Der Mürzer Naturparktriathlon

Wie schon seit vielen Jahren findet im Juli der Mürzer Oberland Naturpark Triathlon statt. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer, sowohl in der olympischen Distanz vor allem aber beim Hobbytriathlon. Es handelt sich, natürlich weil die Strecke durch das Mürztal führt, um einen ausgesprochen attraktiven Triathlon. Um ein bisschen mehr über diesen „Randsport“ zu erfahren haben wir mit einem der Organisatoren des Naturpark Triathlon, nämlich mit Werner Polleres aus der Krampen, einem Ortsteil von Neuberg an der Mürz gesprochen. Und viel, viel Interessantes erfahren. Folgen Sie uns in das Abenteuer Triathlon mit persönlichen Erfahrungen eines Sportlers und ein wenig Regelkunde.

Ich werde die tollsten Fotoimpressionen nach dem Bewerb dieser Seite beifügen. Schauen Sie einfach wieder vorbei!

Der Blick in Richtung Neuberg, stromabwärts. So werden die Teilnehmer des Triathlon das Mürztal wahrscheinlich nicht erleben.

dMP: Wann ist Euer Triathlonverein gegründet worden?

Werner Polleres: Ursprünglich ist der Verein Anfang der Neunziger Jahre gegründet worden, als sich der Sport des Triathlon aus dem Duathlon entwickelt hat. Das waren die Disziplinen laufen- radfahren- laufen. Zwischenzeitlich hat man neben den Duathlon Sportarten auch andere, auch ganz witzige, dazugegeben und irgendwann hat sich schwimmen etabliert. Anfänglich brustschwimmen, letztlich hat sich aber kraulen durchgesetzt. Natürlich werden heute auch überall Neoprenanzüge verwendet, damit man besser im Wasser liegt.


dMP: Da gibt es ja bereits Oberflächen, die einem Haifisch ähnlich sind …

Werner Polleres: Ja, damit kann natürlich Geld gemacht werden. Die Industrie weiß, dass Triathleten Geld haben. Das sind Leute, die zwei Dinge mitbringen: Geld und Zeit. Es gibt keine armen Leute, die professioneller Triathlon machen. Das Rad alleine, damit man „mitfahren“ kann kostet zwischen 4.000 und 10.000 Euro. Es ist auch vom Training sehr umfangreich. Die üblichen Distanzen - wie bei unserer Veranstaltung - sind die Hobbydistanz und die olympische Distanz, die „genormt“ ist. Die ist bei jeder Veranstaltung- von Olympia bis in`s Mürztal - gleich. Es gibt da natürlich auch die „Weltserie“, die für die Sportler auch lukrativ wird. Offiziell gibt es noch die Halb Ironman Distanz, die Ironman Distanz, weiters dreifach- und zehnfach Ironman. Da dominieren meistens Frauen, weil sie ausdauernder sind.

„Triathleten sind Leute, die zwei Dinge mitbringen: Zeit und Geld.“

In dieser Gemeinde wird er veranstaltet, der Oberland Naturpark Triathlon : Neuberg an der Mürz.

dMP: Und für die Kinder gibt es auch einen eigenen Bewerb.

Werner Polleres: Der für die Kinder hat keine Vorgaben über die Länge, es ist schwimmen und dann eine Runde oder für die Größeren zwei Runden um den Teich.

Anmerkung: Gemeint ist der Urani Teich, wo auch die Wechselpunkte sind.

Da profitieren am meisten die Kinder, die gut schwimmen können. Auf die kurzen Strecken machet man gerade beim Schwimmen so viel Zeit gut, die man nicht einholen kann. Grundsätzlich muss man beim Triathlon natürlich drei Sportarten können, aber wenn Du in einer richtig gut bist, genügt es manchmal …


dMP: Du hast ja auch oft teilgenommen. Welche war Deine stärkste Disziplin?

Werner Polleres: Ich war beim Duathlon in Österreich oder Steiermark in meinen Altersklassen meist ganz vorne mit dabei, oft auch am Stockerl. Ich bin zum Triathlon nur dazugekommen um eine Lizenz zu haben, um bei Duathlon Staatsmeisterschaften, die steirische Meisterschaft oder den Cup zu bestreiten. Die bekommt man natürlich nur über einen Verein für die Duathleten und die Triathleten. Und irgendwann habe ich auch angefangen, für den Triathlon zu trainieren. Ich habe dann schwimmen gelernt, ich konnte nicht kraulen. Mein erster Bewerb war ein Halb Ironman und danach gleich einen Ironman. Die Distanzen dabei sind 3,8km schwimmen, 180 km radfahren und darauf ein Marathon. Beim Halb Ironman ist es genau die Hälfte. Beim Kraulen hilft der Neoprenanzug, der hat einen Auftrieb. Wenn man nicht so gut schwimmt, nimmt man einen dickeren Anzug. Ich habe dann in St. Pölten mitgemacht und bin eine respektable Zeit geschwommen und sehr gut gefahren und gelaufen. Beim Ironman in Kärnten war dann Neoprenverbot, weil das Wasser zu warm war. Ich habe die ganze Strecke im Bruststil absolviert … Mit den Letzten bin ich aus dem Wasser heraus. Aber da ich habe gewusst, ich komme durch. Die besten schwimmen um die vierzig Minuten, ich habe etwas mehr als zwei Stunden gebraucht. Lacht. Bis zum Ende habe ich ca. 1500 Teilnehmer überholt. Die besten sind um die acht Stunden unterwegs. Heuer hat in Klagenfurt unser österreichisches Aushängeschild Michael Weiß gewonnen.


