Zeilen der zweiten Strophe: „O süßes Graun, geheimes Wehn, als knieten viele ungesehn und beteten mit mir.“)

Zum Thema Fahnenjunker darf ich Sie auch auf weiter unten verweisen, auf das Originalschriftstück aus Grundlsee.


Die prachtvolle, aus schwerer, rot - weißer Seide und reicher Goldstickerei verfertigte Fahne wurde von seiner Erlaucht Arthur Graf Schönborn gespendet. (Siehe Deckblatt der Urkunde.) Die weisse Seite auf welcher der heilige Florian gestickt ist trägt die Inschrift: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.  

Auf der roten Seite sind die Feuerwehr- Embleme gestickt nebst folgender Inschrift: „Freiwillige Feuerwehr Altaussee“ gespendet von Arthur Graf Schönborn Wiesentheid. Bei all den anderen Feuerwehrfahnen ist mir niemals, neben der Nennung des Ortes nach „Freiwillige Feuerwehr“, aufgefallen, dass die Initialen der Ortschaft nochmals genannt sind: FFAA. Höchstens die „FF“ Insignien als Zeichen der Abstammung von den Turnervereinen. Das kann ein Hinweis auf die Einmaligkeit der Fahne sein, oder die Buchstaben sind erst nachträglich angebracht und eingestickt worden. Jedenfalls ist es eine seltene Applikation. Siehe rechtes Bild!

Aber weiter in der Geschichte: im Jahre 1972 - zum 95. Bestandsjubiläum der FF - wurde auch eine neue Fahne angeschafft, die thematisch und in der Ausarbeitung ident mit der alten ist. Und das ist ein besonderer Glücksfall, denn dadurch haben Sie die Gelegenheit die verschiedenen Jahrhunderte vergleichen zu können: im Material, in der handwerklichen Ausführung und in der Gesamtwirkung.

In der Reihenfolg: Alt, neu, alt!

Altaussee

Bad Aussee

Mit wunderschönen Stoffen haben wir es in Bad Aussee auf Schritt und Tritt zu tun: in der Feuerwehr und in den Geschäften dieses mondänen Ortes. Jener Ort, der am Zusammenfluss der Grundlseer und der Altausseer Traun gelegen ist. Dieser Flecken wurde im Jahre 1295 zum Markt ernannt und natürlich begründete der Salzbergbau und der Salzhandel den Reichtum dieses Ortes. Grossteils wurden die Fassaden des spätgotischen Kernes im 19. Jahrhundert verändert, doch sind heute noch einige Zeugen dieser Zeit präsent: wie so oft vor allem die Innenräume der Sakralbauten. Besonders bemerkenswert fand ich die Spitalskirche, die im Jahre 1553 „wiederhergestellt“ wurde, nachdem sie einem Brand zehn Jahre zuvor zum Opfer gefallen ist.

Bad Aussee: ein Ort voller Tradition und wunderschönen Stoffen. So groß die Auswahl ist, so kleidsam sind die stofflichen Ideen.

Mit vollem recht beabsichtigt die FF Bad Ausseeam 5. Und 6. August ihr 100- jähriges Gründungsfest in festlichem Rahmen und mit einem besonders gestalteten Programm zu begehen, denn nur wenige Feuerwehren der Steiermark haben bisher auf eine so lange Bestandsdauer hinweisen können.“

Das sind die Worte des Komm.-Rat Josef Prugger in der Festschrift, vor etwas mehr als fünfundvierzig Jahren Landesfeuerwehrkommandant der Steiermark. In diesen Worten schwingt natürlich auch Stolz mit, Stolz auf die Leistungen der Männer, als auch auf die Tradition. Leider kann man fast ein halbes Jahrhundert später nicht mehr ganz so stolz sein auf den bedauerlichen Zustand der alten Fahne. Zu Pfingsten - so entnimmt man der Schrift - 1897 feierte die Feuerwehr ihr 25 jähriges Gründungsfest. Frau Baronin Oppenheimer hat aus diesem Anlaß dem Verein eine schöne Fahne gespendet, die heute noch im Besitz der Wehr ist. Es war mit Sicherheit diejenige Fahne, die im Bildnis des Florian am individuellsten und beinahe ausgefallensten war - siehe oben die Fotogalerie - aber leider auch den schlechtesten Zustand aufweist. Diese Fahne braucht Hilfe und je eher, desto besser!

Aus vorhergehenden Gründen widmen wir uns etwas näher der jüngeren Fahne, die ebenso  wie in Altaussee im Jahre 1972 entstanden ist. Fahnenpatin ist Fr. Cäcilia Maier, Gattin des damaligen Kommandanten Stellvertreter. Diese Fahne trägt - ebenso wie die alte - sehr individuelle Züge.