dMP: Du hast das ganze Jahr dafür wahrscheinlich trainieren müssen?

Werner Polleres: Ja, im Oktober macht man eine Pause und im November fangt man mit dem Schwimmtraining an. Natürlich auch Radfahren und Skitouren gehen, was bei uns in der Gegend möglich ist. Laufen ist im Winter begrenzt … Jetzt gibt es einen Radweg, wofür man der Gemeinde danken muss.


dMP: Passen hier die Trainingsbedingungen? Vom Gelände her - ist das gut?

Werner Polleres: Nicht optimal. Es ist immer bergig  im Naturpark. Über den Winter hindurch bis April muss man bereits die Grundlage haben. Das bedeutet, die meisten Trainings bei niedrigsten Puls. Ein Hobbysportler braucht gute zehn Stunden in der Woche, für das Grundlagentraining. Bei einem Berg kommt man aus der Grundlage heraus. Das Training stellt sich wie eine Pyramide dar. Je breiter die Grundlage ist, desto größer die Leistung. Bei der olympischen Distanz ist eher Schnelligkeit gefragt, beim Ironman Ausdauer. Das unterscheidet sich auch schon im Training. Olympisch ist 1,5km schwimmen, 40km fahren und 10km laufen. Die Strecke für die 40km sind: Urani - Frein - Urani. Da sind Zeiten unter einer Stunde bei einem Schnitt von 43 km/h drinnen. Mit Spitzen um die 60 km/h und mehr. Die meisten Räder haben eine Hinterscheibe drinnen, das wirkt wie ein Segel. Mit ein bisschen Wind fahrt man auch 70km/h und bei manchen Kurven muss man schon abbremsen. Die Laufrunde ist durch die Wiese etwas langsamer als auf Asphalt.


dMP: Stellt man sich als Sportler ein Ziel?

Werner Polleres: Die Hobbysportler, die aber schon ein hohes Niveau haben , streben um die zwei Stunden  an. Jeder hat sein persönliches Ziel mit einer Zeitvorgabe. Es geht nicht um Plätze, die meist an die Semiprofis vergeben sind.  

„Mit ein bisschen Wind fahrt man auch 70km/h und bei manchen Kurven muss man schon abbremsen.“

Für die Sehenswürdigkeiten der Region  - wie hier das Stift in Neuberg - haben die Sportler bei 70 km/h wohl eher keine Zeit und Muße. Aber man kann ja wieder kommen … Im Hintergrund die Schneealpe.

Werner Polleres: Beim Hobbybewerb sind wahrscheinlich heuer bereits mehr Teilnehmer als beim olympischen. Weil es auch ein Hype ist. Jeweils sind es 100 - 120 Teilnehmer.


dMP: Das wird die Gemeinde freuen …

Werner Polleres: Das ist auch gut und die Gemeinde unterstützt uns auch. Wir bekommen im Vorfeld eine Vereinsförderung, weil von der Zeitnehmung angefangen bis zu den Einsatzkräften hin zu den Paddelbootfahrern brauchen wir Leute. Das wird für die Sicherheit vorgeschrieben. Wir brauchen auch Mülltonnen, die Duschen in der Schule, usw. Der Urani unterstützt uns auch. Das ist eine win - win Situation.  


dMP: Gibt es für die Sportler eine Verpflegung?

Werner Polleres: Es gibt ein Startersackerl mit Werbung vom Naturpark, ungefähr zehn Testpackerln, die gesponsert werden. Ein Getränk, ein Apfel, ein Müsliriegel.  Das muß ich alles aufstellen. Ein Sponsor wäre ideal. Allein die Organisation des Startersackerl ist sehr zeitaufwendig. Natürlich gibt es auch die Startergebühr, die beim Triathlon relativ hoch ist. Eine Ironmananmeldung - da kauft man sich einen slot für eine Nummer ein Jahr vor dem Bewerb um 200 € - kostet 520 Euro! Bei uns kann man sich noch am selben Tag anmelden. Ich organisiere für unseren Bewerb die Transparente und ein halbes Jahr vorher auch die Flyer. Das beginnt immer im November.


dMP: Ist das Preisgeld ein Anreiz für die Sportler?

Werner Polleres: Das braucht man, sonst kommen keine guten Triathleten mehr.


dMP: Leben wird man nur sehr schwer davon können.

Werner Polleres: Auf die Stunden darfst das nicht aufrechnen.


dMP: Gibt es Kriterien für die Streckenführung, wie Steigungen? Ist der Badeteich beim Urani geeignet?

Werner Polleres: Nur in Klagenfurt schwimmt man gerade hinaus und wieder zurück. Sehr viele Teiche mit 700 Metern Länge gibt es nicht … Sonst nur die Länge der Strecken.



Auch diesen Blick entlang der Radroute auf die Schneealpe werden eher die Zuschauer genießen können.

Werner Polleres: Aber nicht nur der Sport wird trainiert beim Triathlon, sondern auch der Wechsel. Die Sportler ziehen blitzschnell auf den 150 Metern den Neoprenanzug aus und streifen in die Radlschuhe einfach hinein. Dazu sind sie mit Gummiringerln hinten befestigt, die dann reissen. Weiters gibt es eine Linie, ab der man erst auf das Rad aufsteigen darf. Daneben stehen Schiedsrichter, die die Teilnehmer zurückpfeifen, um den Helm richtig aufzusetzen. Jedes Rad wird überprüft. Das ist recht spektakulär beim Wechselpunkt die Sportler zu beobachten. Jeder hat auch eine Box mit, wo der Teilnehmer seine Sachen verstauen kann. Wenn das nicht ordentlich gemacht wird, schreitet wieder der Schiedsrichter ein …


dMP: Gibt es auch etwas wie Zeitstrafen?

Werner Polleres: Ja, Strafen gibt es natürlich auch. Beispielsweise auf Windschattenfahren. Es gibt aber auch Windschattenrennen. Die olympischen, die vom WTU (world triathlon) ausgetragen werden, sind Windschattenrennen. Da haben die Räder auch extra „Stummeln“ am Lenker angebracht. Bei unserem Bewerb bekommt der Fahrer eine Zeitstrafe. Es gibt diesbezüglich genaue Vorschriften, wieviel Meter der Abstand zwischen den Rennrädern betragen muß. Auch beim Überholen muß sich der Überholte zurückfallen lassen, weil er sonst riskiert, in den Windschatten des Überholenden zu kommen.


dMP: Und wie wird das überprüft?

Werner Polleres: Auf der gesamten Strecke sind Motorräder unterwegs, die auf die Teilnehmer achten. Dem „Schuldigen“ wird eine Karte gezeigt, der Schiedsrichter schreibt sich die Startnummer auf und gibt sie an die Penaltybox weiter. Wenn jetzt der Sportler beim Wechsel vom radfahren zum Laufen nicht in die Penaltybox kommt, um die Strafe abzusitzen, dann heißt es: „did not finish“. Natürlich kann der Teilnehmer dagegen Protest einlegen, das ist allerdings mit 20 € Protestbeitrag verbunden. Ganz wichtig ist das littering. Wenn einer, der Papierln oder Verpackungsmaterial von Riegeln oder Gelgetränken ausserhalb der dafür vorgesehenen Zone wegwirft, ist er sofort disqualifiziert. Das wird auch beim Ironman so gehandhabt.


dMP: In diesem Sinne wünsche ich einen naturschonenden Bewerb und herzlichen Dank für das Gespräch.

„Wenn der Sportler beim Wechsel nicht in die Penaltybox kommt, um die Strafe abzusitzen, dann heißt es: „did not finish“.


„Ganz wichtig ist das littering. Der Spotler wird sofort disqualifiziert“

Es geht nicht immer um den Sieg. Wenn man die Freude von Kindern als auch Erwachsenen am Sport und an der Bewegung sieht, ist mein Auftrag als Fotograf erfüllt.

Das Sportgerät, das mich am meisten beeindruckt hat war die Wettkampfschwimmnudel in der Gruppe der Jüngsten! Übrigens sehen Sie auch einen Sieger: Aus dem Hobbybewerb. Wahrscheinlich auch bereits im Bild auf dem Rad der Sieger des olympischen Triathlon. Ich muss auch noch bemerken, dass ich den allerletzten Bewerb - das Laufen - bedauerlicherweise der schöneren Kulisse für die Radfotos in der Krampen geopfert habe. Eines aber ist gewiß: Es war ein fantastisches Event, unter herrlich blau - bewölktem Himmel mit vielen Gewinnern!