Den Feuerwehren ihre Fahnen, den Fahnen ihre Motive. Die Zeit bringt auch diesbezüglich Veränderung. Florian zeigt eine ungeheure Dynamik und das Eichenlaub ungewohnte Farbschattierungen. Es sind fast lachsfarbene Töne in der Arbeit, nicht mehr nach der Natur, dafür absolut individuell! Wunderschön und einmalig, wie Bad Aussee selbst ist die Darstellung der Alpenblumen: Edelweiß, Enzian und ? Und? Almrausch oder vielleicht eine Alpenrose - stilisiert?

Im Festprogramm findet sich die Feldmesse mit Fahnenweihe für 9 Uhr am Sportplatz anberaumt. Dort wurde die Fahne mit der Darstellung von Bad Aussee, vom urkundlich beglaubigten geographischen Mittelpunkt aus gesehen, geweiht.

Grundlsee

Zur Wahl des ersten Fähnrichs/ Fahnenträger haben sich fünf Aktive der FF Grundlsee im Jahre 1901 gestellt. Mit großem Vorsprung - 22 Stimmen - wurde Franz Gaiswinkler.

Natürlich gibt es für die Zeremonielle genaue Vorschriften, wie die Fahne zu tragen ist, die Schrittfolge oder das präsentieren selbiger. Meist sind dies „höhere“ Anlässe, im Beisein von Ehrengästen und Bürgermeister.  Aber natürlich auch Trauerfeiern für Kameraden.

Grundlsee liegt am Nordhang über dem See und bietet ein traumhaftes Panorama über die umliegende Bergwelt. Auch hier dominieren typische  Bauernhäuser mit gemauerten Erdgeschossen, deren Errichtungszeit oft bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht. Im ausgehenden 19. Jahrhundert und mit dem damals einsetzenden Fremdenverkehr sind ähnlich wie in den zuvor genannten Ortschaften auch Gasthöfe und Villenbauten dazugekommen. Der Blick und der Sonnenuntergang auf den Dachstein ist ein echtes Erlebnis, ein visuelles Abenteuer, eine bleibende Erinnerung.

Diese Fahne, 1900 hergestellt, besticht - wie der Sonnenuntergang der Umgebung -  durch besondere Farbvielfalt.

Die FF Grundlsee ist in Besitz zweier Fahnen. Richtig: einer alten und einer im Jahre 1972 (das war ein sehr gewinnbringendes Jahr für die Kultur der Feuerwehren) an die alte thematisch angelegte neue Fahne. Das ältere Modell besticht nicht nur im umlaufenden Brokatstoff, der mit einem Muster verziert ist, der an einen Vierpass (Anm.: der Vierpass ist ein häufiges Ornament der Romanik und der Gotik. Er besteht üblicherweise aus vier Kreisbögen mit gleichen Radien, die einem Kreis einbeschrieben sind) erinnert. Das mag vielleicht auch den engen Bezug zur römisch katholischen Kirche unterschreiben. Und weil das so ist, wurde dieses Muster gleich auch in die neue Fahne übernommen. Natürlich nicht mehr so aufwendig, aber farblich fast ident. Er ist nur nicht mehr ganz so breit. Aber noch erstaunlicher stellt sich der heilige Florian dar. Der aufwendig, mit ernstem Gesicht blickende Florian von vor beinahe 120 Jahren. Auch auf dieser Fahnenseite besticht das Handwerk des Künstlers durch eine kaum gesehene Farbvielfalt, sehr kräftige Violetttöne in der Beinkleidung des Hailigen bis hin zu zart rosa Tönen in der Schleife, die dann in das rot der Früchte übergeht. Eine Pracht!


Natürlich möchte ich auch in Grundlsee den Ausdruck der verschiedenen Jahrhunderte zeigen.  Was gefällt bleibt natürlich dem Betrachter überlassen. Links: 1972, rechts: 1900

Bewundern Sie abschliessend mit mir noch eine Fotogalerie, die die Schönheit unseres Kulturgutes so richtig zur Geltung bringt. Beachten Sie Handwerk, Stofflichkeit und die große Wertschätzung der Feuerwehren diesen Schätzen der Kultur gegenüber, die auch immer ein - in diesem Fall - langer Abschnitt der Geschichte Österreichs erzählt. Bewahren wir sie nicht nur ideell, sondern mit Unterstützung, die sie brauchen!

Ich möchte mich abschliessend mit mehr als nur Dank an die Kommandanten und all Jene richten, die sich die Zeit genommen haben, mir die Fahnen zu zeigen und auch durch Erzählungen über das Feuerwehrwesen und die lokalen Begebenheiten zu diesem ausführlichen Bericht zu verhelfen! Auch wenn es mir vielleicht nicht zu steht: GUT HEIL!